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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
29. September 2016

Ärzte und Hersteller stellen sich auf die Herausforderungen durch immer mehr ältere Patienten ein

40% der Gelenkersatz-Patienten sind zwischen 70 und 79 Jahre alt. Sie sind damit die größte Patientengruppe, belegt das "Weißbuch Gelenkersatz", das vor Kurzem vom IGES-Institut vorgelegt wurde. Ärzte und Industrie haben bereits frühzeitig die besonderen Herausforderungen bei der endoprothetischen Versorgung älterer Patienten angenommen. Die Lösungen reichen von schonenden Operationsverfahren bis hin zu Innovationen, um Infektionen nach einer Operation vorzubeugen. Die Entwicklung der Eingriffszahlen und der Indikationsstellung zeigt zudem, dass in Deutschland keineswegs zu viel operiert wird.

"Das Weißbuch verdeutlicht, dass bei einer steigenden Anzahl von Menschen in für den Gelenkersatz relevanten Altersgruppen die Zahl der Eingriffe im Verhältnis dazu stabil geblieben ist", so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt.

Die aktuelle Zahl der Hüftersatz-Operationen gibt das IGES-Weißbuch für das Jahr 2014 mit 219.000 an. Als Gründe für den Anstieg nennen Fachleute ein Anwachsen der Risikopopulation in Folge der Alterung der Gesellschaft. Als Hauptursache für den Gelenkverschleiß gelten Arthrose und Osteoporose, die im Alter verstärkt auftreten.

Mehr als 40% der in Deutschland dokumentierten Hüft- und Knieeingriffe fallen laut Weißbuch in die Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. Der Anteil der 80- bis 90-Jährigen betrug beim Hüftgelenkersatz noch 21 Prozent. Auch bei den 28.000 Revisionen, also Implantat-Wechseleingriffen, ist der Anteil der 70- bis 80-Jährigen mit 41% am höchsten. Der Anteil der 80- bis 90-Jährigen liegt hier bei 26%.

Neben der degenerativen Erkrankung des Hüftgelenks (Coxarthrose), die einen Anteil von 77% hat, kann auch bei der operativen Versorgung der Schenkelhalsfraktur (23%) eine Totalendoprothese implantiert werden, insbesondere wenn der Knochen bereits arthrosebedingt vorgeschädigt ist, so der AQUA-Qualitätsreport aus dem Jahr 2014.

Herausforderung Infektion: Medizintechnik-Innovationen bieten Lösungen

Implantat-assoziierte Infektionen können schwerwiegende Komplikationen sein, insbesondere bei älteren und multimorbiden Patienten. Seit Jahren als lokale Infektionsprophylaxe etabliert ist die Verwendung antibiotikahaltiger Knochenzemente zur Implantatverankerung. Innovative Verfahren zur Beschichtung von Implantatoberflächen zeigen bereits nachgewiesene Erfolge in der klinischen Anwendung.

Operationstechniken weiterentwickelt

Die Operationstechniken beim Gelenkersatz haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Insbesondere in der Hüftendoprothetik nimmt der Anteil der minimalinvasiv implantierten Prothesen stetig zu. Patienten profitieren vom gewebeschonenden Einbringen des Implantats. 

Die Nachbehandlung und insbesondere die Früh-Rehabilitation sind in der ersten Woche nach einer minimalinvasiven Operation schmerzfreier, schneller und mit weniger Komplikationen behaftet.

Zahlen und Fakten aus dem "Weißbuch Gelenkersatz"

Zahlen zum Hüft- und Kniegelenkersatz (Endoprothetik)

  • 2014 haben in Deutschland rund 370.000 Menschen ein neues Hüft- (219.000) oder Kniegelenk (149.000) erhalten.
  • Proportional zur demografischen Entwicklung haben in den letzten zehn Jahren die Eingriffszahlen insgesamt um nur 1,4% (Hüft-OPs) bzw. 1,7% (Knie-OPs) zugenommen.
  • 40% der Patienten sind bei den Ersteingriffen im Alter zwischen 70 und 79 Jahren. Dies ist damit die größte Patientengruppe.
  • 60% der Ersteingriffe bei Hüfte und Knie betreffen Frauen.
  • 2014 wurden rund 27.000 Wechseleingriffe an der Hüfte und 21.000 am Knie durchgeführt. Diese Wechseleingriffe betreffen nicht fehlerhafte Operationen desselben Jahres, sondern beziehen sich auf die kumulierten Operationen der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Fakten zum Gelenkersatz

  • Die Gelenkersatzoperation ist einer der erfolgreichsten chirurgischen Eingriffe der letzten Jahrzehnte. Sie ermöglicht Patienten wieder Mobilität und weitgehende Schmerzfreiheit.
  • Die Qualitätskennzahlen zeigen: Gelenkersatz-Patienten sind in Deutschland sehr gut versorgt.
  • Die Entwicklung der Eingriffszahlen und der Indikationsstellung zeigt, dass in Deutschland keineswegs zu viel operiert wird.
  • Die Lebensdauer (Standzeit) einer Endoprothese hängt von vielen Faktoren ab: etwa vom Krankheitsbild, Begleiterkrankungen, vom Verlauf der Operation, aber auch von der Beanspruchung.
  • Die Anforderungen an den künstlichen Gelenkersatz werden – unter anderem bedingt durch die demografischen Veränderungen – steigen. Immer mehr Menschen werden nicht nur immer länger, sondern auch immer aktiver mit einem Gelenkersatz leben.

Das "Weißbuch Gelenkersatz", das vom IGES-Institut im Auftrag des BVMed verfasst wurde, fasst erstmals alle wissenschaftlichen Daten zum Hüft- und Kniegelenkersatz in Deutschland zusammen und liefert begleitende Experteneinschätzungen.
Download-Link: www.bvmed.de/weissbuch-gelenkersatz

Quelle: BVMed - Bundesverband Medizintechnologie


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