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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
04. Dezember 2012

ECDC: "Notwendige Investitionen für eine Verringerung der Zahl der HIV-Übertragungen in Europa"

Die Zahl der 2011 in der Europäischen Region der WHO insgesamt neu gemeldeten HIV-Fälle liegt über 121.000. Davon entfallen über 28.000 Fälle auf die Europäische Union und den Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR). Dies bedeutet für die Region einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr und zeigt, dass nachhaltige Interventionen in den Kampf gegen die fortgesetzte Übertragung von HIV auch in Zeiten strenger Budgetdisziplin von großer Bedeutung sind.

Ein aus Anlass des Welt-Aids-Tages veröffentlichter Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und des WHO-Regionalbüros für Europa (1) zeigt, dass die Zahl der Neuinfektionen mit HIV in vielen Teilen der Welt zwar rückläufig ist, nicht jedoch im Bereich von EU/EWR und im Osten Europas und in Zentralasien sogar steigt.

Außerdem zeigen neue Ausbrüche von HIV-Infektionen unter Konsumenten von Injektionsdrogen in einigen EU-Ländern, dass auch niedrige Fallzahlen rasch wieder in die Höhe schnellen können, wenn nicht hinreichende Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

„Die globale Finanzkrise stellt die Investitionsbereitschaft der Regierungen für einen besseren Zugang zu bewährten Maßnahmen gegen HIV/Aids wie Prävention, Test und Behandlung auf die Probe. Im Osten der Region erhält nur jeder vierte Patient die erforderliche antiretrovirale Therapie und das ist eine der niedrigsten Behandlungsraten der Welt“, sagt hierzu die WHO-Regionaldirektorin für Europa Zsuzsanna Jakab. „Wir müssen insbesondere in Osteuropa und in Zentralasien dringend mehr Ressourcen einsetzen. Jeder für die HIV-Bekämpfung eingesetzte Euro amortisiert sich schon durch die Einsparung der Behandlungskosten, ganz zu schweigen vom gesellschaftlichen Nutzen, der im Erhalt von Gesundheit und Produktivität der Menschen begründet liegt.“

Während eines Forums zum Thema öffentliche Gesundheit in Athen sagte der Leiter des ECDC Marc Sprenger: „Mehrere Beispiele aus Ländern der EU zeigen ganz aktuell, dass wenn es uns nicht gelingt, die Übertragungskette zu durchbrechen, dies unweigerlich zu einer hohen langfristigen HIV-Prävalenz führen wird. Zumal sich unseren Daten zufolge 50% der neu infizierten Personen erst relativ spät testen lassen. Wenn wir die HIV-Übertragung in Europa verringern und verhindern wollen, dann müssen wir in HIV-Beratung und HIV-Tests investieren. Nur so sorgen wir für eine frühe Diagnose, einen Zugang zu Behandlungen sowie die Einhaltung der Behandlungspläne und nur so bauen wir die Zahl der sich erst spät meldenden Betroffenen ab und verbessern damit die langfristigen Behandlungsergebnisse.“

Die Lage in der Europäischen Region der WHO

Infolge der aktuellen Meldedaten treten über drei Viertel der HIV-Neuinfektionen im östlichen Teil der Europäischen Region auf. Die Hälfte aller Diagnosen in der Region werden so spät gestellt, dass der Nutzen einer Behandlung schon eingeschränkt ist. Späte Diagnosen und unzureichende Behandlungen führen gemeinsam zu einer Zunahme der Aids-Fälle in Osteuropa und Zentralasien und leider gibt es dort auch keine Anzeichen für eine Stabilisierung der Lage oder gar einen Rückgang der Fallzahlen.

HIV tritt immer noch vermehrt in bestimmten Bevölkerungsgruppen auf, etwa unter Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, Konsumenten von Injektionsdrogen oder Personen aus von einer allgemeinen HIV-Epidemie betroffenen Ländern. Allerdings zeigen die neuen Daten eine Bedeutungszunahme des heterosexuellen Übertragungswegs, über den jetzt 50% aller Neuinfektionen in der Region erfolgen. HIV-Prävention für Partner mit Risikoverhalten muss auch den heterosexuellen Übertragungsweg thematisieren.

Der neu veröffentlichte epidemiologische Bericht untermauert die Empfehlungen aus dem Europäischen Aktionsplan HIV/Aids (2012–2015), den die Länder der Region 2011 annahmen. Er unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren Förderung von HIV-Beratung und Tests in der gesamten Region, so dass HIV früh diagnostiziert und therapiert werden kann. Die Maßnahmen sollten sich insbesondere an Schlüsselgruppen richten, gegen deren Anfälligkeit vorgehen und Elternorganisationen sowie Zivilgesellschaft mit einbinden. So lassen sich die Behandlungsergebnisse verbessern, der klinische Nutzen vermehren und HIV-Übertragungen verhindern bzw. von der Zahl her verringern.

Die Lage im Bereich von EU/EWR


Im Bereich von EU/EWR tritt HIV hauptsächlich in Schlüsselgruppen auf, etwa (in der Mehrzahl der Fälle) unter Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, Personen aus von einer allgemeinen HIV-Epidemie betroffenen Ländern und Konsumenten von Injektionsdrogen. Der Anteil der HIV-Infektionen unter Konsumenten von Injektionsdrogen war 2011 relativ gering (5% aller Diagnosen) und ging damit gegenüber 2004 um 40% zurück.

In einem Forum über öffentliche Gesundheit stellte das ECDC am 30. November in Athen eine gründliche Analyse der HIV-Lage in Griechenland vor. Danach geht der aktuelle Ausbruch von HIV-Infektionen in Athen unter den Drogen injizierenden Menschen auf eine Kombination mehrerer Faktoren zurück, von denen einer das schon lange vor dem Ausbruch unzureichende Präventionsangebot war. Das ECDC bat die griechischen Behörden eindringlich, als Antwort auf den Ausbruch ihre Opioidsubstitutions- sowie Nadel- und Spritzentauschprogramme auszuweiten.

Die Zahl der Aids-Fälle ist seit Mitte der 1990er Jahre im Bereich von EU/EWR kontinuierlich zurückgegangen.


(1) Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten und WHO-Regionalbüro für Europa. HIV/AIDS-Surveillance in Europa 2011. Stockholm, Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, 2012. (http://www.euro.who.int/en/what-we-do/health-topics/communicable-diseases/hivaids/publications/2012/hivaids-surveillance-in-europe-2011).

Quelle: Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten


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