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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

24. September 2020 Arzneimittel: Unverändert massive Beeinflussungsversuche der Industrie

Überschattet von den vielen Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie und fast unbemerkt von der öffentlichen Wahrnehmung gab es auch in diesem Jahr besorgniserregende Berichte über die Entwicklung des Arzneimittelmarktes. „Die Ausgaben für Arzneimittel steigen trotz aller Bemühungen der Politik um Einsparungen“, fasst Manja Dannenberg, Vorstandsmitglied von MEZIS, zusammen.
Die Ärzteinitiative „MEZIS „Mein Essen zahl‘ ich selbst“ beschäftigte sich am vergangenen Wochenende auf ihrer Jahrestagung in Würzburg mit den neuen und alten Herausforderungen im Gesundheitswesen. Nach den Auswertungen des wissenschaftlichen Instituts der AOK WIdO erreichten die Arzneimittelkosten der gesetzlichen Krankenkassen 2019 die Rekordsumme von 43,9 Milliarden Euro. Hauptkostentreiber bleiben patentgeschützte Arzneimittel, mit denen die Hersteller immer größere Gewinne erzielen.
 
„Das funktioniert nur mit Ärztinnen und Ärzten, die diese Medikamente auch verordnen“, stellt Vorstandsmitglied Dr. Niklas Schurig fest. „Wir beobachten unverändert eine massive Einflussnahme der Industrie auf das ärztliche Verordnungsverhalten.“ Die Ärzteinitiative setzt sich seit ihrer Gründung für eine unabhängige Fortbildung ihrer Kolleginnen und Kollegen ein. Die Realität ist leider immer noch ernüchternd: Fortbildungen und Fachzeitschriften werden mit hohen Summen von der pharmazeutischen Industrie gesponsert, durch verzerrte Informationen in Vorträgen und in Fachartikeln werden Ärztinnen und Ärzte dazu geführt, neue Medikamente zügig nach ihrer Markteinführung bei vielen Patientinnen und Patienten anzuwenden – auch wenn deren Nutzen und Schaden zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht umfassend bewertet werden kann. „Wir sehen erste gute Bemühungen der Landesärztekammern, hier für Transparenz zu sorgen und Sponsoring zu beschränken – aber auch unverändert großen Handlungsbedarf“, führt Manja Dannenberg, selbst niedergelassene Hausärztin, fort.
 
Besonderen Reformbedarf sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahrestagung bei medizinischen Leitlinien, an denen sich Medizinerinnen und Mediziner bei ihren Therapieentscheidungen orientieren. Arzneimittelhersteller unterstützten die Fachgesellschaften, die an deren Entwicklung beteiligt sind, meistens ebenfalls mit hohen Summen. In den Leitlinien wird dann regelmäßig eine Empfehlung für deren Produkte gegeben. Als Beispiel diskutierten die Teilnehmer die massiven Einflussnahmen auf die Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), die auch in Deutschland als Grundlage für Behandlungsempfehlungen dient.
 
Als besorgniserregend wird auch der Trend zur weiteren Kommerzialisierung des Gesundheitsbereiches wahrgenommen. Viele Strategien der Direktvermarktung medizinischer Produkte und Dienstleistungen führen an den Ärztinnen und Ärzten vorbei. Das Beiratsmitglied Dr. Helmut Jäger regt daher an, dass sich MEZIS noch intensiver für die Stärkung der Interessen von Patientinnen und Patienten im Gesundheitswesen einsetzt. „Die Grundlage dafür ist das Wachhalten der Grundwerte ärztlicher Ethik, wie das Vorsorgeprinzip, die Eindämmung von Übertherapie und das Aufzeigen mangelnder Versorgung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen“, merkt Helmut Jäger an.
 
Die Ärzteinitiative sieht einen Schwerpunkt ihrer zukünftigen Arbeit bei der Aufklärung der Kolleginnen und Kollegen. „Damit müssen wir schon im Studium anfangen“, ist sich Prof. Dr. Dominikus Bönsch, Psychiater und ebenfalls Vorstandsmitglied, sicher. „Wir werden gezielt auf die Universitäten zugehen und Informationsveranstaltungen anbieten.“ MEZIS setzt sich zum Ziel, an vielen Hochschulen Lehreinheiten zum Umgang mit der pharmazeutischen Industrie und zu unabhängiger Fortbildung fest zu etablieren.

Quelle: MEZIS e.V.


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