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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
20. September 2016

Ehrenamt hat Konjunktur - Strukturwandel des Wohlfahrtsstaates?

Für viele Menschen - aus allen gesellschaftlichen Schichten - ist bürgerschaftliches Engagement heute eine Selbstverständlichkeit. Ob in der Unterstützung für Flüchtlinge, in der Alten- und Kinderpflege oder bei sozialen und kulturellen Einrichtungen, "das Ehrenamt hat Konjunktur", sagt Prof. Dr. Silke van Dyk. Kaum etwas sei im wörtlichen Sinne "ehrenwerter" als freiwillige erbrachte soziale Leistungen, erläutert die Soziologin von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch sie sieht diese allseits gelobte Entwicklung kritisch. "Damit geht ein tiefgreifender Strukturwandel des Wohlfahrtsstaates einher", macht sie deutlich.

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Mit dem Paradigmenwechsel vom fürsorgenden zum aktivierenden Sozialstaat werde immer mehr qualifizierte Arbeit von geringfügig Beschäftigten geleistet oder sogar von unbezahlten Kräften. "Dies führt praktisch zu einer Informalisierung von Erwerbsarbeit", so die Soziologin weiter. "Wir beobachten eine Art Community-Kapitalismus, der sich gezielt der Ressourcen der Gemeinschaft bedient."

Welche Auswirkungen dies auf die Gesellschaft hat, das untersucht Silke van Dyk in einem aktuellen Forschungsprojekt. Die gebürtige Kölnerin, die von der Universität Kassel jetzt nach Jena zurückkehrte, hat bereits von 2005 bis 2014 im Institut für Soziologie der Uni Jena geforscht: zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Akademische Rätin am Arbeitsbereich Gesellschaftsvergleich und als Projektleiterin im Sonderforschungsbereich "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch". Von 2012 bis 2013 hat sie zudem als Forschungsstipendiatin im Forscherkolleg "Postwachstumsgesellschaften" gearbeitet. Zuvor hat Silke van Dyk in Göttingen und Helsinki Soziologie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert und an der Uni Göttingen promoviert.

Den Wohlfahrtsstaat nimmt die Soziologin auch in ihren anderen Forschungsschwerpunkten sowie in der Lehre in den Blick. So untersucht sie etwa ländervergleichend, welche Rolle sozialpolitische Instrumente beim Abbau oder der Verschärfung sozialer Unterschiede spielen. Ein weiteres aktuelles Thema sind die gesellschaftlichen Folgen der demografischen Entwicklung. Hierbei stören sie vor allem die regelmäßig aufkommenden Debatten über die "Vergreisung der Republik" oder eine "Rentnerschwemme". "Bei all dem Alarmismus ist bislang nicht geklärt, warum eine Gesellschaft, in der der Altersdurchschnitt langfristig steigt, weniger gut funktionieren soll", sagt sie. In der Folge könne man stattdessen in vielen Bereichen heute eine Altersdiskriminierung ausmachen.

Dem Thema Altern in der heutigen Gesellschaft wird sich Prof. van Dyk auch im Rahmen eines Vortrags des Studium Generale im kommenden Semester widmen. Am 30. November spricht sie zum Thema "Leben im Ruhestand. Zur Neuverhandlung des Alterns in der Aktivgesellschaft" in der Aula der Uni Jena (Fürstengraben 1). Der Vortrag beginnt um 17.15 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena


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