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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
18. Februar 2013

Der Kungel-Verdacht - Wie groß ist der Pharma-Einfluss auf die Ärzte?

Pharmaindustrie und Ärzte stehen im Verdacht systematischen Kungelns. Jetzt verspricht die Industrie mehr Offenheit. Wie sicher kann man als Patient sein, dass verordnete Medizin möglichst viel hilft - und die Nebenwirkungen möglichst klein sind? Der Vorwurf von Kritikern lautet: Viele Medikamente kommen auch mittels beeinflusster Ärzte breit in die Anwendung, obwohl sie nicht für alle Patienten optimal sind - und womöglich sogar Risiken bergen. Erinnert wird dann etwa an Medizinskandale wie um das Schmerzmittel Vioxx - zurückgenommen wegen Herzinfarktgefahr. Wo gibt es heute Beeinflussung von Ärzten? Einige Beispiele von A bis Z:

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Anwendungsbeobachtungen: Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) gibt es jährlich rund 200 neue Studien, bei denen jeweils wenige dutzend bis mehrere hundert Ärzte Erfahrungen mit Medikamenten bei ihren Patienten an Hersteller melden. "Sie können sinnvoll sein, um Dinge auszuforschen", sagt KBV-Sprecher Roland Stahl. Laut Kritikern sollen die Kleinstudien, für die Ärzte entschädigt werden, vor allem Verordnungen befördern. Selbst der Forschungsleiter von GlaxoSmithKline in Deutschland, Torsten Strohmeyer, wird so zitiert: "Weit über 90% aller Anwendungsbeobachtungen, die in der Industrie laufen, halte ich für wissenschaftlich nicht angezeigt."

Ghostwriting: "Ein großes Problem ist etwa das Zustandekommen von Fachartikeln über klinische Studien zu neuen Arzneimitteln", sagt der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig. Pharmafirmen lassen demnach Artikel mit positivem Fazit über neue Produkte von professionellen Schreib-Agenturen verfassen - als Autoren würden namhafte Mediziner genannt. Die Hormonersatz-Therapie etwa in den Wechseljahren soll so gepusht worden sein.

Kongresse: Safari und Sauna zählten zum Programm für Urologen bei einem Workshop eines Pharmaherstellers im finnischen Wintersportort Levi. Die Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie ahndete den Fall. Doch gesponsorte Kongresse und Fortbildungen geben weiter Anlass für Nachfragen.

Pharmavertreter: "Das eigentliche Problem sind die vielen kleinen Einflussnahmen", sagt Eckhard Schreiber-Weber, Vorstand von Mezis, einer Organisation von Ärzten, die sich Gefallen von der Industrie verbitten. Rund 15 000 Pharmavertreter machten jedes Jahr rund 20 Millionen Besuche bei Ärzten. Sie brächten so neue Produkte in den Markt, die nicht unbedingt mehr nutzen, aber mehr kosten. "Viele Ärzte fühlen sich von Pharmavertretern anerkannt und aufgewertet."

Zeitschriften: Von der Industrie verteilte Streuzeitschriften zeigen die positiven Seiten neuer Medikamente auf. "Es gibt viele Ärzte, die sich aus diesen unseriösen Quellen informieren, auch weil sie relativ schnell zu lesende Zusammenfassungen klinischer Studien enthalten", sagt Ludwig.

Derzeit gibt es Handlungsdruck gegen allzu enge Arzt-Pharma-Verflechtungen. Denn der Bundesgerichtshof entschied vergangenes Jahr, dass Ärzte aufgrund ihrer Freiberuflichkeit heute nicht wegen Bestechlichkeit belangt werden können - selbst wenn sie Geld der Industrie für die Verordnung bestimmter Arzneimittel nehmen.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kündigte Anfang des Jahres an, die Gesetzeslücke zu schließen. Doch seither hält man sich in der Koalition bedeckt. Die Prüfungen bestehender Regeln liefen, doch die Sache sei nicht so einfach, heißt es im Ministerium.

Bereits bisher haben sich die forschenden Pharmahersteller ein Verbot für größere Geschenke an Ärzte auferlegt. Jetzt wollen sie weiter in die Offensive kommen. Bald gebe es einen europäischen Kodex, dann werde für Deutschland festgelegt, wie die Zahlungen an Ärzte veröffentlicht werden sollen, kündigt der Pharmaverband vfa an. 2016 soll es so weit sein. Der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Industrie, Holger Diener, verspricht: "Im Internet wird für jeden Patienten einsehbar sein, welche Zuwendungen sein Arzt von welchen Pharma-Unternehmen erhalten hat. Wir werden ein enormes Datenvolumen haben."

Eckhard Schreiber-Weber von Mezis meint: "Transparenz ist ganz in unserem Sinne." Skeptisch bleibe er gleichwohl. "Die Pharmaindustrie sollte Beeinflussungsstrategien einfach einstellen."


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