Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Zytiga
Zytiga
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
08. Februar 2013

Experte: Äußerungen Meisners sind "Ausdruck von Hilflosigkeit"

Nach dem Skandal um eine abgewiesene vergewaltigte Frau in einer katholischen Klinik beklagt der Kölner Kardinal Meisner eine "Katholikenphobie". Wieso klafft die Wahrnehmung zwischen der Kirchenführung und dem Großteil der Gesellschaft so weit auseinander? Die Klage des Kölner Kardinals Joachim Meisner über eine "Katholikenphobie" ist nach Einschätzung des Religionssoziologen Michael Ebertz Ausdruck von Hilflosigkeit. "Man fragt sich als Katholik: Warum greifen Verantwortliche in der Kirche immer wieder daneben?" sagte Ebertz.

Anzeige:
Tukysa
Tukysa
 

"Den Ausdruck Phobie muss man deshalb eigentlich anders sehen. Es ist eine Phobie der Katholiken vor ihrer Kirchenleitung. Viele Katholiken wachen morgens auf und fragen sich: In welches Fettnäpfchen wird heute wieder getreten?" Der Kölner Kardinal Meisner hatte Seelsorger seines Erzbistums zu Tapferkeit im Umgang mit öffentlicher Häme ermuntert. Das Erzbistum war massiv in die Kritik geraten, weil eine vergewaltigte Frau an zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden war.

Der Soziologe Ebertz, Professor an der Katholischen Hochschule Freiburg und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sagte, seit der Aufdeckung des Missbrauchsskandals müssten die Verantwortlichen in der Kirche erleben, dass sie vor ein gesellschaftliches Tribunal gestellt würden. Die katholische Kirche habe gegen etwas verstoßen, was zum Zivilisationsstandard gehöre: "Dass man sich nämlich nicht an kleinen Kindern vergreift." Dadurch habe die Kirche einen massiven Statusverlust erlitten. Sie sei es gewohnt gewesen, die Gesellschaft zu kritisieren. Nun erlebe sie, dass ihr Anspruch, eine übergeordnete Moral zu vertreten, in Frage gestellt werde.

Mit dieser völlig veränderten Situation könnten bestimmte Verantwortliche innerhalb der Kirche nicht umgehen. "Dass diese Mängel kaschiert werden mit dem Appell "Jetzt muss sich die Herde um die Hirten scharen", das ist Ausdruck von Hilflosigkeit", sagte der Religionssoziologe.

Ebertz berichtete, als engagierter Katholik sei auch er in letzter Zeit mehrfach gefragt worden, wie lange er diesen "Laden" noch unterstützen wolle. Dies könne durchaus "mit einer gewissen Häme" einhergehen. Solche Erfahrungen aber mit einer "Pogromstimmung" in Verbindung zu bringen, wie dies Erzbischof Gerhard Ludwig Müller getan habe, sei "massiv daneben".


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Das könnte Sie auch interessieren
Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
Erstes+bundesweites+Sommertreffen+junger+engagierter+Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Experte: Äußerungen Meisners sind "Ausdruck von Hilflosigkeit""

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.