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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

16. November 2018 Gesundheit wird zum digitalen Lifestyle

Am letzten Kongresstag des 41. Deutschen Krankenhaustages standen zwei neue Veranstaltungsformate im Fokus. Der "Tag der Kommunikation" bot erstmals Kommunikatoren im Krankenhaus die Möglichkeit, sich intensiv mit aktuellen Themen und Entwicklungen des Fachs zu beschäftigen. Zentrale Botschaft der Referenten war die weiter steigende Bedeutung der Kommunikation im Gesundheitsbereich. Vertrauen schaffende Kommunikation sei die Basis, um komplexe Themen und Sachverhalte transportieren zu können.
Sascha Lobo schlug in seinem Impulsvortrag den Bogen hin zu Herausforderungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen: "Daten, die heute egal sind, werden morgen neu ausgewertet einen immensen Effizienzgewinn bringen, Prozesse verändern, Berufsbilder neu definieren und vieles auf den Kopf stellen!" Er mahnte an, dass eine der wesentlichen Aufgaben von Kommunikatoren im Krankenhaus sein werde, den angstmachenden Aspekt der Digitalisierung aktiv anzusprechen. Die Chancen und Möglichkeiten, die neue Technologien böten, würden sich erst wirklich entfalten, wenn Menschen diese Technologien nutzen und ihr Verhalten anpassen. "Intime Daten, Gesundheitsdaten werden durch Technologien, wie beispielsweise die Apple Watch, zunehmend digitalisiert. Gesundheit wird zum digitalen Lifestyle", so Lobo. Zukünftig werde es immense Datenströme geben, mit denen umgegangen werden müsse. Die Ökonomie der Datenströme werde die Anforderungen der Menschen an die Leistungen des Gesundheitssystems verändern. Insbesondere die Medizin werde durch Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz im Bereich Diagnostik effizienter werden. "Kommunikation kommt eine entscheidende Rolle zu. Erklären und Vertrauen schaffen sind die Schlüssel, um den Fortschritt aktiv zu gestalten", erklärte Lobo.

Kommunikation im Krankenhaus ist vielfältig, umso wichtiger ist die Bestimmung der Zielgruppe von Kommunikation. Die passgenaue, bedarfsgerechte Ansprache der Zielgruppen wurde am Tag der Kommunikation ebenso angesprochen, wie Aspekte der Personalgewinnung durch moderne Kommunikation in Social Media Kanälen oder moderne Formate wie Podcast und Film. Gerade im Krankenhaus sind aktuelle Entwicklungen noch nicht in der Breite angekommen und die Referenten zeigten sich einig, dass hier Nachholbedarf bestünde. Sowohl eine klare und verbindliche Zielgruppenauswahl als auch die Auswahl der passenden Kommunikationskanäle sei entscheidend und keine leichte Aufgabe. Ohne ausreichende Ressourcen seien die kommunikativen Aufgaben nicht zu bewältigen. Die Bedeutung einer Vertrauen schaffenden und bindenden Kommunikation sei im Krankenhaus und in der sensiblen Beziehung zwischen Arzt und Patient nicht zu unterschätzen und müsse mehr Priorität und Durchschlagskraft erhalten.

Ebenfalls am Abschlusstag fand erstmalig das Forum des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) statt. Unter dem Tagungsvorsitz von Wolfgang Pföhler, Präsident des DKI-Kuratoriums, wurden aktuelle Forschungsvorhaben vorgestellt. Der DKI-Präsident skizzierte in seinem Vortrag "Megatrends im Krankenhaus- und Gesundheitswesen" insbesondere die aktuellen Rahmenbedingungen der Pflege im Krankenhaus. "Der demografische Wandel bedingt einen deutlichen Mehrbedarf an Pflegekräften", sagte Pföhler vor den Besuchern. So plane die Politik zwar verbindliche Maßnahmen für eine bessere Personalsituation in der Pflege. Beispielsweise soll künftig mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz jede zusätzliche Personalstelle im Krankenhaus vollständig refinanziert werden. Gleichzeitig würden die derzeitigen Rahmenbedingungen in der Pflege die Umsetzung von Maßnahmen jedoch erschweren. Denn schon heute hat jedes zweite Krankenhaus im Pflegedienst auf Normal- und Intensivstationen Probleme, Stellen zu besetzen. "In den letzten Jahren hat es eine deutliche Verschärfung von Stellenbesetzungsproblemen im Krankenhaus gegeben", so Pföhler.

In diesem Zusammenhang stellte Dr. Karl Blum, DKI-Vorstand und Leiter des Geschäftsbereichs "Forschung" erste Ergebnisse aus der Studie "Entwicklung der Pflege bis 2030" vor, die den künftigen Personalmehrbedarf in der Pflege verdeutlichen. So werden die Personalprobleme der Pflege im Krankenhaus, in den Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten künftig zunehmen. "Selbst bei konstanten Personalschlüsseln wird der Personalbedarf in der Krankenpflege bis 2030 um rund 63.000 Vollkräfte steigen, allein aufgrund der Entwicklung von Demografie und Morbidität. Will man die aktuellen Personalschlüssel verbessern, beispielsweise in jeder Krankenhausabteilung um eine zusätzliche Pflegekraft je Schicht und Tag, wären weitere 40.000 Vollkräfte erforderlich, also in der Summe über 100.000 Pflegekräfte zusätzlich", sagte Blum. Vor diesem Hintergrund sei auch die gezielte Bindung von Pflegekräften eine Möglichkeit, den Problemen entgegen zu wirken. "Diese Mitarbeiterbindung sollte über eine adäquate Führung und positive Anreize erfolgen", erklärte Dr. Petra Steffen, Senior Research Manager im DKI-Geschäftsbereich "Forschung". Dies könnten beispielsweise finanzielle Anreize, flexible Arbeitszeiten, ein attraktives Arbeitsumfeld, familienfreundliche Strategien oder auch Maßnahmen der Personalentwicklung sein.

Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG)


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