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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

19. November 2018 Pflegepersonalstärkungsgesetz gefährdet Qualität in Rehakliniken

Die drohende Abwanderung von Pflegepersonal aus Einrichtungen der stationären Rehabilitation wird die dortige personelle Situation weiter verschärfen. Das Such- und Vergleichsportal Qualitätskliniken.de sieht die Sicherstellung des Qualitätsniveaus in Rehakliniken in Gefahr.
Das geplante Inkrafttreten des Pflegepersonalstärkungsgesetzes (PpSG) soll ab dem 1. Januar 2019 Abhilfe zum Pflegenotstand leisten. Personalkosten von neu eingestellten Pflegekräften werden zukünftig direkt durch die Krankenkassen erstattet. So wird es Krankenhäusern und Pflegeheimen ermöglicht, die Arbeitsverdichtung im Bereich Pflege zu senken und das Berufsbild für den Nachwuchs attraktiver zu gestalten. Auch wenn die Beschaffung von neuem Pflegepersonal bei annähernder Vollbeschäftigung in Deutschland noch Fragen aufwirft, ist das Gesetz ein Vorstoß in die richtige Richtung und kommt gerade noch rechtzeitig.
 
Das PpSG gilt für die rund 13.600 Pflegeheime sowie die etwa 1.950 Krankenhäuser in Deutschland. Neben diesen gibt es aber auch noch bundesweit ca. 1.150 Rehakliniken, die für Patientinnen und Patienten nach Unfällen oder schweren Erkrankungen im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt sorgen und diese wieder in den Alltag bzw. Beruf integrieren. Durch eine medizinische Rehabilitation kann eine Frühberentung abgewandt oder älteren Menschen ein längeres Leben in der häuslichen Umgebung ermöglicht werden. Die volkswirtschaftliche Bedeutung und die Relevanz für die Sozialversicherungsträger ist somit hoch. Unverständlich sowie regelrecht fahrlässig also, warum der Bereich Rehabilitation bisher nicht im PpSG berücksichtigt oder in anderen Aktivitäten des Bundesministeriums für Gesundheit aufgenommen wird.  
 
In Rehakliniken besteht bereits jetzt ein ausgeprägter Fachkräftemangel – Pflegekräfte wechseln aufgrund einer oft untertariflichen Vergütung in besser bezahlende Krankenhäuser, offene Stellen können nicht zeitgerecht besetzt werden. Aufgrund des PpSG droht sich diese Entwicklung noch einmal deutlich zu verstärken. Mitarbeiter werden vermehrt aus Rehakliniken abwandern und neue Tätigkeiten in Krankenhäusern oder Pflegeheimen wahrnehmen. Es besteht die Gefahr, dass Rehakliniken den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten können oder die erbrachte Qualität stark leidet. „Wir von Qualitätskliniken.de beschäftigen uns täglich mit den relevanten Aspekten, die eine Rehaklinik zu einer guten Einrichtung machen. Alle Vorgaben, Messinstrumente und eingeholten Patientenmeinungen bringen aber nichts, wenn die Patientinnen und Patienten keine Behandlung und Betreuung durch die Mitarbeiter in den Rehakliniken erhalten, weil diese schlicht nicht mehr vorhanden sind“, so Alexander Mühlhause von Qualitätskliniken.de. Der Verzicht auf einen Rehaaufenthalt kann dabei für den Patienten sogar noch besser sein als ein Rehaaufenthalt in einer Klinik, in der akuter Personalmangel herrscht. „Patientinnen und Patienten werden immer früher aus Krankenhäusern entlassen und in Rehakliniken weiterbehandelt. Besonders häufig zu sehen ist dies bei Erkrankungen wie Schlaganfällen, einigen Krebserkrankungen und Herzoperationen. Die Anforderungen an die dortigen Pflegekräfte wachsen ständig. Sind Pflegekräfte zusätzlich noch für zu viele Patienten zuständig, steigt die Gefahr für Behandlungsfehler deutlich.“
 
Im Sinne einer qualitativ hochwertigen Behandlung von Patientinnen und Patienten sowie der Berücksichtigung sowohl der Patientensicherheit als auch der Arbeitssituation der Pflegekräfte muss die medizinische Rehabilitation stärker in den Fokus der Politik gerückt werden. Ein gesetzlich geschaffenes Ungleichgewicht in der Bezahlung von Personal aus Krankenhäusern bzw. Pflegeheimen und Mitarbeitern in Rehakliniken gefährdet die medizinische Versorgung. Rehakliniken müssen Möglichkeiten zur Refinanzierung von Personal erhalten, um Fachkräfte adäquat bezahlen zu können.

Quelle: 4QD - Qualitätskliniken.de GmbH


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