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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

08. Juni 2018 Urologen: "Daten gehören den Patienten, nicht den Kassen"

Mit Inkrafttreten der DSGVO Ende Mai wurde einmal mehr der Datenschutz in den Fokus gerückt. Die niedergelassenen Urologen des Netzwerks Uro-GmbH Nordrhein bezweifeln jedoch, dass das die Goldgräberstimmung von App-Entwicklern auf dem Gesundheitssektor trüben kann. Vielmehr fordern sie eine Regelung im Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten unter der Vorgabe, dass die Daten nur einem Beteiligten im Gesundheitswesen gehören: dem Patienten.
Nachdem die 2003 von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt initiierte eGK lediglich zur Ausweisfunktion der jeweiligen Krankenversicherung verkommen ist, hat sich auf dem freien Markt abseits der Gematik viel getan. Seit Verbreitung der Smartphones, haben sich unzählige Gesundheits-Apps am Markt etabliert. Sie eröffnen für Patienten die Möglichkeit, medizinische Dokumente, Medikamentenpläne, Röntgenbilder etc. selbst zu verwalten. Zudem sammeln Apps massenhaft Gesundheitsdaten von täglicher Gehstrecke über Fitnessaktivitäten, Essverhalten und Reiseverhalten bis zu Gewicht, Blutdruck und Blutzuckerwerten und speichern sie auf größtenteils kommerziellen Servern.

Die Daten dazu werden freiwillig, aber wahrscheinlich in der Tragweite unbewusst abgegeben. Für Datensammler ein wahrer Goldschatz, auf dessen Basis schon heute nutzerindividuelle Gesundheitsprofile erstellt werden (können), die dann in kommerzielle Angebote und lukrative Datenverkäufe umgewandelt werden.

„Es braucht auf dem Gesundheitssektor dringend eine Regulation im Umgang mit Gesundheitsdaten“, unterstreicht Dr. Michael Stephan-Odenthal, ärztlicher Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein. „Dies kann aber nur funktionieren, wenn alle akzeptieren, dass die Daten den Patienten und nicht etwa anderen Institutionen wie den Krankenkassen oder Unternehmen gehören.“ Seiner Einschätzung nach, sollte die Speicherung der Daten am besten dezentral oder auf staatlich geschützten Servern und nicht auf fremden kommerziellen Servern, auch nicht auf Krankenkassenservern, erfolgen. Auch dürften die Daten nicht in einer „Black Box“ für den Patienten liegen, wie auf einem Speicherchip der eGK. Diesen könne schließlich kein Patient auslesen und kontrollieren. Vielmehr benötigt es zertifizierte Apps, die von Patienten benutzt und bedient werden können. Die Leistungserbringer im Gesundheitswesen brauchen nach Ansicht des Netzwerks darüber hinaus eine Standardschnittstelle und ein gesichertes Netz, um mit Patienten und anderen Leistungserbringern kommunizieren zu können.

Wie bereits die DSGVO vorschreibt, müssen dabei Eigentum und Schutz der persönlichen Patientendaten höchsten rechtlichen Rang erhalten. Dies gelinge jedoch nur, wenn Online-Anbieter von medizinischen Dienstleistungen im Internet sich gleichen Qualitätsanforderungen und Verantwortlichkeiten unterwerfen wie reale Ärzte und Therapeuten.
 
„Erst wenn unter diesen Voraussetzungen die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiterentwickelt wird, können wir uns daran beteiligen“, betont Dr. Stephan-Odenthal und weist damit den Vorwurf der Krankenkassen und Politik zurück, Ärzte seien Gegner der Digitalisierung. „Wir wissen vielmehr, dass eine Datenkontrolle im Rahmen der Digitalisierung auch massiv das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient untergraben kann. Wenn wir in unseren Kliniken und Praxen weiter gezwungen werden, neben den ICD-Kodierungen und Leistungsziffern patientenbezogene Daten, wie Anamnesedaten, Röntgenbilder, histopathologische Befunde, genetische Befunde an Krankenkassen weiterzugeben, kann daraus eine Datenmacht werden, die jeden Patient und jeden Arzt gläsern werden lässt.“

Die Daten könnten dann, so wie in politischen Kampagnen geschehen, dazu eingesetzt werden, um das Verhältnis zwischen Arzt und Patient zu manipulieren. Was von den Datensammlern und Analytikern als Transparenz im Sinne der Versorgungsqualität gepriesen wird, kann genauso gut zur Manipulation von Patienten oder Ärzten im Sinne einer bestimmten, von Dritten gewünschten Versorgung genutzt werden.

www.uro-gmbh.de

Quelle: Uro-GmbH Nordrhein


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