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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
02. November 2016

Diskussion um Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass ausländische Versandapotheken nicht an die in Deutschland geltende Arzneimittelpreisbindung gebunden sind - und damit die rund 150 inländischen Versandapotheken in die Bredouille gebracht: Anders als ihre ausländische Konkurrenz dürfen sie auf rezeptpflichtige Arzneimittel keine Rabatte geben. Und nun will der Bundesgesundheitsminister den Versandhandel für rezeptpflichtige Arzneimittel gleich ganz abschaffen. Ob dies die richtige Reaktion ist, darüber sprach Merck Biopharma Deutschland mit Udo Sonnenberg, dem Geschäftsführer des Bundesverbands der Versandapotheken (BVDVA).

Halten Sie ein Verbot des Arzneiversandhandels für rechtlich überhaupt haltbar? Immerhin haben die Apotheker im Vertrauen auf den per Gesetz eingeführten Versandhandel ihre Firmen oft erst gegründet?

Sonnenberg:
Der BVDVA hat bereits 2009 ein Gutachten zum Thema Versandhandelsverbot für Arzneimittel in Auftrag gegeben. Prof. Christian Koenig kommt ganz klar zu dem Schluss, dass ein solches Verbot nicht mit dem deutschen Verfassungsrecht vereinbar wäre. Es ist zudem fraglich, ob nach der EUGH-Entscheidung vom 19.Oktober ein mögliches Verbot aktuell auch europarechtskonform wäre - wahrscheinlich nicht.

Was würde ein Verbot für Ihre Mitgliedsunternehmen bedeuten? Ist der auf rezeptfreie Medikamente beschränkte Versandhandel wirtschaftlich überhaupt tragfähig?

Sonnenberg:
Es steht außer Frage, dass der wirtschaftlich interessantere Teil im Arzneimittelversand die verschreibungspflichtigen Medikamente sind. Ein Verbot mit diesen zu handeln, wäre für die Mitglieder des BVDVA verheerend und nicht hinnehmbar.

Wie hoch sind die Anteile von rezeptpflichtigen und rezeptfreien Arzneimitteln im innerdeutschen Versandhandel?

Sonnenberg: Der Anteil der rezeptpflichtigen Arzneimittel liegt derzeit bei deutlich unter zehn Prozent. Er ist naturgemäß sehr gering, weil sich immer noch nicht das elektronische Rezept in Deutschland durchgesetzt hat. Aber: Die Abfolge Diagnose, Therapie und  Arzneimittelversorgung ist stark lokal geprägt und wird das auch absehbar bleiben.
Darum sind die ganzen Horrorszenarien der Standesorganisationen unverständlich. Auch das elektronische Rezept, wenn es denn endlich mal da ist, wird nicht dazu führen, dass die Vor-Ort-Apotheke abgeschafft wird. Es erleichtert nur die Logistik hinter der Rezepteinlösung, macht den Prozess zudem schneller, transparenter und noch sicherer. Nicht zuletzt hat der Patient die Wahlmöglichkeit über den Vertriebsweg und kann sich das attraktivste Angebot aussuchen.
Das setzt aber voraus, dass die deutschen Arzneimittelversender mit ausländischen gleichgestellt werden. Letztere müssen sich seit dem 19. Oktober nicht mehr an das deutsche (Fest-)Preisrecht für Arzneimittel halten.

Quelle: Presseservice Merck Biopharma Deutschland


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