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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
09. März 2017

Krankenkassen fordern Meldepflicht bei Arzneimittel-Engpässen

Lieferengpässe bei lebenswichtigen Medikamenten für Patienten nehmen zu. Insbesondere Klinikapotheken sind betroffen. Der weltweite Markt der Pharmahersteller ist aber national nur schwer zu regulieren. Zur Vermeidung von Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten haben Krankenkassen, Ärzte und Apotheker gesetzlich festgelegte Meldepflichten der Hersteller gefordert. Bei Versorgungsausfällen erfahre der Patient häufig überhaupt nicht, dass er nicht mit dem optimalen Präparat versorgt worden sei, kritisierte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach am Montag in Berlin.
Fehle ein verschreibungspflichtiges Medikament sowie ein entsprechendes Ersatzmittel, erhalte der Patient in der Apotheke nach einer Forsa-Umfrage oft ausweichende Erklärungen wie "die Firma gibt es nicht mehr", "wird nicht mehr hergestellt" oder "wird von der Krankenkasse nicht mehr bezahlt".

Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann, sagte, das Prinzip der Freiwilligkeit bei der Meldung von Lieferschwierigkeiten durch die Pharmaindustrie habe versagt. Hersteller und Akteure der Handelskette müssten ihre Lagerbestände und Lieferprobleme regelmäßig an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden.

Besonders brisant sind Lieferprobleme für Krankenhäuser. Nach einer Befragung des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker seien Arzneimittel mit insgesamt 280 Wirkstoffen nicht verfügbar gewesen. Darunter seien 30 gewesen, die die jeweilige Klinikapotheke als "versorgungskritisch" eingestuft habe, erläuterte Verbandspräsident Rudolf Bernard. Von diesen seien von den verantwortlichen Herstellern lediglich acht an das BfArM gemeldet worden.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, haben Lieferengpässe vor allem auch damit zu tun, dass unter den Herstellern Monopole für bestimmte Arzneimittel gebildet hätten. Sobald es bei einem Hersteller zu Schwierigkeiten komme, treffe dies die ganze Lieferkette bis hin zum Patienten.

Vor kurzem hat es unter anderem bei einem wichtigen Antibiotikum Lieferschwierigkeiten gegeben, weil es bei einem der beiden Hersteller in China eine Explosion gegeben hatte. Gerade bei der Antibiotikaversorgung besteht eine sehr hohe Abhängigkeit vor allem von Herstellern in China. Diese halten demnach wesentliche Teile der gesamten Weltmarktproduktion. Falle eines dieser Unternehmen aus, seien Versorgungsengpässe die logische Folge. Angesichts weltweit zunehmender Spannungen ist dies problematisch.

Nach den Worten Lauterbachs wird mit dem Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz, das an diesem Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden soll, ein Teil dieser Probleme angegangen. So werde bei Lieferengpässen eine Meldepflicht zwischen Pharmaunternehmen und Klinikapotheken eingeführt, die allerdings nicht mit einem Bußgeld sanktioniert werde. Sollte diese Regelung nicht greifen, "werden wir nachlegen", sagte Lauterbach.

Quelle: dpa


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