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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

13. September 2018 Spahns Gesetzesreform: Ärzte erwarten kaum Verbesserung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verkauft sich gern als Macher und Gestalter: Um die Versorgung der Kassenpatienten zu verbessern, will er per Gesetz die verpflichtende Mindestsprechstundenzeit in den Arztpraxen auf 25 Stunden hochschrauben. Erleben wir nun drastische Veränderungen? Wohl kaum: Die überwältigende Mehrheit der niedergelassenen Ärzte bietet längst mehr als die 25 Stunden an – und hält auch sonst nicht besonders viel vom Reformgesetz des CDU-Politikers. Das zeigt eine Umfrage unter niedergelassenen Haus- und Fachärzten, an der sich bislang über 1.400 Mediziner beteiligt haben.
Im Rahmen der Online-Erhebung des Ärztenachrichtendienstes (änd) in Hamburg gab eine große Mehrheit von 85% der befragten Ärzte an, ihren Kassenpatienten bereits mehr als die von der Politik geforderten 25 Stunden anzubieten. Die Gesetzesänderung bedeutet für sie – zumindest in diesem Punkt – keine Umstellung.

Folgerichtig räumen 15% der Ärzte ein, dass sie die vom Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) geforderte Zeit im Moment unterschreiten. Die Gründe dafür sind vielfältig: Rund 28% der betroffenen Ärzte gaben an, dass Besonderheiten in ihrem medizinischen Tätigkeitsbereich – beispielsweise viele ambulante Operationen – dafür verantwortlich sind. Jeder fünfte Arzt (21%) betonte dagegen offen, dass er in der Woche einfach nicht so lange arbeiten wolle. 19% erklärten dagegen, dass sich eine umfassendere Sprechstunde für GKV-Patienten finanziell schlichtweg nicht lohne.

Interessant auch, dass die vieldiskutierten Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen im Alltag der meisten Ärzte offenbar kaum eine Rolle spielen: 95% der Ärzte gaben an, dass die eigene Praxis nie oder nur extrem selten von der TSS mit Terminanfragen konfrontiert werde. Vier Prozent haben regelmäßig Kontakt – und nur ein Prozent der Ärzte berichtet von häufigen Nachfragen.

Dass Minister Spahn künftig eine bessere Vergütung von ärztlichen Leistungen bei Patienten verspricht, die von den Terminservicestellen vermittelt werden, stößt bei den Ärzten auf große Skepsis. Die überwältigende Mehrheit von 89% der Umfrageteilnehmer glaubt nicht, dass dieser Vergütungsanreiz die Versorgungssituation irgendwie verändern oder verbessern wird. Nur 11% der Ärzte sprechen von einer interessanten Entwicklung: Sie könnten sich "dann gut vorstellen, mehr Patienten zu behandeln, die auf diesem Wege zu uns gelangen".

Ein ähnliches Bild bei der geplanten besseren Vergütung der Behandlung von Neupatienten: "Wir werden dann versuchen, mehr neue Patienten aufzunehmen, damit sich die Sache lohnt", wählten lediglich 11% der Ärzte als Antwort – hoffend, dass die im Endeffekt gefundene Honorarlösung auch wirklich mehr Geld in die Praxen spült. 31% bewerten es zwar grundsätzlich als positiv, dass im Gesetz von extrabudgetärer Vergütung die Rede ist. Allerdings bedeute das nicht, dass sie dadurch mehr neue Patienten aufnehmen könnten. Satte 58% trauen dem Braten auf ganzer Linie nicht: Sie halten die Regelung für kompletten Unsinn.

"Hören Sie oft von Patienten, dass sie zu lange auf einen Termin bei Ihnen warten mussten?", wollte der änd noch von den Ärzten wissen. 63% der Befragten hören solche Klagen nicht oder nur ganz selten. 30% berichten von regelmäßigen Patientenbeschwerden, 7% achtet nach eigenen Angaben gar nicht auf Patientenäußerungen in dieser Richtung.

An der Online-Befragung des änd beteiligten sich vom 11.09.2018 bis zum 12.09.2018 (Stand 23 Uhr) bislang 1.417 überprüfte niedergelassene Haus- und Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet.

Quelle: änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG


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