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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
31. März 2021

Steinmeier und die Corona-erschöpfte Republik

Ein Jahr Bedrohung durch das Coronavirus, ein Jahr Lockdown – das macht etwas mit den Menschen. Doch was genau? Dieser Frage will der Bundespräsident in seiner Veranstaltungsreihe „Bürgerlage“ auf den Grund gehen. Er bekommt Beunruhigendes zu hören.
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Ganz hat Katrin Andres der Mut noch nicht verlassen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt, und wir kämpfen weiter", sagt die Hoteliersfrau am Dienstag in einer Videoschalte mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Doch zuvor wurde bereits überdeutlich, dass von ihrem Mut nach monatelangem Stillstand in ihrem Hotel "Zur Post" in Freyung im Bayerischen Wald nicht mehr viel übrig ist. Das zeigen Sätze wie: "Die Nerven liegen eigentlich blank". Oder: "Es ist halt aussichtslos." Und: "Es ist im Moment so, dass unser ganzer Optimismus weg ist."

Schon zum dritten Mal sprechen sieben Frauen und Männer an diesem Dienstag mit dem Bundespräsidenten. "Bürgerlage" hat Steinmeier dieses Veranstaltungsformat genannt, in dem er eine Art Langzeitstudie in der Corona-Pandemie betreibt. Er schaltet sich immer wieder mit denselben Menschen zusammen, um ihre Situation und Stimmung zu ergründen. Man wolle, so Steinmeier, miteinander "im Längsschnitt" erfragen: "Wie verändert Corona, wie verändert eine Gesundheitskrise unser Land, wie verändert es vor allen Dingen die Menschen?"

Schnell wird bei dieser dritten Runde deutlich: Die Bürger befinden sich nach monatelangem Lockdown zunehmend in einem Erschöpfungszustand. Das gilt nicht nur für Hoteliersfrau Andres, die besonders frustriert, dass ihre Branche im jüngsten Beschluss von Kanzlerin und Ministerpräsidenten noch nicht einmal erwähnt wird. Sie sagt: "Wir haben wirklich im Moment keinen Antrieb und sind richtig am Boden."

Von Erschöpfung berichtet auch Maxi Brautmeier-Ulrich dem Bundespräsidenten. Sie leitet eine Grundschule in Paderborn. Schule auf, Schule zu, Wechselunterricht - das zehrt an den Nerven. "Wir halten alle tapfer durch, aber es geht uns so langsam die Puste aus", sagt sie. "Das gilt für die Erwachsenen, aber das gilt auch und noch viel mehr für die Kinder." Normalerweise wendeten die Lehrerinnen und Lehrer im ersten und zweiten Jahr viel Zeit dafür auf, um die Kinder in der Schule aufzunehmen, Sozialverhalten zu entwickeln und ihnen beizubringen, miteinander empathisch umzugehen und sich an Regeln zu halten. "Das fällt alles, alles weg." Die Schulleiterin warnt: "Da entstehen Schäden, die wir kaum mehr gut machen können."

Norbert Vos aus Stadtlohn in Nordrhein-Westfalen beobachtet eine "sehr heikle Situation, was die Stimmung angeht in Deutschland". Seine größte Sorge sei, "dass die Leute eventuell bald auf die Straßen gehen und richtig Randale machen". Vos organisiert ehrenamtlich Jugendfreizeiten. Für diesen Sommer hat er sie angesichts der dritten Pandemiewelle aber fast schon abgeschrieben.

Und auch Stanislaw Majewski glaubt kaum noch an einen entspannten Sommer. Er denke realistisch, sagt der junge Mann aus Berlin dem Bundespräsidenten. "Und ich glaube nicht, dass das dieses Jahr noch was wird mit schön Grillen im Sommer mit der Familie, mit Freunden." Doch Steinmeier verbreitet am Ende etwas Optimismus. Diese Runde solle nicht die letzte sein, sagt er. "Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir vielleicht noch nicht die nächste, aber die übernächste dann hier in Berlin bei Kaffee und Kuchen miteinander veranstalten können."

Quelle: dpa


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