Sonntag, 11. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Piqray
Piqray
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
15. März 2016

Abschlussbericht zu klinischen Studien in der DDR: Keine systematischen Verstöße nachzuweisen

Die zwischen 1961 und 1990 von westlichen Pharmafirmen beauftragten klinischen Studien in der DDR entsprachen den damals gültigen Standards. Systematische Verstöße können nicht nachgewiesen werden. Das sind wichtige Ergebnisse des Abschlussberichts, den ein unabhängiges Forscherteam der Charité heute in Berlin vorgestellt hat. Zweieinhalb Jahre lang hatten die Wissenschaftler unter Leitung des Medizinethikers Prof. Dr. Volker Hess die damaligen Studien hinter dem "Eisernen Vorhang" untersucht. Anlass war der vielfach geäußerte Verdacht ethischer und rechtlicher Verstöße.

Anzeige:
Venclyxto

"Es ist gut, dass die Forscher endlich Licht ins Dunkel gebracht haben", sagt Dr. Norbert Gerbsch, stellvertretender BPI-Hauptgeschäftsführer. "Die intensive historische Aufarbeitung erlaubt nun ein differenziertes Bild auf die von westlichen Firmen beauftragten klinischen Studien in der DDR. Diese waren in den meisten Fällen Teil von größeren, multinational und multizentrisch durchgeführten Studien in West und Ost und liefen, das zeigen die Untersuchungen, nach den jeweils geltenden Regeln ab. Die damaligen Standards bei der Durchführung klinischer Studien muss man aber immer im jeweiligen historischen Kontext betrachten, sie sind mit den heutigen, national und international kontinuierlich weiterentwickelten nicht zu vergleichen", erklärt Gerbsch. "Klinische Studien sind und bleiben zwingende Voraussetzung für die Entwicklung und Zulassung eines Arzneimittels."
 
Im Rahmen ihres Forschungsprojekts hatten die Wissenschaftler 321 von geschätzten 900 klinischen Studien in der DDR genauer unter die Lupe genommen. Insgesamt wurden zwischen 1961 und 1990 Aufträge von 75 Firmen aus 16 westlichen Ländern nachgewiesen. Nach Angaben der Charité Berlin "stellten die DDR-Behörden westlichen Unternehmen das Gesundheitssystem ihres Staates als Forschungseinrichtung zur Verfügung, um knappe Devisen für die eigene überschuldete Planwirtschaft zu erwirtschaften." Dass die Studien in der DDR besonders "billig zu haben" gewesen wären, werde der komplexen Sachlage jedoch nicht gerecht. Nicht das geringe Honorar sondern der "beträchtliche Zeit- und Effizienzgewinn“ sei ausschlaggebend gewesen, so schreibt das CharitéCentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften in einer Pressemeldung.
 
Das Forschungsprojekt wurde wesentlich vom Bundesbeauftragten der Bundesregierung für die Neuen Länder und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert. An der Finanzierung beteiligt waren die Bundesärztekammer, die Landesärztekammern von sieben Bundesländern, der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).

Quelle: Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V.


Das könnte Sie auch interessieren
Brustkrebs: Wissen schafft Mut
Brustkrebs%3A+Wissen+schafft+Mut
© drubig-photo / Fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Damit ist das Mammakarzinom mit 65.500 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste Tumor bei Frauen. Die Diagnose wirft Fragen auf: Welche Therapie ist die richtige? Wo bekomme ich Hilfe? Die Deutsche Krebshilfe unterstützt Krebspatienten bei ihrem Kampf gegen die Erkrankung. Sie bietet allen Betroffenen eine kostenfreie telefonische Beratung an und hält allgemeinverständliche...

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
70+Prozent+der+Deutschen+f%C3%BCrchten+Tumor%2C+Engagement+f%C3%BCr+Gesundheit+w%C3%A4chst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Personalisierte Medizin in der Onkologie: Behandlung bestmöglich auf den Patienten zuschneiden

Medikamente möglichst maßgeschneidert auf die spezifischen Merkmale einer Krankheit zuzuschneiden und diese gezielt bei jenen Patienten einzusetzen, denen sie am besten helfen, lautet das Credo der Personalisierten Medizin. Dank vertiefter Kenntnisse über die molekularbiologischen Ursachen von Krankheiten gibt es heute bereits eine Reihe von innovativen diagnostischen Tests, durch die Patienten identifiziert werden können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine...

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie
Starke+Hilfe%3A+7%2C65+Millionen+Euro+f%C3%BCr+den+Kampf+gegen+Leuk%C3%A4mie
© RTimages / Fotolia.com

Die Mitgliederversammlung des José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. beschließt eine Mittelauskehr für zahlreiche Forschungs- und Projekt-Förderungen. Der Geschäftsführende Vorstand Dr. Gabriele Kröner sagt dazu: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Initiator José Carreras streben wir mit der Förderung der medizinischen Forschung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten an.“

Brustkrebsmonat: Antihormonelle Therapie mit Nebenwirkungen
Brustkrebsmonat%3A+Antihormonelle+Therapie+mit+Nebenwirkungen
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Etwa zwei Drittel aller bösartigen Brusttumore wachsen hormonabhängig. Weibliche Hormone wie das Östrogen lösen in den Tumorzellen einen Wachstumsreiz aus. Um das zu verhindern und das Rückfallrisiko zu senken, erhalten viele Brustkrebspatientinnen nach einer Operation zur Entfernung des Tumors über mehrere Jahre eine antihormonelle Therapie. Experten stufen die Begleiterscheinungen der Therapie zwar als weniger gravierend als bei einer Chemotherapie ein, viele...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Abschlussbericht zu klinischen Studien in der DDR: Keine systematischen Verstöße nachzuweisen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.