Dienstag, 18. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
30. November 2015

Aktuelles Konsensuspapier zur präventiven Bedeutung von Folsäure/Folat

Ein stärkeres Bewusstsein für die immer noch unzureichende Folatversorgung in Deutschland fordert der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit (AKF) in seinem neuen Konsensuspapier "Folatstatus und Gesundheit". Es ist jetzt im "Journal of Perinatal Medicine" erschienen.

Anzeige:
Keytruda Lunge
Keytruda Lunge

"Wir brauchen politisches Engagement, um die Folatversorgung der Bevölkerung und auch das Wissen darüber zu verbessern", sagt der Sprecher des Arbeitskreises, Prof. Dr. Berthold Koletzko. Die Autoren um Prof. Dr. Rima Obeid bewerten die gesundheitlichen Vorteile des Vitamin B9, insbesondere rund um die Schwangerschaft. Sie appellieren, auch in Europa Grundnahrungsmittel mit Folsäure anzureichen. "Internationale Erfahrungen zeigen, dass dies die Häufigkeit schwerer Fehlbildungen bei Kindern im Mutterleib deutlich vermindern kann", so Obeid.
 
Prävention durch Folsäure-Anreicherung

Das Konsensuspapier verweist auf das Beispiel von über 70 Ländern weltweit, z.B. den USA oder Kanada, die Grundnahrungsmittel mit Folsäure anreichern. "Dadurch sank dort die Häufigkeit von angeborenen Neuralrohrdefekten um mehr als die Hälfte", sagt Prof. Obeid. Aber auch die gesamte Bevölkerung habe durch einen verbesserten Folatstatus von der Maßnahme profitieren können. Beispielsweise sei der durchschnittliche Blutspiegel von Homocystein, einem möglicherweise gefäßschädigendem Stoffwechselprodukt, und auch die Schlaganfall-Häufigkeit gesunken. Die Anreicherungsprogramme haben sich Obeid zufolge als sichere und wirksame Präventionsoption bewährt. "Lediglich durch die Empfehlung, mehr Obst, Gemüse und Vollkorn zu verzehren, lässt sich eine Reduktion der Schwangerschaften mit Neuralrohrdefekten nicht erzielen, so lange wie der Blut-Folatspiegel nicht im optimalen Bereich liegt", so die Wissenschaftlerin. Politischen Handlungsbedarf sehen die Experten nicht nur bei der Aufklärung junger Frauen, sondern auch bei der aktiven Unterstützung einer angemessen dosierten Folsäureanreicherung geeigneter Grundnahrungsmittel und einer Beobachtung damit erzielter Effekte.
 
In Deutschland werden bislang nur vereinzelt Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert. Der AKF (www.ak-folsaeure.de) empfiehlt Verbrauchern, diese bei der Lebensmittelzubereitung im Haushalt zu verwenden.
 
Deutschland: Unzureichende Folataufnahme

Die Deutschen nehmen nach wie vor zu wenig Folsäure/Folat zu sich, heißt es im AKF-Konsensuspapier. Bei jedem Zweiten sind es statt der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen 300 Mikrogramm weniger als 200 Mikrogramm täglich. Insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch ist dies unzureichend: Denn auch in dem normalen Bereich des Blut-Folatspiegels gilt: Je höher die mütterliche Folatversorgung, desto niedriger das Risiko, dass der Embryo einen sogenannten Neuralrohrdefekt entwickelt (z.B. "offener Rücken" und ähnliche Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark). Davon treten jährlich 700 bis 1.000 Fälle in Deutschland auf. Mindestens 50% der Fälle wären einfach zu vermeiden, wenn alle Frauen rechtzeitig vor der Empfängnis ausreichend Folat oder Folsäure zu sich nähmen - durch folatreiche Nahrung, angereicherte Grundnahrungsmittel und Supplemente.
 
Der Arbeitskreis fordert: Folatversorgung auf die politische Agenda

Die Folatversorgung der deutschen Bevölkerung soll in den Fokus der öffentlichen Gesundheitsförderung rücken. Denn die bisherigen Empfehlungen zur Folsäure-Prophylaxe rund um die Schwangerschaft haben in den letzten zehn Jahren weder dazu geführt, dass mehr Frauen mit Kinderwunsch das Vitamin einnehmen, noch dass die Zahlen der von Neuralrohrdefekt betroffenen Schwangerschaften zurückgehen.
 
In Deutschland gibt es noch keine verpflichtende Anreicherung von Grundnahrungsmitteln, wie beispielsweise von Mehl in den USA. Aber Frauen können jetzt schon selbst vorsorgen: Frauen sollten ab Kinderwunsch ein Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure einnehmen (min. 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag). Sie sollten zudem auf eine folatreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten achten sowie die heute angebotenen, mit Folsäure angereicherten Grundnahrungsmittel im Haushalt nutzen (z.B. Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken mit Folsäure).
 
Der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit setzt sich dafür ein, die Öffentlichkeit und Risikogruppen - wie z.B. Frauen mit Kinderwunsch - zu dem präventiven Nutzen des Vitamin B9 aufzuklären. Interessierte Fachkräfte oder Verbraucher können das neue Konsensuspapier beim Arbeitskreis anfordern (info@ak-folsaeure.de).

Quelle: Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit


Anzeige:
Kyprolis
Das könnte Sie auch interessieren
Brustkrebsmonat: Antihormonelle Therapie mit Nebenwirkungen
Brustkrebsmonat%3A+Antihormonelle+Therapie+mit+Nebenwirkungen
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Etwa zwei Drittel aller bösartigen Brusttumore wachsen hormonabhängig. Weibliche Hormone wie das Östrogen lösen in den Tumorzellen einen Wachstumsreiz aus. Um das zu verhindern und das Rückfallrisiko zu senken, erhalten viele Brustkrebspatientinnen nach einer Operation zur Entfernung des Tumors über mehrere Jahre eine antihormonelle Therapie. Experten stufen die Begleiterscheinungen der Therapie zwar als weniger...

Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums
Helfen+und+sich+helfen+lassen+-+neues+Informationsblatt+vom+Krebsinformationsdienst+des+Deutschen+Krebsfoschungszentrums
Alexander Raths / Fotolia.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Das gilt auch für Partner, Familienangehörige und Freunde von Krebspatienten. Neben der Sorge und dem Impuls, den anderen zu unterstützen, fühlen sich viele in dieser Situation zunächst unsicher und überfordert. Die Angst, im Miteinander etwas falsch zu machen, ist groß. Zur Unterstützung von Angehörigen und Freunden hat der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Aktuelles Konsensuspapier zur präventiven Bedeutung von Folsäure/Folat"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.