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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

05. Juni 2018
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Ambulante Schmerzzentren: "Wir sind das ungeliebte Kind"

Millionen Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Auf der Suche nach Linderung laufen sie oft von Pontius zu Pilatus. Dabei gibt es Zentren, die Betreuung aus einem Guss anbieten. Doch nicht jeder Schmerzpatient wird in ein solches Programm aufgenommen.
Nach fünf Wochen Dauerschmerz war Silvia Gaul nervlich am Ende. "Das Schlimmste war die Hilflosigkeit", sagt die heute 51-Jährige. Ausgerechnet über Ostern bekam sie schlimmste Schmerzen im unteren Rücken – "als wäre man permanent in den Wehen", sagt die Mutter dreier Kinder. Die Hausärztin tippte auf Hexenschuss und verschrieb Schmerzmittel, die aber kaum wirkten.

Physiotherapie scheiterte daran, dass sie wochenlang auf den ersten Termin wartete. Ein Termin beim Orthopäden war erst recht nicht zu bekommen. Ins Krankenhaus wollte sie nicht, weil sie fürchtete, dass sie dort sofort operiert würde. Erst nach fünf Wochen bekam sie beim Radiologen eine Diagnose: Ihre Beschwerden kamen vom Iliosakralgelenk, der Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken.

Ihre Erfahrung als Schmerzpatientin: "Die Ärzte sind relativ ratlos. Es ist auch nicht so, dass die Hand in Hand arbeiten. Jeder macht so seinen Kram." Nachdem sie fünf Wochen krankgeschrieben war, rief ihre Krankenkasse an und fragte, ob sie am Intensivprogramm eines Schmerzzentrums teilnehmen wolle. "Ich hab erstmal gefragt, ob die von "Verstehen Sie Spaß?" sind", berichtet Gaul. Sie sagte zu.

Drei Wochen lang besuchte sie vier Tage die Woche mehrere Stunden täglich das "Schmerz- und Palliativzentrum Rhein-Main" in der Frankfurter Innenstadt. Dort bekam Gaul, die der Schulmedizin kritisch gegenübersteht, nicht nur Infusionen mit Schmerzmitteln, sondern auch alternative Heilmethoden wie Akupunktur oder Schröpfen angeboten. Sie hatte Physiotherapie, lernte Entspannungsverfahren und wurde psychologisch begleitet.

"Nach einer Woche war es schlagartig besser", sagt Gaul. Seither hat sie keinen Tag bei ihrer Arbeit in einem Bio-Markt in Karben bei Frankfurt gefehlt, kann im eigenen Garten arbeiten, "und wenn ich merke, jetzt geht's wieder los, dann kann ich da anrufen und mir wird geholfen, ohne dass ich von Pontius zu Pilatus laufen muss. Das trägt enorm zur Entspannung bei."
 
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