Donnerstag, 23. Mai 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

15. November 2018 Digitaler Zwilling in der Medizin

Dem digitalen Zwilling eilt ein guter Ruf im deutschen Gesundheitswesen voraus: Sieben von zehn Bürgern schätzen diesen virtuellen Patienten, das digitale Abbild eines Menschen, anhand dessen sich Therapien am Computer simulieren lassen. Die Deutschen sind davon überzeugt, dass der digitale Zwilling die medizinische Forschung stark vorantreiben kann, wie 74% bestätigen, und einen vielversprechenden Ansatz für die Medizin der Zukunft darstellt, wie 76% angeben. Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern.
Zusätzlich wurden für die Studie rund 200 Patienten befragt, die unter Diabetes leiden. Gerade diese Patientengruppe mit chronischer Erkrankung verspricht sich viel von der Idee des digitalen Zwillings: So hoffen 44% der Studienteilnehmer darauf, dass sich durch die Computersimulationen Folgeschäden reduzieren lassen, und 41% erwarten, dass sich die Gefahr einer Über- oder Unterzuckerung verringert. Auf Hilfe bei der optimalen Einstellung ihrer Medikamente hoffen 40% der Diabetes-Patienten.

„Das Konzept des digitalen Zwillings hat das Potenzial, unser Gesundheitswesen zu revolutionieren“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. „Das virtuelle Abbild jedes Patienten ist die Grundlage für die personalisierte Medizin. Anhand des Computermodells kann es Medizinern gelingen, für jeden Patienten auf Basis seiner DNA die maßgeschneiderte Therapie zu finden.“ Diese Vorteile sehen auch die befragten Bürger: Insbesondere schätzen sie, dass der digitale Zwilling den Arzt bei seiner Therapieentscheidung unterstützen kann (86%) und ihm hilft, die besten Medikamente zu finden (83%). Nahezu ebenso viele Studienteilnehmer, 82%, werten es als Vorteil, dass der Patient durch virtuelle Simulationen entlastet wird, etwa dank weniger Nebenwirkungen und überflüssiger Operationen.

Der virtuelle Patient ist vielen Deutschen noch fremd

Allerdings herrscht beim Thema digitaler Zwilling neben hoher Erwartungen derzeit noch große Unsicherheit, denn viele Deutsche kennen ihren virtuellen Verwandten kaum. Lediglich ein Prozent kann die Idee des digitalen Zwillings erklären; 26% haben bereits davon gehört und 73% ist das Konzept gänzlich unbekannt. „Während Computersimulationen in anderen Branchen seit langem verbreitet sind, zum Beispiel in der Autoindustrie, stehen virtuelle Patientenmodelle im medizinischen Bereich noch am Anfang der Entwicklung. Das Verfahren wurde bislang nur in Einzelfällen eingesetzt. Doch die Gesundheitswirtschaft muss bei dem Thema dringend vorankommen, damit Patienten durch Vorhersagen am Modell präziser behandelt werden können“, kommentiert Sevilay Huesman-Koecke, Head of Business Development Gesundheitswirtschaft bei PwC.

Bedenken beim Thema Datensicherheit

Eine große Hürde beim flächendeckenden Einsatz der Computermodelle ist allerdings das Thema Datenschutz. So sehen 80% der Bürger den größten Nachteil der Verwendung digitaler Zwillinge in der Gefahr, dass ihre Daten in die falschen Hände geraten könnten. In der Gruppe der befragten Diabetiker ist diese Sorge mit 79% ebenso ausgeprägt. Bevor das Konzept flächendeckend eingesetzt wird, erwarten 89% der Deutschen, dass ein sicherer Umgang mit ihren Daten gewährleistet ist. Am ehesten würden sie ihre Daten mit Ärzten teilen, während nur wenige Bürger ihrer Krankenkasse oder Pharmafirmen den Zugriff gewähren würden. „Vor dem flächendeckenden Einsatz digitaler Zwillinge muss dringend die Frage geklärt werden, wer Zugriff auf die Daten erhält, die Basis der Simulationen sind“, sagt Sevilay Huesman-Koecke.

