Samstag, 17. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
10. Juni 2013

Demenzkranke sollen Hilfe aus Pflegekassen bekommen - Umfang offen

Die umfassendste Reform seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 soll nach offiziellen Vorschlägen künftig mehr Hilfe für Millionen Demenzkranke bringen. Umfang und Kosten sind aber völlig offen. Das geht aus einem 218-Seiten-Entwurf eines hochrangig besetzten Expertenbeirats hervor, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Sonntag in Berlin vorlag. Auch die Berliner "tageszeitung" (taz) berichtete auf ihrer Internetseite darüber.

Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 

Das von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingesetzte Gremium listet auf, wie ein neuer Pflegebegriff aussehen soll. Dieser soll bewirken, dass die Betroffenen anders und umfassender als Empfänger von Leistungen aus der Versicherung anerkannt werden. "Durch den neuen Begriff werden Pflegebedürftige (...) und Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (...) zukünftig in einen von fünf Pflegegraden eingestuft", heißt es in dem Entwurf. Heute werden Pflegebedürftige einer von drei Pflegestufen zugeordnet.

Ziel ist es, geistig Beeinträchtigte in die Pflegeversicherung gleichberechtigt aufzunehmen, also vor allem Altersverwirrte. Es wird erwartet, dass sich die Anzahl der Demenzkranken von heute 1,2 Millionen auf 2,5 Millionen im Jahr 2060 verdoppelt. Sie gehen bei den Pflegekassen heute weitgehend leer aus.

Der Beiratsvorsitzende, der Bundespatientenbeauftragte Wolfgang Zöller (CSU), umriss die geplanten Veränderungen im Südwestrundfunk (SWR) so: "Da spielt jetzt keine Rolle mehr, ob einer (...) körperlich so behindert ist, dass er nicht zum Einkaufen gehen kann, oder er ist so dement, dass er alleine nicht mehr dorthin findet."

Doch neben der fehlenden Systematik liegen die Hilfslücken für diese Menschen daran, dass finanzielle Mittel heute nicht aufgebracht werden. Der Bericht macht deutlich: In diesem zentralen Punkt kommt es auch weiterhin auf politische Entscheidungen an. Der Expertenbeirat macht dazu keine klare Vorgabe.

"Finanzielle Auswirkungen werden im Bericht (...) - soweit möglich - mit dargestellt", heißt es zwar. So nennen die Experten Beispielrechnungen - etwa eine, nach der für Geldleistungen 1,67 Milliarden und für Sachleistungen 400 Millionen Euro pro Jahr mehr zu
erwarten sind. Doch in dem Bericht heißt es ausdrücklich, dass sich die Experten nicht für eines der Rechenbeispiele - je nach konkreter Ausgestaltung - entscheiden.

Doch das Gremium wartet auch mit konkreten Empfehlungen auf. Grundsätzlich fordert es: "Betreuung ist zukünftig nicht mehr eine zusätzliche Leistung, sondern eine gleichwertige und regelhafte "dritte Säule" der Leistungen der Pflegeversicherung."

Der Bericht soll Ende Juni an Minister Bahr übergeben werden. Selbst Mitglieder des Expertengremiums zeigten sich laut "taz" tief enttäuscht, weil man sich nicht auf stärkere finanzielle Vorgaben einigen konnte. Der Bericht liefert aber die Vorlage für eine mögliche große Reform direkt nach der Bundestagswahl. Politik, Branche und Betroffene bereitet er auf umfassende Veränderungen vor. So würden 18 Monate gebraucht, bis nach einem formellen Inkrafttreten eines Reformgesetzes das neue Verfahren zur Begutachtung der Betroffenen und das neue Leistungsrecht tatsächlich gelte, schreibt der Beirat.

Der Rat war schon für die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) aktiv und hatte Anfang 2009 Vorschläge ausgearbeitet. Sie sahen in verschiedenen Szenarien Mehrkosten von 0,2 bis 4 Milliarden Euro vor. Im März 2012 tagte das Gremium nach Querelen erstmals in einer neuen Zusammensetzung.

Bereits am 1. Januar trat eine Pflegereform in Kraft. Unter anderem können Menschen mit Demenz zu Hause mehr Unterstützung bekommen. Bahr hatte sich mit umfassenderen Forderungen aus Kostengründen nicht durchsetzen können und betont, die Änderungen seien nur ein Vorgriff auf eine geplante größere Reform.


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
Das könnte Sie auch interessieren
Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
Pr%C3%A4vention%3A+%E2%80%9EK%C3%B6rperliche+Aktivit%C3%A4t+so+wichtig+wie+ein+Krebsmedikament%E2%80%9C
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht...

Gemeinsam ein Zeichen gegen Blutkrebs setzen - World Blood Cancer Day am 28. Mai
Gemeinsam+ein+Zeichen+gegen+Blutkrebs+setzen+-+World+Blood+Cancer+Day+am+28.+Mai
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 28. Mai ist der World Blood Cancer Day (WBCD), der internationale Aktionstag im Kampf gegen Blutkrebs. Die DKMS stellt dazu auch in diesem Jahr Aufklärung und Information in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Die gemeinnützige Organisation möchte insbesondere junge Menschen nachhaltig an das lebenswichtige Thema Blutkrebs und Stammzellspende heranführen – und so künftig noch mehr Lebenschancen für...

Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren.
Bayern+gegen+Darmkrebs%3A+Das+Modellprojekt+%E2%80%9ESprich+dr%C3%BCber%21%E2%80%9C+will+junge+Menschen+im+Freistaat+vor+einer+Erkrankung+bewahren.
© Alexander Raths / Fotolia.com

Auf Initiative der Felix Burda Stiftung haben sich die bayerischen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zum Modellprojekt „Sprich drüber!“ zusammengeschlossen. Ziel des Projekts ist es, ein vorhandenes familiäres Darmkrebsrisiko bei Versicherten im Alter von 25 bis 49 Jahren möglichst so früh zu identifizieren, dass diese vor einer Darmkrebserkrankung bewahrt werden können....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Demenzkranke sollen Hilfe aus Pflegekassen bekommen - Umfang offen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.