Mittwoch, 14. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
16. Juni 2016

Brüssel stellt Kriterien für hormonschädigende Chemikalien vor

Chemikalien, die die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen könnten? Damit will wohl niemand in Berührung kommen. Doch Stoffe, die zumindest einen Einfluss auf das Hormonsystem haben, gibt es überall. Zu deren Bewertung soll es nun klarere Vorgaben geben. Die EU-Kommission hat Kriterien zur Einstufung hormonschädigender Chemikalien vorgelegt. Diese sogenannten endokrinen Disruptoren stehen im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit stören oder Brustkrebs auslösen zu können. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen die Vorschläge nun prüfen. Sowohl von grünen Politikern als auch aus der Pflanzenschutzbranche kam Kritik.

Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 

Stoffe mit Auswirkungen auf den Hormonhaushalt von Mensch und Tier können auch natürlich in Lebensmitteln vorkommen, etwa in Nüssen oder Sojaprodukten. Sie sind aber auch zum Beispiel in Unkrautvernichtungsmitteln enthalten. Wenn sie die Gesundheit von Mensch oder Tier beeinträchtigen, spricht man von endokrinen Disruptoren.

Auf Grundlage der am Mittwoch in Brüssel vorgestellten Kriterien sollen nun die EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und die EU-Chemikalienagentur (Echa) die Gefährlichkeit konkreter Substanzen bewerten. Viele solcher Stoffe sind bereits verboten. Weltweit wäre die EU damit nach Angaben der EU-Kommission Vorreiter. Nirgendwo anders würden wissenschaftliche Kriterien zur Bewertung von endokrinen Disruptoren rechtlich festgeschrieben.

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling warf der Behörde vor, sie stelle die Interessen der Pestizidhersteller über die Gesundheit der Bürger. Die EU-Kommission habe die Stoffe zu eng definiert und zu viele Ausnahmen zugelassen. Er monierte die "halbgaren Kriterien".

Die Pflanzenschutz-Branche kritisierte hingegen, angesichts der Kriterien gebe es "das Risiko, dass Substanzen betroffen sein können, die gesundheitlich unbedenklich, aber zugleich in der Landwirtschaft - etwa bei der Pilzbekämpfung - zur Produktion sicherer Lebensmittel unverzichtbar sind", wie der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar, Volker Koch-Achelpöhler, mitteilte.

Der europäische Branchenverband Ecpa kritisierte die Kriterien ebenfalls als zu schwammig. "Dies könnte aus unserer Sicht zum Verbot von Pflanzenschutzmitteln führen, die die selben hormonstörenden Eigenschaften haben, die sich auch in alltäglichen Produkten wie Kaffee finden", kommentierte Ecpa-Generaldirektor Jean-Charles Bocquet.

Der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke begrüßte die Vorschläge im Prinzip, bemängelte aber: "Die Dosis macht das Gift - und das hätte sich auch in den Kriterien widerspiegeln sollen."

Die EU-Kommission stützt sich mit ihrem Vorschlag auf die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO. Demnach schädigt ein endokriner Disruptor die menschliche Gesundheit, wirkt auf eine ihm eigene Weise und löst genau dadurch Schaden aus.

Quelle: dpa


Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Das könnte Sie auch interessieren
Männer sind Vorsorgemuffel bei Krebsfrüherkennung
M%C3%A4nner+sind+Vorsorgemuffel+bei+Krebsfr%C3%BCherkennung
© deagreez / Fotolia.com

In Deutschland geht nur gut jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. 4,65 Millionen und zwar 11,7 Prozent aller anspruchsberechtigten Bürger nahmen im Jahr 2014 die kostenlose Früherkennungsuntersuchung wahr, wie die BARMER GEK zum Weltmännertag am 3. November mitteilt. Damit bleiben Männer Präventionsmuffel. Denn im Jahr 2010 absolvierten 11,41 Prozent den Check. „Eine Krebsvorsorgeuntersuchung kann Leben...

Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
Brustkrebs%3A+Was+Frauen+%C3%BCber+die+Fr%C3%BCherkennung+wissen+sollten+%E2%80%93+und+welche+Risikofaktoren+existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Brüssel stellt Kriterien für hormonschädigende Chemikalien vor"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.