Montag, 17. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
13. Februar 2013

CDU-Vorstoß für 100-Euro-Strafe für Komatrinker erntet Kritik

Angesichts zehntausender jugendlicher Komatrinker pro Jahr hat der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn gefordert, die Eltern an den Behandlungskosten mit 100 Euro zu beteiligen. «Das Geld für den Wodka war ja auch da», sagte Spahn am Mittwoch dem Radiosender hr1. Das FDP-geführte Bundesgesundheitsministerium hält von dem Vorstoß allerdings wenig. Die Opposition lehnt ihn sogar rundweg ab.

Anzeige:
Revolade
Revolade
 

Das Problem ist groß - und seit Jahren scheitert die Politik daran, es einzudämmen. Allein 2011 wurden wegen Komasaufens 26 349 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren stationär in einer Klinik behandelt - 354 mehr als 2010, aber 79 weniger als 2009. Laut einer vor einem Jahr vorgestellten Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher betrinkt sich mehr als die Hälfte der jungen Männer zwischen 18 und 25 einmal im Monat oder häufiger bis zum Umfallen.

Passend zur Fastenzeit wartete Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit einem provokanten Vorstoß auf. Durch die jugendlicher Komatrinker würden unnötig Personal und Geld im Gesundheitswesen gebunden, sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwoch). "Man sollte die Eltern pauschal mit 100 Euro an den Behandlungskosten beteiligen, um sie an ihre Verantwortung zu erinnern." Das Geld könne direkt an die Krankenkassen gezahlt werden.

Geballter Widerstand ließ nicht lange auf sich warten. "Wer so einen Vorschlag macht, hat sich weder mit dem Problem Komasaufen noch mit unserem auf Solidarität basierenden Gesundheitssystem befasst", hielt die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) dem CDU-Experten entgegen. Die SPD-Drogenpolitikerin Angelika Graf befand: "Völliger Quatsch. Härtere Strafen führen nicht zu weniger Komatrinkern."

Auch von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat Spahn kaum Unterstützung zu erwarten. "Strafen sind nicht unser Weg», sagte ein Sprecher. Im Sozialgesetzbuch finde sich schon eine Klausel, nach der Kassen Versicherte, die sich vorsätzlich schädigen, an den Behandlungskosten beteiligen könnten. Gegen Alkoholmissbrauch gebe es viele Ansätze, die ineinander greifen müssten.

Spahn legte jedoch nach. Alleine Rettungswagen und Notarzt kosteten einige hundert Euro, die eigentliche Behandlung 2000 bis 3000 Euro, sagte er hr1. "Ich habe den Eindruck, dass man Eltern manchmal an die Erziehungsverantwortung erinnern muss. Übrigens auch in sozial bessergestellten Schichten."

Die Linke-Gesundheitsexpertin Martina Bunge warf ihm vor, einer persönlichen Vorliebe für populistische Schnellschüsse erlegen zu sein. "Statt Alkoholwerbung zu verbieten, paktiert die Regierung mit der Alkoholindustrie bei unwirksamen Alkoholkampagnen." Die SPD-Vizechefin Aydan Özoguz mahnte: "Nicht einmal Ausweiskontrollen werden flächendeckend konsequent durchgeführt."

Das Problem ist nicht neu. Drogenexperten etwa von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen fordern schon seit längerem, an drei Punkten anzusetzen: den Preisen, der Werbung und dem Jugendschutz. Neben höherer Besteuerung halten sie Einschränkungen bei der Werbung sowie die Bestrafung von Händlern für nötig, die Schnaps an Jugendliche verkaufen.

NRW-Ministerin Steffens berichtete, in ihrem Land trete man nach einer Alkoholvergiftung meist noch im Krankenhaus offiziell aufklärend an Jugendliche heran. Was wäre, so Steffens, wenn Spahns Vorschlag konsequent auch bei Erwachsenen umgesetzt würde? Dann müsse wohl auch schädliches Essverhalten, zu wenig Sport, Übergewicht und weiteres Suchtverhalten einbezogen werden. "Es geht nicht, wäre ungerecht und ein enormer Bürokratieaufwand."

 


Anzeige:
Tukysa
Tukysa
 
Das könnte Sie auch interessieren
Internetplattform „Stärker gegen Krebs“: noch informativer, übersichtlicher und komfortabler
Internetplattform+%E2%80%9ESt%C3%A4rker+gegen+Krebs%E2%80%9C%3A+noch+informativer%2C+%C3%BCbersichtlicher+und+komfortabler
© undrey / Fotolia.com

Ziel des im letzten Jahr gestarteten Portals „Stärker gegen Krebs“ ist es, krebskranke Menschen und ihre Angehörigen über ergänzende, qualitativ gesicherte Hilfsmaßnahmen zu informieren – kompakt, übersichtlich und wohnortnah mit konkreten Expertenkontakten. Nach einer technischen und inhaltlichen Optimierung werden Betroffene nun noch komfortabler durch die bisher...

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde,...

Neue Krebs-Studien zur Immuntherapie am Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) für Patienten geöffnet

Das Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest startet jetzt in Kooperation mit der Klinik für Onkologie und Hämatologie zwei neue Studien zur Wirksamkeit eines hoch innovativen immuntherapeutischen Ansatzes unter Verwendung von sogenannten Checkpoint-Hemmern: Diese sollen die Blockaden des Immunsystems gegen Krebszellen aufheben. An der ersten Studie in Phase II nehmen Patienten mit...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"CDU-Vorstoß für 100-Euro-Strafe für Komatrinker erntet Kritik"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.