Montag, 24. Juni 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

12. Juni 2018 Apotheker und Ärzte wollen mehr rezeptfreie Wirkstoffe

Sowohl Apotheker als auch Ärzte sprechen sich für weitere Switches – also für die Entlassung von Wirkstoffen aus der Verschreibungs- in die Apothekenpflicht –  aus. Auch Verbraucher stehen dem Thema positiv gegenüber. Das sind die Ergebnisse von drei repräsentativen Umfragen, die der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) in Auftrag gegeben hat und am Dienstag im Rahmen der 2. BAH Switch-Konferenz in Berlin vorstellt.
Was denken Apotheker und Ärzte über neue Switches? „Die Zustimmung ist groß: 85% der Apotheker und 51% der Ärzte sprechen sich dafür aus, mehr Wirkstoffe aus der Verschreibungspflicht zu entlassen“, so Prof. Dr. Niels Eckstein von der Hochschule Kaiserslautern, der die Umfragen wissenschaftlich begleitet hat. Apotheker und Ärzte sehen vor allem bei der Behandlung allergischer Erkrankungen wie Heuschnupfen oder bei Hauterkrankungen wie Akne weiteres Potenzial für die Selbstmedikation.   

Die repräsentative Befragung der Apotheker zeigt, dass diese in einer verstärkten Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln eine Chance sehen: 95% geben an, dass hierdurch ihre heilberufliche Kompetenz gestärkt werde. Ärzte hingegen sehen durch mehr Switches eher eine Rollenverschiebung: 41% sind der Meinung, dass ihre Bedeutung als Ansprechpartner bei allgemeinen Gesundheitsproblemen abnehmen könnte, jedoch ihre Kompetenz bei schwerwiegenden Erkrankungen gestärkt werde (33%).

Neben den Heilberuflern Apotheker und Arzt wurde auch die Bevölkerung befragt. Mehr als jeder Zweite sieht die Entlassung von Arzneimitteln aus der Verschreibungspflicht positiv. Als Begründung hierfür geben die Befragten an, so eine höhere Mitsprachemöglichkeit bei der Arzneimitteltherapie zu haben und sich den Weg zum Arzt sparen zu können. Insgesamt sehen sie sich vom Apotheker gut beraten.

Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim BAH, sieht in neuen Switches vor allem einen therapeutischen Fortschritt für Patienten: „Der niedrigschwellige Zugang zu bewährten rezeptfreien Arzneimitteln in der Apotheke erleichtert einen schnellen Behandlungsbeginn. So können Patienten früher gesund werden und lassen sich Ansteckungsrisiken vermindern.“

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Ärztemangels werde die Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Und damit es für Patienten auch in der Selbstmedikation Innovationen gibt, benötigen wir weitere Switches. Jeder aus der Verschreibungspflicht in die Apothekenpflicht entlassene Wirkstoff bedeutet frisches Blut für die Selbstmedikation. Dies geht natürlich nur, wenn die Rahmenbedingungen für die Arzneimittel-Hersteller stimmen“, so Kroth. Er fordert deshalb unter anderem eine dreijährige Marktexklusivität für Produkte, die aus der Verschreibungspflicht entlassen wurden. Denn sobald ein Produkt geswitcht ist, können Wettbewerber unter den gleichen Bedingungen in den Markt eintreten. Die fehlende Marktexklusivität stellt für viele Unternehmen ein Hindernis dar, einen Switch zu beantragen.

Zum Hintergrund: In der repräsentativen Apotheker-Umfrage wurde der Bedarf von Switches in Kooperation mit der Deutschen Apotheker Zeitung abgefragt. An der Umfrage nahmen im September und Oktober 2017 940 Apothekenmitarbeiter teil, darunter 752 Apotheker. Im Dezember 2017 und Januar 2018 nahmen 540 Ärzte an einer repräsentativen Befragung der Ärzte Zeitung teil. Die Auswertung beider Umfragen erfolgte durch Prof. Dr. Niels Eckstein von der Hochschule Kaiserslautern. Das Marktforschungsinstitut Nielsen ermittelte in einer repräsentativen Meinungsumfrage für den BAH-Gesundheitsmonitor im 4. Quartal 2017 die Meinung der Bevölkerung.

Quelle: Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH)


Das könnte Sie auch interessieren

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten

Klinische Studien in der Krebstherapie – Informationen für Patienten
© Alexander Raths / Fotolia.com

Für Krebspatienten ist die Teilnahme an einer Studie mit der Chance verbunden, frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden zu bekommen, die im klinischen Alltag nicht erhältlich sind. Neue Wirkstoffe bieten viele Chancen, können aber auch unbekannte Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. Das ONKO-Internetportal erläutert, welche Arten von Studien es in der Krebstherapie gibt und was Patienten, die sich für eine Studienteilnahme interessieren,...

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung
© CLIPAREA.com / fotolia.com

Um harmlose Eierstockzysten von bösartigem Eierstockkrebs zu unterscheiden, verwenden Ärzte das Ultraschallverfahren. Zysten und Krebsgeschwülste bilden im sonografischen Bild bestimmte Muster, die ein erfahrener Fachmann unterscheiden kann. Für ein hohes Qualitätsniveau der Untersuchung setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ein. Sie fordert, dass der Ultraschall der Eierstöcke eine Kassenleistung wird – auch...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Apotheker und Ärzte wollen mehr rezeptfreie Wirkstoffe"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich