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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
26. August 2016

Deutschlands Gedächtnis schlummert tief im Schwarzwald

Feuer, Hochwasser oder Krieg: Wenn Menschen tödliche Gefahren drohen, regelt das Konzept zur zivilen Verteidigung den Fall der Fälle. Doch auch kulturelle und historische Schätze sind bedroht. Im Barbarastollen lagern viele Tausend Kilometer Mikrofilme. Der Stollen reicht tief in die Felsen aus Granit und Gneis. Anfang des 20. Jahrhunderts als Transportstollen für ein Bergwerk gebaut, dient der 700 Meter lange Barbarastollen im Schwarzwald seit 1975 dem Bund als eines der wichtigsten und sichersten Archive in Deutschland.

Die Mitarbeiter der Landesarchive und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) belichten nach und nach Urkunden, Baupläne, Briefe und andere wichtige Dokumente auf Mikrofilmen und bringen sie in den Stollen. Der Schutz von Kulturgütern ist auch Bestandteil des derzeit diskutierten Zivilschutzkonzepts der Bundesregierung.

Dabei ist die Auswahl, was zuerst ins Archiv soll, gar nicht so einfach, weiß Bernhard Preuss, der beim BBK für Kulturgutschutz zuständig ist. "Man fängt bei den ältesten Dokumenten an, aber es gibt viele neuere Dokumente, zum Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg, die einem wegen ihres schlechten Papiers unter den Händen zerfallen." Diese müssten bei der Sicherungsverfilmung vorgezogen werden, sagt er.

Seit 1975 haben die Mitarbeiter des BBK fast 1.500 mit Filmen gefüllte Edelstahlfässer in extra angelegten Seitenstollen untergebracht. Darin liegen auf großen Rollen insgesamt etwa 31.000 Kilometer Film.

Warum wurde der Stollen als zentraler Bergungsort für die Bundesrepublik Deutschland ausgewählt? Tief im Felsen herrschen konstante klimatische Bedingen von etwa 10 Grad und 70% Luftfeuchtigkeit. In den luftdicht verschlossenen Behältern sollen die Filme mindestens 500 Jahre ohne Qualitätsverlust überdauern können. Seit 1978 gilt für den Barbarastollen in Oberried bei Freiburg ein Sonderschutz der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.

Der Eingang ist verschlossen und wird per Video überwacht, die Dokumente ruhen hinter sicheren Türen. Lage und Zufahrt zum Stollen sind jedoch nicht geheim.

Sinn der Archivierung ist, die wichtigsten kulturellen und geschichtlichen Dokumente vor einem Totalverlust zu schützen, der bei Krieg, Terrorismus oder auch durch Notfälle wie Feuer oder Fluten eintreten könnte. "Das Mikrofilmarchiv soll am Ende einen kompletten Abriss der deutschen Geschichte bieten, mit Originalen dokumentiert", sagt Preuss. "Das ist der eigentliche Wert, auch gegen Geschichtsfälschung." Wichtig ist, dass die Filme auch ohne technische Hilfsmittel gelesen werden können. Nötig sei nur eine Lupe. "Das ist für den absoluten Notfall gedacht."

Bis alle auf Papier vorliegenden Dokumente verfilmt und archiviert sind, wird noch viel Zeit vergehen. Platz genug im Barbarastollen gibt es dafür. Die digitale Zeit liegt für die Kulturgutschützer noch in der Zukunft. Wie digitale Dokumente überhaupt dauerhaft gesichert werden können, ohne große Rechenzentren zu betreiben, müsse erst noch entwickelt werden. Versuche, sie auf Filmen zu belichten, seien immerhin erfolgversprechend, sagt Preuss. Aber: "Wir haben noch genügend andere Archivalien, die vorrangig mikroverfilmt werden müssen."

Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Poensgen, betont, wie wichtig es sei, die Originale gut zu sichern. Es gebe aber Ereignisse, bei denen das nicht immer gelinge, wie etwa dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder bei Bränden. "Deswegen ist es außerordentlich wichtig, diese Dokumentation, das Gedächtnis der kulturellen Geschichte Deutschlands, an einem so sicheren Ort vorzuhalten und damit die Geschichtserinnerung zu sichern", sagt Pfeiffer-Poensgen.

Anfang Oktober können sich Interessierte bei einem Tag der offenen Tür über den Barbarastollen informieren. Dann gibt es auch etwas zu feiern. In den Stahlbehältern sollen dann die Aufnahmen von einer Milliarde Seiten lagern. Zum Jubiläum haben sich die Kulturgutschützer das Grundgesetz und seine Entstehung vorgenommen.

Quelle: dpa


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