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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
02. Dezember 2015

Allgemeinmedizin oder Chirurgie? Frauen sind auf Empathie, Männer auf Technik und Prestige gepolt

Die Medizin ist schon jetzt weiblich: Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in den Kliniken sind Frauen. Und der Trend setzt sich fort, vor allem bei den Ärzten. Etwa zwei Drittel der rund 77.500 Medizinstudierenden in Deutschland sind weiblich. Bei den Top-Positionen in der Medizin besteht dagegen noch erheblicher Nachholbedarf für die Frauen. 

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Eine Tagung des Klinikums Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg am 28.11.2015 befasste sich mit der Rollenverteilung der Geschlechter in der Medizin: "Frauen ticken anders - Männer erst recht!"

Auch am Klinikum Nürnberg ist die Medizin schon weiblich: Rund 4.600 der 6.250 Mitarbeiter sind Frauen; überwiegend sind sie in der Pflege tätig. Bei den 1.100 Ärzten ist das Verhältnis (noch) ausgewogen. Aber nur ein Drittel der 223 Oberarzt-Positionen und 10% der Chefarzt-Positionen sind derzeit mit Frauen besetzt.

Klinikum Nürnberg: Gleichstellungskonzept 2014-2019 und eine Plattform für den Austausch

"Diese Situation ist typisch für die großen Kliniken in Deutschland", erklärt die Gleichstellungsbeauftragte des Klinikums Nürnberg, Roswitha Weidenhammer. Doch das Klinikum stellt sich auf den Wandel ein. Kinderbetreuung, Teilzeitstellen, Ferienbetreuung und die Umsetzung der angepassten Weiterbildungsordnung für Ärzte, die Familienzeiten berücksichtigt, sind erfolgreiche Rezepte, um ein erfülltes Berufs- und Familienleben zu ermöglichen. "Aber das reicht erfahrungsgemäß nicht aus, um Frauen auf ihrem Weg nach oben zu bestärken", sagt Weidenhammer. Das Klinikum Nürnberg arbeitet deshalb in einem Gleichstellungskonzept 2014-2019 u.a. daran, Plattformen zu schaffen, in denen sich Frauen auf unterschiedlichen Karrierestufen austauschen können, und Entscheidungsgremien paritätisch zu besetzen. "Wichtig ist die frühzeitige Karriereberatung und Planung, am besten schon im Studium."

Patenprogramme helfen Studierenden der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg

Für die Studierenden der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Nürnberg sind Patenprogramme, in denen die Studenten feste klinische Ansprechpartner haben, ein fester Bestandteil ihres Studiums. Mehr als die Hälfte der bislang zwei Jahrgänge an der PMU sind Frauen. "Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, die sehr frühzeitig die Weichen für die Wahl der Fachdisziplin und den Karriereweg stellen", erklärt Professor Dr. Wolfgang Söllner, Vizerektor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg. Frauen sind empathischer, wollen Patienten helfen; Teamarbeit, eine gute Arbeitsatmosphäre und eine sichere Arbeitsstelle bedeuten ihnen viel. Männer sind stärker an Unabhängigkeit, technischen Fähigkeiten, Prestige, Einkommen und Gestaltungsfreiräumen interessiert. Es verwundert nicht, dass sich mehr Frauen für Fachrichtungen mit intensivem Patientenkontakt entscheiden, während Männer technisch-operative Fächer bevorzugen und häufiger eine akademische Karriere anstreben.

Blockpraktika in Klinikabteilungen und Praxen helfen bei der Auswahl der Fachdisziplin

"Auch die operativen Fächer müssen sich künftig stärker auf die besonderen Qualitäten und Bedürfnisse der jungen Medizinerinnen einstellen. Und die jungen Frauen sollten offen für eine Karriere in der operativen Medizin sein", so Söllner. In den mehrwöchigen klinischen Blockpraktika der PMU am Klinikum Nürnberg haben die Studierenden Gelegenheit, die Fächer intensiv kennenzulernen und eine fundierte Berufswahl zu treffen.

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 gegründet und ist zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Sie arbeitet dabei zusammen mit dem Klinikum Nürnberg. In Nürnberg werden jährlich 50 Medizinstudierende ausgebildet. Das Curriculum orientiert sich eng an der Ausbildung der amerikanischen Mayo-Medical School. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität kooperiert zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

Das Klinikum Nürnberg ist eines der größten kommunalen Krankenhäuser in Deutschland und bietet das gesamte Leistungsspektrum der Maximalversorgung an. Mit rund 2.370 Betten an zwei Standorten (Klinikum Nord und Klinikum Süd) und 6.200 Beschäftigten versorgt es 100.000 stationäre und knapp 100.000 ambulante Patienten im Jahr. Zum Klinikverbund gehören drei weitere Krankenhäuser des Landkreises Nürnberger Land.

Quelle: Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg


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