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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
11. September 2012

Ärztekammer Niedersachsen: “Erhöhte Suizidrate bei älteren Menschen - Wertschätzung und Hilfe gegen die soziale Isolation stellen“

Laut Statistischem Bundesamt nimmt die Suizidrate, das heißt die Anzahl der Suizide bezogen auf 100.000 Menschen derselben Altersgruppe, mit steigendem Alter zu. 30% aller Suizide würden von Menschen über 65 Jahren verübt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nach dem Tod des Lebenspartners brechen oft auch die anderen sozialen Kontakte weg. Darüber hinaus wirft der Ausstieg aus dem Beruf viele ältere Frauen und Männer aus der Bahn - denn für die seelische Gesundheit von Senioren ist es entscheidend, eine Aufgabe zu haben. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, geht oft damit einher, die Lust am Leben zu verlieren. Zum Leiden an der Einsamkeit kommen meist noch innere Konflikte aufgrund körperlicher Einbußen im Alter hinzu.

„Suizidprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer. „In jedem Alter sind Suizide ein Zeichen für eine schwere Krise. Menschen, die gefährdet sind, muss daher alle notwendige Zuwendung entgegengebracht werden. Eine umfassende medizinische Versorgung, die dem Menschen zugewandt ist, kann einen sehr großen Beitrag dazu leisten“, betont die Lungenfachärztin anlässlich des Welt-Suizid-Präventionstages am 10. September 2012. Wie die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention berichtet, zeigen Studien, dass in den Wochen vor dem Suizid viele Menschen häufiger als sonst einen Arzt aufsuchen. „Ärzte können daher viel in der Suizidprävention bewirken“, bekräftigt Dr. Wenker. Wichtig sei jedoch die Beteiligung möglichst vieler gesellschaftlicher Institutionen. „Auf quälende Sorgen, das Gefühl der Nutzlosigkeit und auf soziale Isolation müssen wir mit humanen Angeboten sowie Wertschätzung der älteren Generation und ihres Erfahrungsschatzes antworten. Eine neue Einstellung zum Alter ist gefragt. Zudem müssen die Betroffenen problemlos Zugang zu den Hilfsangeboten erhalten, insbesondere wenn ihre Mobilität eingeschränkt ist“, fordert Dr. Wenker. Ein Beispiel sei der Verein „Deutsches Bündnis gegen Depression“, der im Bundesgebiet gut vernetzt ist. Jüngst hat sich in Niedersachsen eine neue lokale Gruppe gegründet, das „Bündnis gegen Depression Hildesheim und Peine“, dessen Schirmherrin Dr. Wenker ist.

Eine Gesellschaft müsse daran gemessen werden, wie sie mit ihren Schwachen, zu denen auch die Schwerstkranken und Sterbenden gehören, und deren wichtigen letzten Bedürfnissen umgehe, führt Dr. Wenker aus. Eine Studie des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes zeigt auch aktuell wieder, dass es mehrheitlich zum „letzten Willen“ gehört, zu Hause zu sterben. In vielen Fällen wird dann eine an den medizinischen, psychosozialen und spirituellen Bedürfnissen der Patienten und ihrer Angehörigen orientierte Versorgung benötigt – die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) und ergänzend die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), auf die es einen Rechtsanspruch gibt. Dies setze jedoch voraus, dass die Kostenträger mitziehen, betont Dr. Wenker: Im Fall einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung müsse der Anspruch schnell und unbürokratisch umgesetzt werden, damit eine qualitativ hochwertige Versorgung am Lebensende nicht im Dschungel einzelner Bestimmungen der Kostenträger stecken bleibe.

Quelle: Ärztekammer Niedersachsen


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