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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
23. März 2021
Seite 1/2

Wie die Welt gegen Corona impft - ein Überblick

In Deutschland läuft die Impfkampagne langsam an, aus Israel hingegen gibt es erste Videos von Menschen, die wieder in Bars und Cafés dürfen. Wie die Länder dieser Welt gegen das Coronavirus impfen. Ein Überblick.
Seit Ende des Vorjahres die ersten Corona-Impfstoffe zugelassen wurden, impfen die Länder weltweit in verschiedenem Tempo. Zwar sind in der Regel immer die Hochbetagten diejenigen, die bei Impfungen priorisiert werden sollen. Doch Lieferengpässe, Corona-Mutanten oder Zulassungschaos bei Impfstoffen wirbeln die Impfreihenfolge und -geschwindigkeit immer wieder durcheinander. Ein Überblick, wo die Welt aktuell beim Impfen steht.

SPANIEN: Die Impfstrategie und -geschwindigkeit in Spanien ähnelt der in Deutschland. Zuerst wurden Hochbetagte, Altenheimbewohner und ihr Pflegepersonal sowie Ärzte und Pfleger der Intensivstationen geimpft. Diese erste von drei Phasen neigt sich nun dem Ende zu. Anschließend werden Jüngere geimpft. Seit Beginn der Impfkampagne in Spanien mit einer Bevölkerung von 47 Millionen wurden bisher knapp sechs Millionen Menschen gegen Corona geimpft. Fast 1,9 Millionen von ihnen haben schon die zweite Dosis erhalten, teilte die Regierung mit.

NIEDERLANDE: Die Niederlande haben als letztes Land der EU mit Impfen begonnen. Inzwischen wurde deutlich aufgeholt. Und eigentlich gilt ein strenger Fahrplan. Erst Risikogruppen wie Ältere und chronisch Kranke. Aber dazwischen mogelten sich immer wieder auch andere Gruppen wie zum Beispiel Personal von Krankenhäusern und Hausärzte. Inzwischen wurden Menschen mit extremem Übergewicht vorgezogen.

ÖSTERREICH: In Österreich gab es entgegen der üblichen Erstreihung von Hochbetagten und Gesundheitspersonal im Tiroler Bezirk Schwaz im März innerhalb von wenigen Tagen eine Massenimpfung unter allen Einwohnern. Damit sollte die ansteckendere Südafrika-Variante des Coronavirus bekämpft werden. Außerdem wurde in Österreich bereits im Februar damit begonnen, Lehrer und Kindergärtnerinnen zu impfen. Das liegt daran, dass der Impfstoff von Astrazeneca erst Anfang März für Menschen über 65 empfohlen wurde und daher zuerst für jüngere Gruppen verwendet wurde.

BRASILIEN: Das größte Land Südamerikas gilt mittlerweile als globaler Hotspot der Corona-Pandemie. Hier grassiert eine aggressive und hochansteckende Mutante. Das Gesundheitssystem ist am Zusammenbruch. Zudem hat das Land mit dem Rechtspopulisten Jair Bolsonaro einen Präsidenten, der das Coronavirus immerzu verharmlost und inzwischen auch eine Impfung in Zweifel zieht - und den Kauf oder die Produktion von Impfstoffen torpediert. So hat die landesweite Impfkampagne erst im Januar begonnen und musste immer unterbrochen werden, weil Impfstoff fehlte. Inzwischen wurden in Brasilien mehr als 10 Millionen geimpft, das Land hat 210 Millionen Einwohner.

ESTLAND, LETTLAND und LITAUEN: In den drei baltischen Staaten haben die Regierungen in ihren offiziellen Impfplänen eine Reihenfolge festgelegt. Geimpft wird demnach zuerst medizinisches Personal sowie Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen. Vorrang erhalten auch alle Menschen über 70 Jahre und chronisch Kranke. Alle drei Baltenstaaten möchten das Impftempo erhöhen, doch der Impfstoff ist knapp. Lettland etwa setzte vor allem auf den Astrazeneca-Impfstoff und hatte weniger andere Präparate bestellt. Dadurch haben bislang nur gut 4% der 1,9 Millionen Einwohner Lettlands den Schutz gegen das Coronavirus erhalten. In Estland und Litauen liegt die Impfquote bei jeweils über 10%.

