Samstag, 17. November 2018
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren
Zentren
Kasuistiken
Studien


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
Fachinformation
 
Anzeige:
Fachinformation
 

GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
18. September 2018

Co-Abhängigkeit: das stille Leid der Kinder

Minderjährige mit alkoholsüchtigen Eltern erleben oft Vernachlässigung und Gewalt. Trotzdem kümmern sie sich bis zur Erschöpfung um den Abhängigen. Experten sprechen von Co-Abhängigkeit. Betroffene leiden darunter ein Leben lang – und greifen später häufig selbst zur Flasche.
Anzeige:
Fachinformation
 
Die Zahlen sind alarmierend: Rund drei Millionen Kinder in Deutschland haben mindestens einen suchtkranken Elternteil. In den allermeisten Fällen lautet das Problem Alkohol. 2,65 Millionen Minderjährige leiden unter einem trinkenden Vater oder einer trinkenden Mutter(1). Die Folgen sind oft gravierend.
 
Bei Alkoholsucht ist das gesamte Umfeld betroffen

„Ist ein Elternteil alkoholabhängig, leidet nicht nur die Person selbst unter der Erkrankung“, erklärt Dr. Bastian Willenborg, Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg. Oft sei das gesamte Umfeld betroffen. „Besonders nahe Angehörige entwickeln häufig eine sogenannte Co-Abhängigkeit. Dabei kümmern sie sich bis zur Erschöpfung um den Suchtkranken und treten als Person völlig in den Hintergrund.“ Zwar sei die Intention der Angehörigen häufig eine gut gemeinte, so der Mediziner. „Doch indem sie dem Abhängigen alle Aufgaben abnehmen, ihn decken und unterstützen, erschweren sie, dass der Abhängige selbst ein Leiden unter seiner Sucht und somit eine Veränderungsmotivation entwickelt.“
 
Schon für Erwachsene kann eine Co-Abhängigkeit ein großes Problem darstellen. Bei Kindern ist die Situation noch schwieriger: „Sie wissen oftmals nicht, wie eine gewöhnliche Eltern-Kind-Beziehung aussieht und sind darüber hinaus existenziell auf den suchtkranken Elternteil angewiesen“, so Willenborg.
 
Co-Abhängigkeit: Die Rollen zwischen Kind und Elternteil werden umgekehrt

Die Folge: Co-abhängige Kinder kümmern sich um den Suchtkranken meist noch bedenkenloser als Co-abhängige Erwachsene. Sie kaufen für ihn ein, melden ihn beim Arbeitgeber krank, kontrollieren vielleicht sogar die Haushaltskasse. „Einen solchen Zustand, in dem die sozialen Rollen zwischen Elternteil und Kind umgekehrt werden, bezeichnen wir als ‚Parentifizierung’“, erklärt Willenborg. „Der Sohn wird zum Vater, der Vater zum Sohn.“
 
Die Auswirkungen für die Co-abhängigen Kinder sind weitreichend: Ihre Jugend ist oftmals von Aggressivität und Gewalt in der Familie, Vernachlässigung und sozialer Ausgrenzung geprägt. In fortgeschrittenem Alter werden sie weitaus häufiger psychisch krank, leiden öfter unter Depressionen, Angst-, oder Persönlichkeitsstörungen. Hinzu kommt: „Das Risiko, später selbst alkoholabhängig zu werden, ist erhöht“, so Willenborg.
 
Hilfe von außen für Kinder besonders wichtig

Während Co-abhängige Erwachsene sich meist bewusst sind, dass ihre Situation nicht normal ist und sich selbstständig an Beratungsstellen wenden können, ist dies Kindern nur selten möglich, wie der Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg ausführt: „In den meisten Fällen hat niemand Zugang zu den Kindern. Dabei bräuchten gerade sie dringend Hilfe von außen, um einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden, da sie sich meistens auch noch selbst schuldig fühlen für ihr vermeintliches Versagen und die Situation in ihrer Familie.“
 
Doch wie hilft man? „Suchterkrankungen sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir gemeinsam angehen müssen“, sagt Willenborg. Dazu bedürfe es zuerst einem offeneren Umgang mit dem Thema: „Eine Enttabuisierung ist überfällig.“ Schulen könnten hier eine Schlüsselrolle spielen: „Bei der Verkehrssicherheit etwa leisten Schulen bereits sehr gute Aufklärungsarbeit. Dies kann ein Vorbild für den Umgang mit Suchterkrankungen sein“, so der Mediziner. „Sind Lehrer – aber auch Trainer im Sportverein oder Betreuer in der Jugendgruppe – einmal für das Thema sensibilisiert, kommen sie leichter an betroffene Kinder heran und können mit ihnen Beratungsstellen aufsuchen. Auch hier müssen wir das Angebot ausbauen.“
 
Quelle: Oberbergkliniken
Literaturhinweise:
(1) Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2017): Kinder aus suchtbelasteten Familien



Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 
 
 
Themen
NET
CML
CUP
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Fachgesellschaften
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
Betroffenenrechte
AGB
Fakten über Krebs