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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
14. März 2017

Hochwertige Chirurgie braucht besondere Rahmenbedingungen

Neue Technologien und gestiegener Qualitäts- und Leistungsstandard haben die Chirurgie in Deutschland immer sicherer und effizienter gemacht. Doch die Rahmenbedingungen sind heute schlechter als in der Vergangenheit: Zu viel Bürokratie, der Pflegemangel, die veränderte Arbeitszeitgesetzgebung und die Ökonomisierung der Kliniken beeinträchtigen eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und das Arzt-Patienten-Verhältnis.
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Auf dem 134. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) vom 21. bis 24. März 2017 in München diskutieren Chirurgen unter dem Motto „Verantwortung, Vertrauen, Sicherheit“, wie die Infrastruktur im Sinne des Patienten angepasst werden müsste. Darüber hinaus tauschen sich die Experten über aktuelle Forschungsergebnisse und neue Behandlungsmethoden in den verschiedenen chirurgischen Disziplinen aus. Die Patienten-Arzt-Beziehung steht dabei in besonderem Fokus. Erstmals findet daher wenige Tage vor dem Kongress ein Patiententag statt. Einen Ausblick auf Highlights des diesjährigen Kongresses gibt DGCH-Präsident Professor Dr. med. Tim Pohlemann auf einer Vorab-Pressekonferenz in München am Mittwoch, den 15. März 2017.
 
„Trotz der enormen Fortschritte in der Chirurgie gibt es in Deutschland erhebliche Defizite in der Patientenversorgung“, erklärt Pohlemann. Patienten werden aufgrund des Pflegemangels bei Operationen immer schlechter vor- und nachversorgt und im Zuge des wachsenden ökonomischen Drucks schneller entlassen. „Dadurch wird letztlich der Behandlungserfolg gefährdet“, warnt der Unfallchirurg. Auch der demografische Wandel, die Arbeitszeitgesetzgebung sowie politische und regulatorische Vorgaben stellen die chirurgische Versorgung vor ungewohnte Herausforderungen.
 
Mit dem diesjährigen Kongressmotto „Verantwortung, Vertrauen, Sicherheit“ legen die Veranstalter den Fokus daher auf die Voraussetzungen, die notwendig sind, um als Chirurg bestmöglich zum Nutzen des Patienten wirken zu können. „Wir müssen die Patienten-Arzt-Beziehung stärken – breite Verantwortung für unsere Patienten übernehmen und ihnen auch in Zukunft Vertrauen in eine gute und sichere Versorgung vermitteln“, betont Pohlemann. Im Zuge dessen diskutieren die Experten mit dem diesjährigen Partnerland Niederlande, aber auch mit Vertretern aus Politik und Verwaltung internationale Modelle zur Zentralisierung, Steuerung von Patientenströmen und Weiterbildung, die bereits anderenorts erfolgreich eingesetzt werden.
 
Ein weiterer Kongressschwerpunkt ist die Notfallversorgung in Deutschland in Anbetracht der bestehenden Amok- und Terrorgefahr. In enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und dem deutschen Berufsverband Rettungsdienst werden sich Spezialisten in mehreren Veranstaltungen mit den Möglichkeiten einer erweiterten zivil-militärischen Zusammenarbeit in Notfallsituationen auseinandersetzen. „Diese Veranstaltungen sind interprofessionell ausgerichtet und daher sowohl für Ärzte, Rettungsdienstpersonal und Pflegekräfte im Akutbereich geeignet“, betont DGCH-Präsident Pohlemann.
 
Das Kongressprogramm gestalten neben der DGCH auch die chirurgischen Fachgesellschaften der Allgemein- und Viszeral-, Unfall-, Gefäß-, Herz-, Kinder-, Mund-Kiefer-Gesichts-, Thorax-, Neuro- und Plastischen Chirurgie sowie der Orthopädie. Arbeitsgruppen vertiefen unter anderem Strategien zu minimalinvasiven Techniken, Infektionskontrolle und Komplikationsvermeidung, chirurgische Intensivmedizin, Nachwuchs in der Chirurgie sowie Familie und Beruf. Posterpräsentationen, eine Industrieausstellung, Fortbildungskurse, ein Studentenforum für den Nachwuchs sowie ein Organspendelauf ergänzen das Programm. Erstmalig beteiligen sich der Deutsche Pflegerat, das Aktionsbündnis Patientensicherheit, der Deutsche Berufsverband Rettungsmedizin, das Bayerische Rote Kreuz sowie die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie an der Ausgestaltung des Chirurgenkongresses.
 
Ein Novum ist zudem der Patiententag. Er findet am 15. März statt, um Bürgern die Chirurgie und ihre Themen besser transparent zu machen. Interessierte erhalten hier Antworten auf häufige Fragen wie: Wann ist die Schlüssellochchirurgie sinnvoll, was ist zu tun, wenn die Schulter schmerzt oder wann sind künstliche Gelenke nötig?
 
Der diesjährige Chirurgenkongress findet vom 21. bis 24. März 2017 im ICM statt.
 
Weitere Infos zum Kongress: www.chirurgie2017.de.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)


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