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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
19. September 2016

Endoprothetik-Patienten in Deutschland sehr gut versorgt

Die Behandlungsqualität des Hüft- und Kniegelenkersatzes hat in Deutschland ein hohes Niveau erreicht. Die Implantationszahlen waren in den letzten Jahren stabil, werden aber aufgrund des demographischen Wandels künftig ansteigen. Das zeigen aktuelle Daten aus dem soeben erschienenen "Weißbuch Gelenkersatz". Darin wird deutlich, dass der Gelenkersatz zu den erfolgreichsten chirurgischen Eingriffen gehört: 90% aller künstlichen Hüft- und Kniegelenke halten länger als 15 Jahre und verhelfen Menschen mit Arthrose zu mehr Lebensqualität. Nach Empfehlung der Experten sollen Endoprothesen jedoch erst zum Einsatz kommen, wenn ein Gelenk wirklich nicht mehr erhalten werden kann.

Wie mit gelenkerhaltenden Maßnahmen Arthrose verhindert oder hinausgezögert werden kann, erläutern Orthopäden und Unfallchirurgen auf dem DKOU 2016 vom 25. bis 28. Oktober in Berlin.

Rund 370.000 Menschen in Deutschland haben im Jahr 2014 ein neues Hüft- oder Kniegelenk erhalten. Grund für den Ersatz ist meist eine fortgeschrittene Arthrose, die den Knorpel und schließlich das Gelenk zerstört: Häufig leiden die Betroffenen dann unter starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Dabei waren die Implantationszahlen in den letzten Jahren stabil und haben seit 2005 nur um 1,4% (Hüft-OPs) bzw. 1,7% (Knie-OPs) zugenommen. Die Eingriffszahlen folgen damit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung. "Der Vorwurf, dass Endoprothesen in Deutschland zu früh und zu häufig implantiert würden, ist nicht haltbar, die Eingriffe erfolgen indikationsgerecht und mit geringen Komplikationsraten", betont Professor Dr. med. Heiko Reichel, Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm am RKU. Die im "Weißbuch Gelenkersatz" zusammengefassten Qualitätskennzahlen zeigen, dass Patienten mit Kunstgelenken in Deutschland sehr gut versorgt werden. Künftig ist aufgrund der demographischen Entwicklung mit steigenden Implantationszahlen zu rechnen.

Wie lange ein Kunstgelenk hält, hängt von mehreren Faktoren ab - etwa vom Krankheitsbild des Patienten, den Begleiterkrankungen und der Beanspruchung, aber auch von der Operationstechnik und den Materialien des Implantats. "Für das bestmögliche Ergebnis sollten Patienten ein zertifiziertes Endoprothesenzentrum aufsuchen", empfiehlt Reichel, der als Kongresspräsident den DKOU 2016 mit gestaltet. "Diese arbeiten nach höchsten Standards und Qualitätsvorgaben der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, minimieren so das Risiko für Komplikationen und melden ihre Ergebnisse an das Endoprothesenregister Deutschland EPRD."

Dennoch sollten Kunstgelenke nur dann zum Einsatz kommen, wenn die individuelle Lebenssituation des Patienten dies notwendig macht und das eigene Gelenk nicht mehr erhalten werden kann. "Bei jedem zweiten Patienten mit Arthrose liegt die Ursache in einer angeborenen Fehlstellung oder unfallbedingten Vorschäden", so Reichel. "Mithilfe gelenkerhaltender Maßnahmen können wir bei korrekter Indikation die Entstehung oder das Voranschreiten der Arthrose verzögern und eine gute Gelenkfunktion aufrechterhalten." Den Erfolg eines gelenkerhaltenden Eingriffs demonstrierte eine Berner Arbeitsgruppe in einer 30-jährigen Beobachtungsstudie an Patienten, die bei vorgeschädigten Hüftgelenken eine Korrekturosteotomie der Hüftpfanne erhalten hatten. Nach 30 Jahren war ein Drittel der operierten Hüften noch erhalten und funktionsfähig. 60% der Hüftgelenke mussten erst in den letzten Jahren durch eine Endoprothese ersetzt werden. Die Ergebnisse der Studie werden auf dem DKOU 2016 in Berlin vorgestellt.

"Um Gelenkpatienten optimal behandeln zu können, sollten Kliniken heute das gesamte Spektrum der gelenkerhaltenden und -ersetzenden Verfahren perfekt beherrschen", sagt Reichel. In welchen Fällen die jeweiligen Behandlungen zum Einsatz kommen und welchen Erfolg sie versprechen, diskutieren Orthopäden und Unfallchirurgen auf dem DKOU 2016 in Berlin.

Literaturhinweis:
Weißbuch Gelenkersatz – Versorgungssituation bei endoprothetischen Hüft- und Knieoperationen in Deutschland, Springer Verlag, 2016
http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-53260-7

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.


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