Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
12. August 2016

Antibiotikaverordnungen: Bayern auf Platz 6 - kaum Veränderungen seit 2008

Die niedergelassenen Ärzte verschrieben vergangenes Jahr rechnerisch jedem Erwerbstätigen in Bayern 4,3 Tagesdosen Antibiotika. "Das war zwar rund ein Achtel weniger als im Bundeschnitt (4,9 Tagesdosen). Dennoch liegt der Freistaat nur auf Platz sechs im Bundesländervergleich", sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern. Er bezieht sich auf den aktuellen Gesundheitsreport seiner Kasse und stellt dabei enorme Unterschiede fest.

Anzeige:
Revolade
Revolade
 

Die Mediziner in Sachsen verordneten bundesweit mit 3,5 Tagesdosen die wenigsten, im Saarland mit 5,8 die meisten Antibiotika. Bredl: "Das ist ein Unterschied von über 65% Es fällt schwer, hier nur medizinische Gründe anzunehmen."

Zu viele Verordnungen fördern Resistenzen

Antibiotische Medikamente wie Penicillin bekämpfen seit Jahrzehnten wirkungsvoll bakterielle Infektionen beispielsweise eitrige Mandel- oder Lungenentzündungen. Bei virusbedingten Infektionen, wie der Mehrzahl der Atemwegserkrankungen, sind sie wirkungslos. "Der Anteil antibiotikaresistenter Bakterien ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen", so TK-Leiter Bredl. "Ursachen sind die häufigen, manchmal auch falschen Verordnungen, sowie vorzeitiges Absetzen der Medikamente ohne Abstimmung mit dem Arzt."

Verordnungszahlen bei Antibiotika so hoch wie 2008

Bereits im Jahr 2008 wurde in Deutschland die erste nationale Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) verabschiedet, um Antibiotikaresistenzen zu vermeiden und den Verbrauch dieser Medikament auf das Notwendige zu reduzierten. Bredl: "In der Langzeitbetrachtung unserer Gesundheitsreporte seit 2008 haben sich aber die Verordnungszahlen der Antibiotika bis heute kaum verändert." Der aktuelle Wert war in Bayern vergangenes Jahr so hoch wie 2008 und bundesweit nur um 0,1 Tagesdosen niedriger.

Bredl appelliert an die Ärzte ihr Verordnungsverhalten noch besser zu überprüfen. Patienten empfiehlt er, Antibiotika nicht unnötig zu fordern. Falls es doch mal notwendig sein sollte, müssen sich die Betroffenen bei der Einnahme strikt an die Anweisungen des Arztes halten.

Die Daten stammen aus den TK-Gesundheitsreporten 2009 bis 2016. Dafür wertete die Kasse die Krankschreibungen und Arzneiverordnungen der bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. 2016 waren 4,6 Millionen Erwerbstätige, davon rund 613.500 in Bayern, bei der TK versichert. Das ist etwa siebte Erwerbsperson in Deutschland.

Quelle: TK


Anzeige:
Tukysa
Tukysa
 
Das könnte Sie auch interessieren
DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung
DEGUM-Experten+fordern+Ultraschall+der+Eierst%C3%B6cke+als+Kassenleistung
© CLIPAREA.com / fotolia.com

Um harmlose Eierstockzysten von bösartigem Eierstockkrebs zu unterscheiden, verwenden Ärzte das Ultraschallverfahren. Zysten und Krebsgeschwülste bilden im sonografischen Bild bestimmte Muster, die ein erfahrener Fachmann unterscheiden kann. Für ein hohes Qualitätsniveau der Untersuchung setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ein. Sie fordert, dass der Ultraschall der...

Neue Krebs-Studien zur Immuntherapie am Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) für Patienten geöffnet

Das Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest startet jetzt in Kooperation mit der Klinik für Onkologie und Hämatologie zwei neue Studien zur Wirksamkeit eines hoch innovativen immuntherapeutischen Ansatzes unter Verwendung von sogenannten Checkpoint-Hemmern: Diese sollen die Blockaden des Immunsystems gegen Krebszellen aufheben. An der ersten Studie in Phase II nehmen Patienten mit...

Kehlkopfentfernung – und wie geht es weiter?
Kehlkopfentfernung+%E2%80%93+und+wie+geht+es+weiter%3F
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Nicht mehr mit der eigenen Stimme sprechen zu können, ist für gesunde Menschen schwer vorstellbar. Wenn jedoch der Kehlkopf infolge einer Tumorerkrankung entfernt werden muss, wird das schnell zur Realität. Simone Kornburger, Case Managerin der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), hat einen interdisziplinären Patientenleitfaden entwickelt, der die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Antibiotikaverordnungen: Bayern auf Platz 6 - kaum Veränderungen seit 2008 "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.