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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

31. August 2018 FÄ-Chef Dietrich: "Ärzte werden sich zunehmend aus der Kassenmedizin verabschieden"

Mit dem jüngsten Honorarergebnis und dem geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden sich niedergelassene Ärzte verstärkt aus der Kassenmedizin zurückziehen. Das prognostiziert die Freie Ärzteschaft (FÄ) angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen. "Viele Ärzte werden Wege suchen und finden, um mit der weiter zu erwartenden deutlichen Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Vertragsärzte umzugehen, und dabei der Kassenmedizin auf verschiedene Weise den Rücken kehren", sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich am Donnerstag in Essen.
 
Nach Einschätzung des FÄ-Chefs werden Ärzte künftig mehr privatärztliche und weniger kassenärztliche Leistungen anbieten, frühzeitiger ihre Praxen aufgeben oder ausschließlich privatärztlich tätig sein. Auch eine Teilrückgabe der Kassenzulassung sei möglich, ebenso der Verzicht auf diverse Genehmigungen für kassenärztliche Leistungen. Denn die in vielen Bereichen ohnehin schon desolate Honorarsituation wird sich durch die unzureichende aktuelle Honorarerhöhung von 1,58% verschärfen. "Diese Steigerung wird von der Inflation aufgefressen, sie fängt die steigenden Praxiskosten- besonders bei unserem Personal - nicht ab", betont Dietrich. "Gute und bedarfsgerechte Kassenmedizin ist damit künftig noch weniger machbar."

Außerdem enthalte das TSGV zahlreiche Elemente, die den Einstieg in ein verstaatlichtes, planwirtschaftliches Gesundheitswesen bedeuten. "Die Ausdehnung der Zuständigkeit der Terminservicestellen und die Verpflichtung zu einem Terminmanagement mittels Praxissoftware sind erhebliche Eingriffe in die Praxisautonomie. Das hat mit Freiberuflichkeit von Vertragsärzten nichts mehr zu tun. Das kommt vielmehr einer anonymen Zwangsbewirtschaftung gleich, die die realen Bedürfnisse der Patienten und die Möglichkeiten der einzelnen Praxis gar nicht kennt ", kritisiert der FÄ-Chef.

Zudem habe sich bereits gezeigt, dass die Terminservicestellen ineffizient und teuer sind: Die Vergabe jedes Termins koste etwa 50 Euro. "Bislang", so Dietrich, "haben die Praxen hocheffizient und sachgemäß je nach Indikation und Dringlichkeit des Patientenanliegens Termine vergeben. Das kann eine Terminservicestelle aufgrund des fehlenden fachlichen Hintergrunds überhaupt nicht leisten. Viele Vertragsärzte werden in Anbetracht der vorgesehenen Planwirtschaft den Sinn ihrer Tätigkeit als Vertragsarzt deshalb zunehmend infrage stellen." Dies zeige sich bereits jetzt bei der breiten Ablehnung einer Zwangsanbindung der Praxen an eine Telematikinfrastruktur, die als unsachgemäß, gefährlich und teuer eingestuft werde.

Quelle: Freie Ärzteschaft e.V.


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