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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

02. Oktober 2018
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Beitrag der Digitalisierung zur Gesundheitsversorgung

Die diesjährige Kundentagung von IQVIA Commercial, einem der führenden Technologie- und Beratungsunternehmen der Gesundheitsbranche, fand am 27. September 2018 in Darmstadt statt. In der vormittäglichen Plenumsveranstaltung ging es darum, den Beitrag der Digitalisierung im Gesundheitswesen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die insgesamt 200 Teilnehmer ließen sich über wichtige Stellgrößen informieren, die nicht nur relevant sind, um überhaupt Veränderungen zu ermöglichen, sondern auch um in verschiedener Hinsicht Verbesserungen für die Gesundheitsversorgung zu erreichen. Dabei lag das Augenmerk auch auf den Konsequenzen, die sich daraus für Leistungserbringer, Stakeholder, pharmazeutische Hersteller und Patienten ergeben, wobei der perspektivische Ausblick in den Präsentationen der Referenten aufgrund verschiedener Rahmenbedingungen eine entsprechend längere Zeitdimension umfasste.
Spezialforen am Nachmittag boten Gelegenheit für vertiefte Einblicke in verschiedene Bereiche, wobei jeweils auf Basis technologischer Fortschritte und innovativer Methoden neue Möglichkeiten vorgestellt wurden. Diese betrafen z.B. die Abschätzung von Krankheitsbetroffenheiten oder -verläufen im Bereich Versorgungsforschung, die Bemessung von Erfolgsaussichten in der Arztansprache je nach Kommunikationsansatz, die Analyse von Spezialfragestellungen in der Krebstherapie, „Health Technology Assessments“, den Einfluss der Digitalisierung auf die Kommerzialisierung rezeptfreier Produkte sowie neue Tools und Lösungen bei Qualitätsprozessen im Kontext von Lieferanten oder beim Content-Management bis hin zur Orchestrierung von Inhalten.
 
Marktentwicklungen – Rückblick und Vorschau
 
Zum Auftakt der vormittäglichen Plenumsveranstaltung skizzierte Dr. Frank Wartenberg, President Central Europe von IQVIA, einige aktuelle Entwicklungen im deutschen und globalen Pharmamarkt mit Blick in die Zukunft. So bewege sich die derzeitige Prognose für den hiesigen Markt bei einem moderaten Wachstum zwischen 3 und 6%. Der größte Teil (84%) des Wachstums mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sei auf Spezialtherapeutika zurückzuführen, die u.a. für die Behandlung kleiner Patientengruppen indiziert seien. So erkläre sich auch, dass 50% der Arzneimittelausgaben für nur etwas mehr als 2% der Patienten erfolgten. Die derzeitige Innovationsphase setze sich auch in den nächsten Jahren mit jährlich 40 bis 45 neuen Substanzen fort. In der globalen Forschungs-Pipeline der Unternehmen machten Zell- und Gentherapien u.a. zur Behandlung von Krebs, seltenen Erkrankungen und Infektionskrankheiten derzeit 7% aus, Tendenz steigend. Speziell zum Einfluss der Digitalisierung: In 2018 seien 340 digital unterstützte Wirksamkeitsstudien abgeschlossen worden und bis 2019 sei mit rund 320.000 Gesundheits-Apps zu rechnen. Waren die Apps in den Anfängen eher auf den Bereich Wellness bezogen, so sei nun immer mehr eine Ausrichtung auf Therapiebereiche festzustellen.
 
Vier Thesen zur zukünftigen Gesundheitsversorgung
 
Vor dem Hintergrund aktueller und zukünftig erwartbarer Entwicklungen benannte Wartenberg vier Thesen zur Gesundheitsversorgung im Zeitraum der nächsten zehn Jahre:
 
  • Die Ausgaben im Gesundheitswesen werden sich auf ältere Menschen und personalisierte Medizin fokussieren, nicht nur im Bereich Arzneimittel, sondern auch in der Pflege.
  • Die Finanzierung des Gesundheitswesens wird durch einen größeren Eigenanteil der Patienten und Zusatzversicherungen ergänzt, weil
  • Gesundheitsversorger prioritär die Effizienz im Blick haben.
  • Das Zusammenspiel der Beteiligten im Gesundheitswesen wird eher virtuell als persönlich sein, da Kosteneffektivität im Fokus steht.
 
