Donnerstag, 21. März 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

24. April 2018 Anspruch auf Screening der Bauchschlagader

Seit 1. Januar haben Männer über 65 Jahre einmalig Anspruch auf eine kostenlose Ultraschall-Untersuchung zur Früherkennung einer ausgeweiteten Bauchschlagader, eines Aneurysmas. Die Krankenkassen laden allerdings nicht per Anschreiben zu der neuen Vorsorge ein. Daher raten Gefäßchirurgen insbesondere Risikopatienten, eigeninitiativ einen Termin zu vereinbaren. Er könne Leben retten, betonten Experten auf einer Pressekonferenz zum 135. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Das Screening kann jeder Hausarzt vornehmen, der die entsprechende Ultraschall-Expertise besitzt.
Es wurde längere Zeit verhandelt, zum Schluss über die Vergütung – doch jetzt ist es amtlich: Seit Jahresbeginn haben gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahre Anspruch, sich einmalig auf ein Bauch-Aortenaneurysma screenen zu lassen. „Die Vorsorge umfasst eine Ultraschalluntersuchung mit anschließender Beratung“, erklärt DGCH-Präsident Professor Dr. med. Jörg Fuchs. „Allerdings fordern die Kassen nicht per Einladung zum Screening auf, was wir uns sehr wünschen würden“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG).
 
Ein Bauch-Aortenaneurysma ist eine krankhafte Ausweitung der Hauptschlagader, die bei Männern im höheren Alter fünffach häufiger auftritt als bei Frauen. Erreicht die Ausweitung eine kritische Größe, droht ein Riss. Dann kommt es innerhalb von Sekunden zu einer lebensgefährlichen inneren Blutung. „Sogar wenn der Patient lebend das Krankenhaus erreicht und die Operation sofort beginnt, überleben nur etwa 60% der Fälle“, sagt Schmitz-Rixen. In Deutschland sterben jedes Jahr 1.200 Menschen an geplatzten Bauch-Aortenaneurysmen.
 
Wird eine erweiterte Bauchschlagader allerdings rechtzeitig erkannt, kann sie auf Veränderungen beobachtet und operiert werden, sollte das Risiko eines Risses zu hoch werden. „Genau das will das neue Screening leisten“, so Schmitz-Rixen. Studien zeigen: Nehmen 1.000 Männer am Screening teil, werden drei vorzeitige Todesfälle verhindert. Etwa zwei von 1.000 Männern raten Gefäßchirurgen nach der Ultraschalluntersuchung zu einer Operation; in anderen Fällen kann man abwarten, ob der Durchmesser der Aorta weiter zunimmt. „Dann übernehmen die Kassen die weiteren Ultraschall-Kontrolluntersuchungen“, erläutert Schmitz-Rixen.
 
Im Fall einer Operation stehen zwei Methoden zur Wahl. Bei der klassischen Variante eröffnet der Chirurg den Bauchraum und ersetzt nach beidseitigem Abklemmen der Aorta das Aneurysma durch eine Gefäßprothese. Beim häufiger angewandten endovaskulären Verfahren schiebt der Chirurg über beide Leistenschlagadern einen sogenannten Stentgraft in die Aorta, der das Aneurysma von innen überdeckt. Beide Behandlungen sind nicht ohne Risiken.
 
„Jüngere Patienten ohne weitere Begleiterkrankungen sollten sich auf jeden Fall behandeln lassen“, rät DGG-Präsident Schmitz-Rixen. Bei einem älteren Menschen über 80 Jahre, der stark übergewichtig ist, unter der chronischen Lungenerkrankung COPD leidet, eine eingeschränkte Nierenfunktion oder schon einen Herzinfarkt erlitten hat, falle die Entscheidung schwieriger. „Nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken kann es günstiger sein, Blutdruck und Blutfette zu behandeln und abzuwarten, ob das Aneurysma sich weiter vergrößert“, bilanziert der Gefäßchirurg.
 
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für ein Bauch-Aortenaneurysma zählen Rauchen, ein langjähriger Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette. Auch Männer, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder bei denen in der Familie ein Aneurysma aufgetreten ist, sind besonders gefährdet. „Wir raten diesen Risikopatienten, nicht zu lange abzuwarten und einen Screening-Termin zu vereinbaren“, sagt DGG-Präsident Schmitz-Rixen. 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)


Das könnte Sie auch interessieren

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen
© pathdoc / Fotolia.com

„Ich hatte große Träume für mein Leben, jetzt denke ich oft viel, viel kurzfristiger“, sagt die 25-jährige Studentin Mia*, die vor anderthalb Jahren an Krebs erkrankte. Nach der Diagnose musste sie ihr Studium unterbrechen, ihre Familienplanung in Frage stellen und auch mit ihrem Freundeskreis einen neuen Umgang finden. Sie ist eine von rund 15.000 jungen Menschen, die jährlich im Alter von 18 bis 39 Jahren die Diagnose Krebs erhalten.

Urologen starten Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017

Urologen starten Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017
© Paolese / Fotolia.com

Deutschlands Urologen gehen neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit: Mit der Einführung der „Urologischen Themenwochen“ baut die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ihr Engagement in der medizinischen Aufklärung der Bevölkerung erneut aus: Den Anfang macht die Urologische Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017. Mit zielgruppengerecht aufbereiteten Informationen wollen Urologinnen und Urologen männliche Heranwachsende und junge...

Personalisierte Medizin in der Onkologie: Behandlung bestmöglich auf den Patienten zuschneiden

Medikamente möglichst maßgeschneidert auf die spezifischen Merkmale einer Krankheit zuzuschneiden und diese gezielt bei jenen Patienten einzusetzen, denen sie am besten helfen, lautet das Credo der Personalisierten Medizin. Dank vertiefter Kenntnisse über die molekularbiologischen Ursachen von Krankheiten gibt es heute bereits eine Reihe von innovativen diagnostischen Tests, durch die Patienten identifiziert werden können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine...

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu
© Expensive / fotolia.com

Eine Krebserkrankung hinterlässt Spuren, körperliche und seelische. Für Patientinnen ist es manchmal schwer, über ihre Empfindungen und Ängste zu sprechen. Umso belastender kann es sein, die mit der Krankheit häufig einhergehende Beeinträchtigung der Sexualität in Worte zu fassen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bietet Unterstützung an – auch bei Fragen, die viele als heikel empfinden.

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Anspruch auf Screening der Bauchschlagader"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.