USA: Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat versprochen, bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle rund 260 Millionen Erwachsenen in den Vereinigten Staaten zu haben. In den USA empfiehlt die Gesundheitsbehörde CDC eine bestimmte Reihenfolge für Impfungen: Zuerst kommen medizinische Angestellte und Menschen in Pflegeheimen dran, dann die wichtigsten systemrelevanten Arbeiter und Menschen über 75, es folgen jüngere Senioren und Kranke. Biden kündigte jedoch an, er werde die Bundesstaaten anweisen, die Impfstoffe bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen freigeben zu lassen. Insgesamt wurden bis Mittwoch mehr als 113 Millionen Dosen Corona-Impfstoff verabreicht. Mehr als 73 Millionen Menschen erhielten demnach mindestens bereits eine Dosis, rund 40 Millionen gelten bereits als voll geimpft. Insgesamt leben in den USA rund 330 Millionen Menschen. Damit liegen die USA unter den zehn impfstärksten Ländern weltweit.

SLOWAKEI: Die Regierung der Slowakei hatte Ende 2020 eine Reihenfolge festgelegt, nach der vor allem Mitarbeiter des Gesundheitssystems zuerst geimpft werden sollten. Zusätzlich sollten auch Mitarbeiter systemrelevanter Bereiche, die für das Funktionieren von Staat und Wirtschaft unentbehrlich sind, noch vor den ältesten Bevölkerungsgruppen und vor Risikopatienten drankommen. Das führte jedoch zu Chaos. Deshalb warf das Gesundheitsministerium schließlich den komplizierten Impfplan über den Haufen und legte ab März fest, dass nur mehr nach Reihenfolge des Alters geimpft werde. Mittlerweile wird in der Slowakei auch mit dem russischen Impfstoff Sputnik V geimpft, der in der EU noch nicht zugelassen ist.

MEXIKO: Als erstes Land Lateinamerikas hatte Mexiko seine Impfkampagne an Heiligabend begonnen. Fast drei Monate später sind erst rund 4,5 Millionen Dosen verabreicht und gut 600 000 Menschen vollständig geimpft worden. Dabei hatte Mexiko sich bereits im Oktober Bezugsrechte für insgesamt bis zu 146 Millionen Dosen dreier Impfstoffe gesichert. Inzwischen sind dort fünf Impfstoffe zugelassen, darunter zwei chinesische und das russische Vakzin Sputnik V. Viele reiche Mexikaner sind Berichten zufolge in die USA gereist, um sich dort impfen zu lassen.

VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE: Hier haben inzwischen gut die Hälfte der rund zehn Millionen Einwohner eine Impfung erhalten. Priorisiert werden ältere und chronisch kranke Menschen - in diesen Gruppen sind wohl bereits 70% geimpft worden. Neben den Staatsbürgern können sich auch ausländische Arbeitsmigranten impfen lassen.

TSCHECHIEN: Die Impfkampagne in Deutschlands Nachbarland ist nur schleppend angelaufen. Derzeit können sich alle Menschen über 70 Jahren online für einen Termin registrieren. Doch sind einige Fälle von Politikern, Funktionären und Prominenten bekanntgeworden, die bereits außer der Reihe geimpft wurden. Polizisten, Feuerwehrleuten und Lehrern wurde inzwischen ganz offiziell Priorität eingeräumt.

UNGARN: Es gibt im Prinzip eine festgelegte Reihenfolge, doch ein Teil der Impfungen wird von Hausärzten in ihren Praxen verabreicht. Diese haben mehr oder weniger freie Hand, wenn bei ihnen Dosen übrig bleiben weil etwa gebuchte Patienten nicht erscheinen.

SERBIEN: Das Land setzt neben westlichen Vakzinen im großen Stil den chinesischen Impfstoff Sinopharm und auch Sputnik V ein. Es gibt eine Reihenfolge, doch offenbar auch Impfstoff-Überschüsse. So wurden zuletzt "Aktionen" begonnen, wo in bestimmten Städten an festgelegten Tagen jeder über 60, später auch darunter, drankommen konnte.

POLEN: Bislang wurden in Polen mehr als drei Millionen Menschen gegen Corona geimpft. Das Land hat ähnlich wie Deutschland die Impfreihenfolge genau festgelegt, von alt nach jung, von "systemrelevant" hin zu Angestellten in Branchen, die wegen Corona geschlossen werden mussten. Kritik gibt es am langsamen Impftempo sowie an der teilweise chaotischen Terminvergabe, bei der manche Rentner einen Impftermin hunderte Kilometer von ihrem Wohnort bekamen und diesen nicht ändern konnten.
 
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