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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
22. November 2019

Digitalisierung zwischen Faszination und Risikomanagement

„Um eine App auf Datensicherheit zu prüfen, brauche ich eine Woche. Patienten müssen sich also darauf verlassen können, dass jemand anders für sie die Risiken abschätzt“, forderte IT-Analyst Martin Tschirsich auf dem LunchTalk der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Unter dem Titel „Highway to Health“ diskutierte Tschirsisch mit Dr. Markus Müschenich, Geschäftsführer der Firma „Flying Health“ die Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Über allem steht für uns das Selbstbestimmungsrecht für Patienten“, sagte DPtV-Bundesvorsitzende Barbara Lubisch, die im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft moderierte. „Wir danken unseren Gästen für die guten Argumente. Auf jeden Fall wird uns das Thema weiter begleiten.“
Hundert Prozent Sicherheit gibt es nicht

„Es gibt kaum noch Krankheiten, in denen Big Data und Digitalisierung keine Rolle mehr spielen“, betonte Dr. Müschenich, dessen Firma Startups bei ihrem Eintritt in den Gesundheitsmarkt unterstützt. „Smartphone-Sensoren können optisch den Blutzucker messen – Psychotherapie-Software kann Patienten-Reaktionen analysieren.“ Positiv sieht er die Digitalisierungspläne des Gesundheitsministeriums: „Die elektronische Patientenakte (ePA) wird Leben retten. Sie wird verhindern, dass Menschen sterben, weil Ärzten ihre Allergien oder Arzneimittel nicht kennen.“ Eine hundertprozentige Datensicherheit, so Dr. Müschenich, werde es bei Gesundheits-Apps nicht geben: „Die gibt es beim Autofahren aber auch nicht.“

Entscheidung erst nach Abwägung von Nutzen und Risiken

„Risikomanagement heißt nicht, alle Risiken von vornherein zu vermeiden, sondern zu ermitteln, ob es sich lohnt, ein Risiko einzugehen“, erklärte Martin Tschirsich, der in eHealth-Software bereits große Sicherheitsmängel feststellte. Meist scheiterten die Apps schon an kleinen Dingen: „Oft stehen die Daten ohne Grund in der Cloud oder sind nicht verschlüsselt.“ Erst die Abwägung von Nutzen und Risiken könnten die Patienten zu einer fundierten Entscheidung führen. „Bei der ePA zum Beispiel endet die Risiken-Diskussion immer mit der Aussage, dass die Akte sicher sei. Das reicht nicht.“ Die Datensicherheit sei Grundlage dafür, dass eine Software überhaupt Nutzen bringen könne. „Psychotherapie-Patienten mussten häufig Missachtung ihrer Privatsphäre erleben“, ergänzte der stellvertretende DPtV-Bundesvorsitzende Gebhard Hentschel. „Sie benötigen vom ersten Kontakt an absolute Vertraulichkeit ihrer Person und Daten. Sonst werden sie sich nicht öffnen und nicht genesen.“

Quelle: Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV)


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