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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

23. Juli 2018 Patienten sollen per Anruf zu Arzt oder Notaufnahme dirigiert werden

Millionen Patienten bevölkern jedes Jahr die Notfallambulanzen der Kliniken – viele wären beim Hausarzt besser aufgehoben. Patienten mit akuten Beschwerden sollen sich künftig am Telefon zum richtigen Arzt oder in eine Notaufnahme dirigieren lassen. Damit soll nach dem Willen von Deutschlands Kassenärzten das Problem überfüllter Notaufnahmen behoben werden.
Wer nicht als Notfall behandelt werden muss, dem soll über die Bereitschaftsdienstnummer 116117 ein passender Arzt genannt werden, wie der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte.

"Der Großteil der Patienten in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser ist dort heute nicht am richtigen Platz", sagte Gassen. "Manchmal scheinen die seit Wochen andauernden Rückenschmerzen plötzlich so stark oder das Fieber so beunruhigend, dass der Patient in die Notaufnahme geht." Die Notaufnahmen müssten aber in der Lage sein, sich schnell um Unfallpatienten, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu kümmern. "Bagatellerkrankungen gehören da nicht hin." Zuletzt hatten die Regierungsberater des Sachverständigenrats fürs Gesundheitswesen Anfang Juli für eine bessere Steuerung der Patienten plädiert.

Gassen sagte: "Rund 5.000 Stellen in den Krankenhäusern und über 3.000 Arztsitze sind bereits jetzt nicht besetzt." Wachsender Ärztemangel zwinge zu einem effizienten Einsatz der Ressourcen.

Funktionieren soll die Steuerung der Patienten über die 116117 laut Gassen künftig rund um die Uhr – und zwar so:
 
  • Beim Anruf eines Patienten soll medizinisches Fachpersonal zuerst eine Ersteinschätzung auf Basis eines standardisierten Fragenkatalogs geben: Braucht jemand dringend Hilfe? Ist ein Hausbesuch nötig? Sollte der Patient zu einer Bereitschaftspraxis?
  • Ein Arzt kann – wenn nötig – am Telefon zugeschaltet werden.
  • Wenn der Patient einen Arzt konsultieren sollte, soll eine Praxis in der Nähe vermittelt werden können. "Im Notfall wird eine Notaufnahme genannt oder auch direkt ein Krankenwagen zu ihm geschickt", sagte Gassen.

Noch ist es nicht soweit. Zunächst will die KBV die bundesweite Nummer 116117 durch eine kommendes Jahr startende Kampagne bekannter machen. 2017 kannte laut einer Umfrage nicht einmal jeder Zehnte die seit 2012 neben regionalen Nummern existierende Hotline. "Wir sind dabei, das Angebot hinter dieser Nummer auszubauen", erläuterte Gassen. Um die nötige IT-Technik hätten sich die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen bereits gekümmert.

Nicht einfach sei es, genug Personal für die Zentren zu finden, die die Anrufe entgegennehmen, meint Deutschlands oberster Kassenarzt. Seien es zum Beispiel aber einmal zu viele Ratsuchende der Region Nordrhein für das zuständige Zentrum in Duisburg, könnten Anrufe auch von anderen Zentren bearbeitet werden. Patienten sollen auch per App oder übers Internet beraten werden können.

Zuletzt hatte Gassen für Empörung gesorgt – er hatte eine Gebühr als Sanktion ins Spiel gebracht, falls Patienten dann trotzdem einfach in die Notaufnahme gehen. Die Krankenhausgesellschaft DKG betonte, mit elf Millionen Fällen finde das Gros der ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus statt. "Das liegt vor allem daran, weil das Angebot im niedergelassenen Bereich nicht ausreichend ist", schimpfte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Auch die Arbeiterwohlfahrt sieht die Kassenärzte gefordert: Zur Entlastung der Notaufnahmen würden bessere Öffnungszeiten ihrer Praxen helfen, sagte AWO-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Mit einem "Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung" will nun Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Ärzte zum Handeln zwingen.

Gassen versichert zum Thema Strafgebühr: "Das wird aber nicht Teil unseres Startkonzepts sein." Um die 116117 rund um die Uhr schalten zu können, sieht er noch den Gesetzgeber gefordert. "So darf der ärztliche Bereitschaftsdienst heute gar nicht während der normalen Praxisöffnungszeiten betrieben werden." Patienten verspricht er durch das neue System die Verminderung von Unsicherheiten und Wartezeiten. "Wir streben an, das System bereits im nächsten Jahr ans Laufen zu bekommen, die komplette Umsetzung wird zwei bis drei Jahre dauern."

Bereits heute gibt es Ersteinschätzungen, wie sie über die 116117 üblich werden sollen – in hunderten Portalpraxen von Kliniken und Kassenärzten. Für den Ärzteverband Marburger Bund, der das neue Notfallkonzept miterarbeitete, sind bundesweite Standards zentral, wie Verbandschef Rudolf Henke sagt: "Jeder, der dringend eine Krankenhausbehandlung benötigt, muss zuverlässig erkannt werden."

Quelle: dpa


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