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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
02. Oktober 2014

Ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt

Wer geht früher in Rente, wer später? Wer arbeitet weiter, wenn er schon in Rente ist, und warum? Solche Fragen rund um die Beschäftigung älterer Menschen stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts an der Universität Würzburg. Eine 78-jährige Frau, deren Rente bei weitem nicht reicht und die darum halbtags in einer Bäckerei arbeitet. Ein 55-jähriger Ingenieur, der keine Stelle mehr findet, obwohl die Arbeitgeber einhellig den Fachkräftemangel in technischen Berufen beklagen. Ein 66-jähriger Mann, der sich gleich nach seiner Verrentung einen Job sucht, weil er unbedingt noch weiter arbeiten will.

Solche Einzelfälle werden bisweilen in den Medien vorgestellt. Viele Menschen kennen auch persönlich jemanden, der wegen seines Alters keinen Job mehr findet oder der als Rentner noch arbeiten muss. Und dann die Erhöhung des Rentenalters auf 67: "So lange hält doch nicht jeder durch! Welche Firma will so alte Beschäftigte überhaupt noch haben? Das kommt ja einer Rentenkürzung gleich, wenn die Leute dann eben doch früher in Ruhestand gehen und Abzüge bei der Rente hinnehmen müssen - also noch mehr Altersarmut." Das sind Gedanken, die viele Menschen in Deutschland bewegen.

Viele Bauchmeinungen, keine Fakten

Was aber ist wirklich Sache, wenn es ums Arbeiten im Alter geht? "Dazu gibt es zwar sehr viele "Bauchmeinungen", aber keine wissenschaftlich fundierten Zahlen und Fakten", sagt Prof. Thomas Zwick, Inhaber des Lehrstuhls für Personal und Organisation an der Universität Würzburg. Durch sein neues Forschungsprojekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), soll sich das ändern.

In dem Projekt will der Wissenschaftler unter anderem diese Fragen beantworten: Wie sehen die Muster beim Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand aus? In welchem Alter passiert das? Gibt es Zeiten der Beschäftigung nach dem Eintritt in den Ruhestand? Warum hören manche Arbeitnehmer früher auf, warum arbeiten andere noch als Rentner?

Datenbasis von Nürnberger Institut


Als Basis für seine Arbeit nutzt Zwick die reichhaltigen Datensätze des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Nürnberg), einer Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit. "Dort sind alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland bis zurück ins Jahr 1975 erfasst, damit können wir die gesamte Beschäftigungshistorie von mehr als einer Million Menschen bis zum Alter von 75 Jahren nachvollziehen", sagt der Professor.

Diese Daten werden mit weiteren relevanten Informationen verknüpft, unter anderem mit Charakteristiken der Arbeitgeber und mit Daten der Rentenversicherung. "Dadurch bekommen wir Einblick in erworbene Rentenansprüche und ein klares Bild von der Politik der Firmen", so Zwick: Strebt ein Unternehmen langfristige Bindungen der Mitarbeiter an oder handelt es nach dem Prinzip "heuern und feuern"? Bildet es seine Fachkräfte selbst aus oder stellt es Externe ein? Und wie wirkt sich die jeweilige Personalpolitik am Ende auf die Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menschen aus?

Zunächst ist das Projekt auf drei Jahre angelegt. Laut Professor Zwick soll es erstmals unter Einbeziehung der Unternehmenspolitiken Aufschluss darüber geben, wie es in Deutschland um die Beschäftigung älterer Menschen bestellt ist. "Es gibt zu diesem Thema zwar einige psychologische Untersuchungen, aber bislang noch ganz wenige aus ökonomischer Perspektive", so Zwick.

Projekt gehört zu DFG-Schwerpunktprogramm

Das Projekt „Determinanten der Beschäftigung Älterer“ ist Teil des neuen DFG-Schwerpunktprogramms "The German Labor Market in a Globalized World: Challenges through Trade, Technology, and Demographics", das an der Universität Freiburg koordiniert wird.

Professor Zwick bekommt von der DFG für die Würzburger Studie eine Doktorandenstelle finanziert, die demnächst besetzt werden soll. "Durch das DFG-Schwerpunktprogramm wird diese Promotion in ein deutschlandweites Forschungsnetzwerk eingebunden sein, das ist eine extreme Bereicherung für diese Arbeit", so Zwick.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg


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