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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

28. August 2018 Hartmannbund-Landesverband Niedersachsen zur hausärztlichen Versorgung

„So sehr wir es begrüßen, dass sich die Regierungsfraktionen im niedersächsischen Landtag mit der hausärztlichen Versorgung auseinandersetzen und einen Maßnahmenkatalog vorschlagen, so sehr muss der Hartmannbund Niedersachsen feststellen, dass die Priorisierung in keinem Falle der Dringlichkeit der Herausforderung gerecht wird und auch die eine oder andere Überlegung fehl geht.“ Damit kommentierte die Vorsitzende des Hartmannbund Landesverbandes Niedersachsen, Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat, die im niedersächsischen Landtag diskutierten Maßnahmen zur Förderung und Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung.
„Richtig ist: Es müssen mehr Studienplätze geschaffen werden“, so Lesinski-Schiedat, „doch erstens wirkt diese Maßnahme – wie die Landarztquote – frühestens in elf oder zwölf Jahren, zweitens erfordern mehr Studienplätze auch mehr Ausbildungsressourcen, sprich nicht nur Räume und Materialien, sondern auch ausbildende Ärzte.“ Es bedürfe daher eines sinnvollen und intelligenten Konzeptes, um vor Ablauf von zehn Jahren eine bessere ärztliche Versorgung zu realisieren – jetzt und in allen Teilen Niedersachsens.
 
„Ärztliche Leistungen müssen weiterhin in der Verantwortung des Arztes bleiben – darauf haben die Versicherten zurecht einen Anspruch“, stellte die Hartmannbund-Landesvorsitzende klar. Die Versorgung könne in Ermangelung von ausreichend ärztlichem Personal daher nur sichergestellt werden, wenn die Telemedizin umgehend strukturell sinnvoll zum Einsatz komme und entsprechende Maßnahmen nicht nur in der pflegerischen Versorgung finanziert würden. „Dieser wichtige Punkt darf nicht an vorletzter Stelle stehen.“
 
Grundsätzlich dürfe sich der Lösungsansatz der Politik nicht in der Therapie identifizierter Einzelsymptome ohne Anamnese der Gesamtproblematik erschöpfen. „Eine hausärztliche Niederlassung in der Fläche macht nur Sinn, wenn das Land strukturelle Anreize für die gesamte Bevölkerung – also nicht nur für Ärztinnen und Ärzte! – schafft, damit ein Leben im ländlichen Raum für viele Menschen attraktiv ist“, erläutert Lesinski-Schiedat. Andernfalls sei eine Hausarztpraxis auf Dauer kaum wirtschaftlich zu betreiben.  
 
In keinem Falle dürfe man in dieser Situation auf die Substitution ärztlicher Leistungen setzen. „Wir müssen verhindern, dass die Bevölkerung des Landes Niedersachsen künftig mit unterschiedlicher medizinischer Qualität versorgt wird.“ Stattdessen könnten auch hier telemedizinische Delegationsmodelle helfen, Entfernungen zu überwinden und gleichzeitig eine hohe Qualität an medizinischer Versorgung zu gewährleisten. „Das muss in einem Hochtechnologieland wie Deutschland doch möglich sein.“ Dass Deutschland hingegen eine deutlich schlechtere Netzabdeckung für mobiles Internet hat als beispielsweise Bulgarien oder Litauen, sei ein kaum zu glaubendes Armutszeugnis.
 
„Wir – der Landesverband Niedersachsen des Hartmannbundes – fordern die Landtagsabgeordneten daher auf, dies bei der strukturellen Weiterentwicklung des Landes in ihren Wahlbezirken politisch zu bedenken“, so Lesinski-Schiedat.

Quelle: Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e. V.


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