Sieben von zehn Bürgern halten die Erstellung des Zwillings für sinnvoll

Trotz der grundsätzlichen Bedenken zum Thema Datenschutz wären 83% der Bürger – in jedem Fall oder unter bestimmten Umständen – dazu bereit, ein virtuelles Testmodell von sich selbst anfertigen zu lassen. Lediglich für 17% käme das keinesfalls in Frage. Der wichtigste Grund dafür wäre eine chronische Erkrankung, wie 41% der Allgemeinbevölkerung und 38% der Diabetes-Patienten bestätigen. Die Datenerhebung soll bevorzugt über intelligente Pflaster, die auf der Haut getragen werden und über Mikrochips Daten übertragen, oder alternativ durch Wearables oder Gesundheits-Apps erfolgen.

Die Kostenverantwortung soll bei den Krankenkassen liegen

Wer soll die Kosten für die flächendeckende Einführung digitaler Zwillinge in der Gesundheitswirtschaft tragen? In diesem Punkt geben die Studienteilnehmer eine eindeutige Antwort: 62% plädieren dafür, dass die Kostenverantwortung bei den Krankenkassen liegen soll, in der Gruppe der Diabetiker-Patienten sind es sogar 71%. „Natürlich sind zu Beginn enorme Investitionen notwendig. Doch das Konzept digitaler Zwillinge bietet uns auf Dauer die Chance, sowohl bei der Prävention als auch bei der Diagnostik und Therapie hohe Summen einzusparen und Patienten gleichzeitig gezielter und besser zu behandeln“, bilanziert Michael Burkhart.

Die Studie finden Sie zum kostenlosen Download unter: www.pwc.de/digitalerzwilling

Quelle: PwC


Das könnte Sie auch interessieren

Individualisierte Schmerztherapie

Individualisierte Schmerztherapie
© Dan Race / Fotolia.com

Schmerz ist eine komplexe Empfindung. Der menschliche Körper besitzt ein weitverzweigtes Netzwerk aus Schmerzrezeptoren und Schmerzleitungen.  Schmerzen können bei Krebserkrankungen durch das Wachstum eines Tumors oder auch durch unerwünschte Begleiterscheinungen von Therapien verursacht werden.  Um das Schmerzerleben adäquat behandeln zu können, ist es notwendig, eine individuelle Schmerztherapie durchzuführen. Die Mitarbeit der Betroffenen ist dabei...

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf

Weltkindertag: Deutsche Krebshilfe ruft zu aktivem Lebensstil auf
© Sabphoto / Fotolia.com

In der Schule, vor dem Smartphone oder am Computer: Die Liste sitzender Aktivitäten von Jugendlichen ist lang. Fast die Hälfte ihrer Wachzeit – knapp sieben Stunden pro Tag – verbringen Schüler heutzutage sitzend oder liegend. Je mehr die jungen Menschen sitzen, desto riskanter ist auch ihr Gesundheitsverhalten: Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) im Rahmen des von der Deutschen Krebshilfe geförderten...

Frauenärzte warnen vor Folgen von Bewegungsmangel

Frauenärzte warnen vor Folgen von Bewegungsmangel
© Picture-Factory / Fotolia.com

Das Leben des Stubenhockers ist riskant: Wer körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten scheut, verzichtet auf einen Universalschlüssel zur Förderung der Gesundheit und zur Prävention zahlreicher schwerer Erkrankungen - Männer wie Frauen, Jung wie Alt. „Der heutige Mensch ist nicht für körperliche Passivität geschaffen. Die Evolution hat ihn noch nicht an die überwiegend sitzenden Tätigkeiten der Zivilisationsgesellschaft...

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training
© ivanko80 / Fotolia.com

Vor der Kulisse des Alten Rathauses wurde gestern (26.06.) Bürgermeisterin Gertrud Maltz- Schwarzfischer das erste Laufshirt des Regensburger Leukämielaufes 2017 von Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., überreicht. Mit der Übergabe des Laufshirts an das Stadtoberhaupt startet traditionell der Countdown zum größten Benefizlauf in Ostbayern, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Digitaler Zwilling in der Medizin"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.