Durch Digitalisierung, so Wartenberg, würden im Gesundheitswesen tiefere Einsichten (z.B. zu Diagnosen und Therapien) für Akteure und Stakeholder ermöglicht, Prozesse effizienter abgebildet (z.B. elektronische anstelle von physischer Interaktion bei unterschiedlicher lokaler Präsenz) und neue Formen der Zusammenarbeit (z.B. über neue Kanäle wie Telemedizin oder orchestrierte Steuerung) ermöglicht. Zu erreichen sei dies durch den Vierklang relevanter Daten, geeigneter Technologien, Analysen und Konnektivität im Sinne aufeinander beziehbarer Kanäle. Für Unternehmen ergäben sich daraus neue Stellgrößen, um einen effektiven und effizienten Behandlungspfad zu unterstützen, im Sinne eines bestmöglichen Behandlungsergebnisses für den Patienten. Wartenberg verdeutlichte dies am Beispiel, über „Advanced Analytics“ Patientenmerkmale zu identifizieren, um das zeitliche Risiko des Fortschreitens einer Erkrankung vorherzusagen. Dabei handelt es sich um eine fort­geschrittene Computertechnik, die mathe­matische und statistische Formeln und Algorithmen verwendet, um aus komplexen Datenstrukturen neue Infor­mationen zu generieren, Muster zu er­ken­nen und Ergebnisse und deren Ein­tritts­wahrscheinlichkeiten vorherzusagen. Bei klinischen Studien ließe sich z.B. mehr Effektivität bei teilweise virtueller Durchführung erzielen, indem sich Patienten online beteiligten, was eine weniger aufwändige Rekrutierung und schnellere Datenbereitstellung und damit Zeit- und Kostenersparnis ermögliche. Entsprechende Lösungen seien bereits entwickelt und in manchen Ländern wie z.B. den USA schon am Markt. Von solchen und weiteren Auswirkungen der Digitalisierung könnten potenziell alle an der Gesundheitsversorgung Beteiligten profitieren. Behörden, um Entscheidungen besser abgesichert und schneller zu treffen, Leistungserbringer und Kostenträger, um kostenintensive Ereignisse wie z.B. Nicht-Adhärenz oder das Auftreten von „adverse events“ zu reduzieren und Patienten, um eine bessere Versorgung sogar zu geringeren Kosten zu erhalten.
 
Langfristiger Trend
 
Dass es sich bei der Digitalisierung um einen langfristigen Trend handelt, verdeutlichte Stefan Lutz, Senior Product Specialist für Aktienfonds bei Credit Suisse. Der begonnene Alterungsprozess der Bevölkerung setze sich auch zukünftig fort und lasse bei einer immer besseren medizinischen Versorgung steigende Gesundheitskosten erwarten. Kostensparende Technologien würden damit immer wichtiger.
 
Aus der Anleger-Perspektive seien hier drei Bereiche relevant. Zum einen Forschung und Entwicklung, wo Einsparungen durch große Rechnerleistungen und künstliche Intelligenz (KI) möglich seien. Als Beispiele benannte Lutz u.a. automatisierte Laborgeräte, Diagnostik mithilfe von KI oder Produktentwicklungen durch Auftragsforschungsinstitute. Die Digitalisierung in der Auftragsforschung biete ein enormes Potenzial, etwa über cloud-basierte Lösungen für die klinische Forschung. Neue und intelligente Applikationen könnten große Datenmengen einfach und schnell verarbeiten und mittels KI bei Studien bessere Outputs generiert werden.
 
Zum anderen der Bereich Behandlungen im Rahmen von Biotechnologie, Medizintechnik, chirurgischer Robotik (Unterstützung für den Arzt), personalisierter Medizin und Implantaten sowie Bionik der nächsten Generation. Dieses Feld sieht der Referent als dasjenige mit dem größten Potenzial. Als ein Beispiel nennt Lutz AI- und 3D-Printing in der Zahnmedizin, digitale Vermessung anstelle von Gipsabdruck oder auch unsichtbare Zahnspangen aus Kunststoff anstelle der herkömmlichen silbernen Klammern. Ein weiteres Beispiel seien neue Tools zur Ermittlung und Vernetzung dynamischer Daten wie Historie, Verlaufstendenz und Veränderungsgeschwindigkeit bestimmter Parameter bei Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Stichwort automatische Messung.
 
Ferner bestehe ein großes Potenzial auch bei der Effizienz: über den elektronischen Austausch (Gesundheitsakten) verschiedener Behandler (Vereinfachung, Kosteneinsparung), Gesundheitsmonitore für Konsumenten (Informationen/Monitoring verschiedener Gesundheitsparameter über entsprechende Devices), medizinische Informatik und Big-Data-Analysen. Als konkretes Beispiel führt der Referent die Telemedizin an, die über vernetzte Technologien neue Patientenbetreuungsmodelle ermögliche sowie einen Zugang zu medizinischen Dienstleistungen auch in abgelegenen Regionen. Bis zu einem Drittel der physischen Arztbesuche seien durch Telemedizin ersetzbar, außerdem bilde sie auch eine Alternative zu „Notfallaufnahmen“.
 
Allerdings, so Lutz, mangele es heute noch an Zugriffsregelungen auf Daten, um diese entsprechend nutzen zu können. „Digital Health“-Pläne, wie in den USA bereits verabschiedet und in der Schweiz zur Entscheidung vorgelegt, seien vonnöten, um zu regeln, welche Daten für wen zu welchem Zweck zur Verfügung stünden. Wobei sich in der Bevölkerung ein Wandel dahingehend abzeichne, dass die jüngere Generation mehr Bereitschaft zeige, Daten preiszugeben als die ältere, was langfristig den Trend zur Digitalisierung ebenfalls stütze.
 
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