Montag, 19. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Piqray
Piqray
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
05. Juli 2013

Außerklinische Intensivversorgung braucht dringend gesetzliche Grundlage

In der Sendung "Report Mainz" am 2.7. wurde über katastrophale Zustände in der häuslichen Pflege berichtet. Es wurde bemängelt, dass es keine Vorschriften für einheitliche Qualitätsstandards und Qualifikationen gebe, und auch Altenpfleger, Hebammen und schlecht qualifizierte Hilfspfleger Kinder pflegen dürften. Dabei kann schon ein kleiner Fehler lebensbedrohlich sein.

Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021

Hierzu erklären der Geschäftsführende Vorstand der „Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für außerklinische Beatmung“ DIGAB e.V., Dr. Karsten Siemon, Oberarzt Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft GmbH, Dr. Simone Rosseau, Oberärztin Charité-Universitätsmedizin Berlin, und Schatzmeister Jörg Brambring, Krankenpfleger und Geschäftsführer der Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke GmbH:

Es gibt sehr wohl einheitliche Qualitätsstandards für die medizinische und pflegerische Versorgung in der außerklinischen Intensivversorgung und die Qualifizierung der Pflegenden. Die Deutsche interdisziplinäre Gesellschaft für außerklinischen Beatmung (eine Vereinigung von ärztlichen Spezialisten für Beatmungsmedizin, Therapeuten, Pflegekräfte, Homecare-Provider, Vertretern der Selbsthilfe) hat diese mit Vertretern des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) und mit Kostenträgern erarbeitet. Darüberhinaus wurde gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) eine S2 Leitlinie „Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz“ verfasst. Auch in dieser Leitlinie wird auf diese Standards eingegangen. Diese wichtige Leitlinie, die bereits 2009 veröffentlicht worden ist, wird aktuell übrigens überarbeitet. Neben der Leitlinie gibt es noch zusätzlich „Durchführungsempfehlungen zur invasiven außerklinischen Beatmung“.

All diese Leitlinien, Empfehlungen und Standards sind jedoch nicht im Gesetz verankert. Daraus folgt, dass die Pflegedienste nicht verpflichtet sind, sie konsequent einzuhalten. Und aufgrund fehlender gesetzlicher Bestimmungen prüfen auch die Kostenträger nicht, ob die Qualitätsstandards eingehalten werden. "Seit vielen Jahren weisen wir auf dieses Problem hin", so Dr. Siemon. "Wir brauchen dringend Politikerinnen und Politiker, die sich dieses Themas annehmen und die sich für klare gesetzliche Regelungen einsetzen".

"Wir teilen die Auffassung von Prof. Dr. Karl Lauterbach", so Dr. Simone Rosseau, "der in der Sendung darauf hinwies, dass es in der außerklinischen Intensivversorgung um schwerstkranke Menschen geht, die unser aller Unterstützung brauchen. Dass auch er gesetzliche Bestimmungen fordert, lässt uns hoffen." Die Fachgesellschaft wird in dieser Frage nicht locker lassen! Jörg Brambring betont, dass es bundesweit viele Pflegedienste gibt, die sich bereits seit langem an die Durchführungsbestimmungen halten und hervorragende Arbeit leisten. Bei diesen Pflegediensten werden nur geschulte Mitarbeiter eingesetzt. Ihnen sei an dieser Stelle für ihre tägliche Arbeit gedankt. Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld der DIGAB ist seit Jahren die Qualifizierung der Pflegenden. Inzwischen wurden bereits 47 Basiskurse für Pflegekräfte, die in der außerklinischen Beatmungsversorgung arbeiten möchten, von der DIGAB zertifiziert. Die Experten der DIGAB streben hierüber auch eine Zertifizierung von Pflegedienste an, die beatmete Kinder und Erwachsene pflegen. Doch auch hier muss der Gesetzgeber tätig werden.

Quelle: Vorstand Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für außerklinische Beatmung (DIGAB) e.V.


Anzeige:
Kyprolis
Das könnte Sie auch interessieren
Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums
Helfen+und+sich+helfen+lassen+-+neues+Informationsblatt+vom+Krebsinformationsdienst+des+Deutschen+Krebsfoschungszentrums
Alexander Raths / Fotolia.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Das gilt auch für Partner, Familienangehörige und Freunde von Krebspatienten. Neben der Sorge und dem Impuls, den anderen zu unterstützen, fühlen sich viele in dieser Situation zunächst unsicher und überfordert. Die Angst, im Miteinander etwas falsch zu machen, ist groß. Zur Unterstützung von Angehörigen und Freunden hat der...

Brustkrebsmonat: Antihormonelle Therapie mit Nebenwirkungen
Brustkrebsmonat%3A+Antihormonelle+Therapie+mit+Nebenwirkungen
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Etwa zwei Drittel aller bösartigen Brusttumore wachsen hormonabhängig. Weibliche Hormone wie das Östrogen lösen in den Tumorzellen einen Wachstumsreiz aus. Um das zu verhindern und das Rückfallrisiko zu senken, erhalten viele Brustkrebspatientinnen nach einer Operation zur Entfernung des Tumors über mehrere Jahre eine antihormonelle Therapie. Experten stufen die Begleiterscheinungen der Therapie zwar als weniger...

Urologen starten Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017
Urologen+starten+Themenwoche+Hodenkrebs+vom+27.+bis+31.+M%C3%A4rz+2017
© Paolese / Fotolia.com

Deutschlands Urologen gehen neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit: Mit der Einführung der „Urologischen Themenwochen“ baut die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ihr Engagement in der medizinischen Aufklärung der Bevölkerung erneut aus: Den Anfang macht die Urologische Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017. Mit zielgruppengerecht aufbereiteten Informationen wollen Urologinnen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Außerklinische Intensivversorgung braucht dringend gesetzliche Grundlage"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.