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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
07. Dezember 2012

Bei planbaren Operationen genau nach Sinn und Nutzen fragen

Politiker und Krankenkassen werfen Ärzten vor, aus wirtschaftlichen Motiven zum Skalpell zu greifen. So jüngst der AOK-Bundesverband und sein Wissenschaftliches Institut. Patienten können unnötige OPs manchmal schon durch gezieltes Nachfragen vermeiden.

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Ist ein Patient unsicher, ob eine bevorstehende Operation wirklich nötig ist, sollte er genau nachfragen. Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt, sich zu erkundigen, warum eine geplante Operation erfolgen soll. So könne sich der Patient ein Bild vom Arzt und dessen Motiven zu machen. Weitere Fragen, die man stellen sollte, sind: Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, ob die OP notwendig ist? Welche Risiken gibt es? Welche Vorteile bietet die OP? Gibt es Behandlungsleitlinien für meine Krankheit? Entspricht die OP den Empfehlungen der Leitlinien? Was passiert, wenn ich mich nicht operieren lasse?

Unsichere Patienten sollten sich unbedingt die Meinung eines zweiten Arztes einholen. „Das ist kein Vertrauensbruch gegenüber dem behandelnden Arzt“, betonte Behrendt im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. Es stehe jedem gesetzlich Krankenversicherten zu, eine zweite Meinung zu hören oder den Arzt zu wechseln. „Das ist für einen Patienten die leichteste Möglichkeit, sich abzusichern“, sagte die Gesundheitsexpertin.

Laut dem am Freitag in Berlin veröffentlichten „Krankenhaus-Report 2013“ des AOK-Bundesverbands und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stieg die Zahl der stationären Behandlungen seit 2005 um 11,8% je Einwohner. Es gebe besonders dort starke Zuwächse, wo die Eingriffe wirtschaftlichen Gewinn versprächen, sagte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Wer den Sinn der OP bezweifelt, fragt dann einen zweiten Arzt und bei Bedarf auch noch einen dritten, rät Behrendt. „Ich kann mich auch bei meiner Krankenkasse erkundigen. Einige Kassen haben eine ärztliche Beratungshotline.“ Wichtig sei, dass tatsächlich ein Facharzt die Fragen des Versicherten beantwortet und nicht ein Verwaltungsmitarbeiter. Informationen im Internet könnten zusätzlich helfen, bei Krebserkrankungen zum Beispiel der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Wer sich für eine OP entschieden hat, muss dann noch das richtige Krankenhaus finden. Auch hier kann zum Beispiel die Krankenkasse weiterhelfen. Einige Krankenkassen bieten Suchmaschinen für Qualitätsvergleiche der Kliniken in der Region an. Außerdem müssen alle Krankenhäuser ihre Qualitätsberichte im Internet veröffentlichen, wie Behrendt erläutert. „Manche sind sehr nutzerfreundlich aufbereitet.“ Hohe Fallzahlen bei bestimmten Eingriffen allein sagten zwar noch nichts über die Qualität aus, aber ein Krankenhaus mit vergleichsweise sehr niedrigen Zahlen sei vermutlich keine gute Wahl.


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