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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

26. April 2018 Projekt gegen Kindesmissbrauch sieht Erfolge

Schätzungsweise 250.000 Männer in Deutschland fühlen sich sexuell zu Kindern hingezogen. Längst nicht alle schreiten auch zur Tat. Jetzt gibt es Erkenntnisse dazu, ob diese Neigungen kontrolliert werden können. Auch mehrere Jahre nach dem Ende ihrer Therapie sind viele Männer mit pädophilen Neigungen einer Untersuchung zufolge nicht zu Tätern geworden.
Alle bis auf einer von 56 Teilnehmern einer Nachuntersuchung berichteten, keinen sexuellen Missbrauch begangen zu haben. Das sagte der Sexualwissenschaftler Klaus M. Beier am Mittwoch in Berlin über neue Daten des Präventionsnetzwerks "Kein Täter werden". Beier sprach von einer "enormen Bestätigung".

Die Nachuntersuchung beruht auf Befragungen im Schnitt sechs Jahre nach Therapieende. Jeder Zweite der Männer hatte vorher einen oder mehrere Übergriffe begangen. Nach Therapieende hatte keiner der Teilnehmer Kontakt mit der Justiz. Insgesamt waren für die Evaluation noch weitere ehemalige Therapieteilnehmer kontaktiert worden, elf von ihnen wollten nicht mitmachen, wegen der Entfernung oder ohne Nennung von Gründen.

Die Therapie sorge auch dafür, dass viele Männer keine kinderpornografischen Bilder und Videos mehr nutzen oder den Konsum einschränken, sagte Beier. Die meisten Therapieteilnehmer geben an, in ihrem Leben bereits Kinderpornos angeschaut zu haben. Ein Problem sei, so Beier, dass darin der Eindruck erweckt werde, dass Kinder Sex wollen. Um dem Übergang zur Tat vorzubeugen, zielt die Therapie etwa auf die Korrektur dieser Annahme ab. Daneben geht es etwa um die Kontrolle sexueller Impulse.

1,5 Jahre dauert die Therapie mit wöchentlichen Sitzungen im Schnitt. Ein Jahr kostet 8.000 Euro. Seit Anfang 2018 werden die Therapiekosten in einem auf fünf Jahre angelegten Modellprojekt von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ergebnisse sollen extern geprüft werden.

Das Netzwerk bietet inzwischen vermehrt auch Hilfe an für Jugendliche und jüngere Männer mit pädophilen Neigungen, die oft noch nicht mit dem Konsum von Kinderpornos begonnen haben. Mit einem Online-Portal zur Selbsthilfe auf Englisch und künftig in weiteren Sprachen richtet es sich zudem an Menschen in Ländern ohne derartige Hilfsangebote.

"Kein Täter werden" entstand 2005 an der Berliner Charité und ist inzwischen ein Netzwerk mit mehreren Standorten bundesweit. Nach eigenen Angaben suchten bisher mehr als 9.500 Menschen unter Schweigepflicht Hilfe. Eine Therapie begonnen haben demnach 925 Männer. 360 schlossen diese bereits erfolgreich ab. Dass kein Gerichtsverfahren gegen die Menschen läuft, ist dafür Voraussetzung.

In Deutschland wird von 250.000 Männern mit sexueller Vorliebe für Kinder ausgegangen. Doch längst nicht jeder setzt seine Fantasien auch in die Tat um. Viele Männer leiden nach Erkenntnissen des Netzwerks unter ihrer Neigung. Depressionen und Angsterkrankungen sind doppelt so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung. Einige Männer wurden früher selbst missbraucht. Nicht auf das Thema spezialisierte Therapeuten lehnen eine Behandlung den Angaben zufolge oftmals ab.

Quelle: dpa


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