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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
05. Dezember 2017

Bürgerversicherung: „Die Gespensterdebatte“

Kaum ist der „Jamaika-Traum“ geplatzt, kommt die Bürgerversicherung mit der Versprechung eines „gerechteren Gesundheitssystems“ wieder auf den Tisch und wird als Druckmittel für eine neue GroKo von der SPD eingesetzt. Dabei spielte im Wahlkampf die Bürgerversicherung nur noch bei der Linkspartei und bei Herrn Prof. Lauterbach eine Rolle. „Offensichtlich hatten die anderen Politiker verstanden, dass mit den so vehement von den Kassen geforderten Terminvergabestellen zur Abschaffung der Ungerechtigkeiten lediglich ein bürokratisches Monster geschaffen wurde, dass sich als nahezu bedeutungslos in der Nachfrage durch die GKV-Versicherten herausgestellt hat“, meint der ärztlichen Geschäftsführer der Uro-GmbH Dr. Michael Stephan-Odenthal.
„Nun aber nutzen Gesundheitspolitiker und Kassenvertreter die Gelegenheit, über diese Pseudogerechtigkeitsdebatte vor allem die niedergelassenen Ärzte in die Zange zu nehmen.“ Anders kann laut Stephan-Odenthal der Vorstoß die Versorgungsplanung der Selbstverwaltung aus der Hand zu nehmen sowie eine grundsätzliche Reform der ärztlichen Vergütung mit Vereinheitlichung der Vergütungssätze für Privat- und GKV-Patienten, nicht verstanden werden. Mantra-artig wird eine Fehlverteilung der Fachärzte angeprangert, die sich ja angeblich nur in Regionen mit vielen Privatpatienten niederlassen. Suggeriert wird damit das alte Vorurteil, dass im Umkehrschluss alle GKV-Patienten ungerechterweise unterversorgt sind. Dieses konnte aber bisher keine wissenschaftliche Erhebung und keine kassenunabhängige Auswertung bestätigen. Vielmehr zeigen internationale Studien, wie die der OECD, eine sehr gute Versorgung der gesamten Bevölkerung in Deutschland. Sie stellen sogar den ungehinderten Zugang zum Facharzt in Deutschland als besonders positiv heraus. „Die Unterstellung, dass 10% der PKV-Versicherten in Deutschland für die angebliche Misere der 90% GKV-Versicherten verantwortlich sind, weil geldgierige deutsche Fachärzte sich nur den PKV-Patienten zuwenden, ekelt uns mittlerweile an“, ergreift Stephan-Odenthal deutliche Worte. „Dabei wissen die Gesundheitspolitiker und Vorstände in den Kassen genau, dass das Honorargefälle zwischen PKV und GKV keineswegs immer so gewesen, sondern Folge einer seit über 20 Jahren andauernden Budgetierung und Auspressung der ärztlichen Leistung im GKV-Bereich ist.“
 
Verschwiegen würde dabei, dass nicht die Krankenkassen die Betriebskosten des Gesundheitswesens, sondern Krankenhausträger und niedergelassene Ärzte diese tragen. Sie bezahlen die Raum- und Personalkosten zur Versorgung der Patienten, tragen die Kostensteigerungen in allen Bereichen und tätigen schließlich Investitionen, die am Ende allen Patienten zu Gute kommen. „Die logische Konsequenz einer pseudogerechten Bürgerversicherung wäre es, dass in Zukunft die Kassen die Versorgung in Deutschland übernehmen“, meint der Geschäftsführer. „Dann können die Kassen den Ärzten ein einheitliches Honorar zahlen und bestimmen, wo versorgt werden soll.“ Im Gegenzug müssten sie alle tatsächlichen Betriebskosten und alle Mitarbeiter bezahlen, sowie zudem noch alle Investitionen selber tätigen. Außerdem hätten dann alle Ärzte einen Anspruch auf geregelte Arbeitszeiten nach dem Arbeitszeitschutzgesetz, Anspruch auf Krankheitsausfall und Streikrecht. In letzter Konsequenz müssten die Kassen dann die Sicherstellung der Versorgung in Deutschland gewährleisten. Das wären dann allerdings Gespenster für die Kassen, die sie selbst gerufen haben. „Eine derartige Staatsmedizin führt dann erst recht zu Wartezeiten und Verknappung der medizinischen Leistungen. Wer es sich leisten kann, wird dann in einem 2. florierenden Gesundheitsmarkt die Verknappung umgehen und über Zusatzversicherungen oder Erspartes private Leistungen in Anspruch nehmen. Dann hätten wir wahrhaft eine 2-Klassenmedizin“, so Stephan-Odenthal.

Quelle: Uro GmbH Nordrhein


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