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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

20. April 2018 Big Data für mehr Patientensicherheit intelligent nutzen

Wer die Begriffe "Digitalisierung", "Big Data" und "Gesundheit" in eine Suchmaschine eingibt, erhält Millionen Treffer. Was steckt hinter diesen Schlagwörtern? Können Big Data und Digitalisierung die Patientensicherheit erhöhen sowie die Versorgung verbessern? Welche Chancen und Risiken gibt es? Wie können sich Nutzer sicher und selbstbestimmt in einem digitalen Gesundheitsmarkt bewegen? Wer oder was schützt vor Datenmissbrauch? Diese und viele weitere Aspekte wurden von der Techniker Krankenkasse (TK) am Donnerstag bei der gemeinsamen Fachtagung mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Bayern (MDK) beleuchtet.
Zwei Milliarden Euro für Korrekturen im bayerischen Kliniksektor

"Die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, definiert "Digital Health" als sichere, kosteneffektive Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Optimierung der gesundheitlichen Versorgung", so Hardy Müller, Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und Referent bei der TK. Optimierung ist auch dringend notwendig, denn: Laut einer aktuellen OECD-Studie wird mindestens jeder siebte Euro im Krankenhausbereich für die Revision von unerwünschten Ereignissen aufgebracht. Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern: "Hochgerechnet werden in Bayern somit jährlich zwei Milliarden Euro für Korrekturen im Kliniksektor ausgegeben. Das entspricht den gesamten Jahresausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für die Zahnmedizin im Freistaat."

Vertrauen und Kompetenz stärken, um Potential digitaler Angebote zu nutzen

Dieses Beispiel zeigt, welches Potential in den digitalen Angeboten steckt. Neben der technischen Aufholjagd, die Deutschland endlich angehen muss, ist das Vertrauen der Menschen in die Digitalisierung entscheidend. Das muss jeden Tag auf´s Neue gestärkt werden und ist schwieriger als je zuvor wie die jüngsten Schlagzeilen zeigen: Betreiber sozialer Netzwerke sagen, sie wüssten nicht, wer alles auf ihre Daten zugreifen könne; eine Dating-App veröffentlicht, ob Nutzer HIV haben; Hacker erlangen Zugriff auf 150 Millionen Datensätze einer Fitness-App.

"Die aktuellen Skandale beweisen, dass wir das Sammeln von Daten nicht den Technologiegiganten überlassen sollten. Für die steht das wirtschaftliche Kalkül über dem Patientenwohl und der Datensouveränität des Einzelnen", so Bredl.

Digitale Gesundheitskompetenz entwickeln – die Zukunftsaufgabe für Krankenkassen

Daten müssen dort gesammelt werden, wo die Verantwortlichen den strengen deutschen Datenschutzrichtlinien unterliegen. Gesetzliche Krankenkassen wie die TK spielen hier eine zentrale Rolle. "Sie müssen Unsicherheiten abbauen und den Patienten dabei helfen, eine digitale Gesundheitskompetenz zu entwickeln", sagte der bayerische TK-Chef. "Dazu zählen auch ein Bewusstsein für die Datensicherheit und die Qualität der Informationen." Große Datenmengen führen nur dann zu einer besseren Behandlung, wenn sie miteinander vernetzt, interpretiert und für den Patienten verständlich sind. Bredl: "Wir brauchen nicht Big Data, sondern Smart Data."

Zum Ausbau der digitalen Kompetenz führt die TK derzeit das Projekt "TK-DiSK. Digital. Selbstbestimmt. Kompetent." durch. Es soll die digitale Gesundheitskompetenz von Patienten und Organisationen stärken und Vorschläge erarbeiten, um neue Technologien sicher zu nutzen. "Die besten digitalen Angebote nützen nichts, wenn sie falsch angewandt werden", erklärte Projektleiter Hardy Müller.

Hacking-Show sensibilisierte die Teilnehmer

Eindrucksvoll bewies das die Hacking-Show, ein Höhepunkt der Veranstaltung. Das Team um Anselm Rohrer, Geschäftsführer der consectra GmbH, die IT-Sicherheitsrisiken aufzeigt, führte in Live Hackings vor, wie leicht sich sensible Daten im Krankenhaus, in der Arztpraxis oder auf privaten Geräten ausspionieren lassen. Mit Visualisierung und Humor erhöhten die Akteure die Aufmerksamkeit der Zuschauer, von denen sich so mancher ertappt fühlte.

Rohrer: "So konnten die Teilnehmer der Fachtagung nachvollziehen, wie ein Angreifer agiert und was ihn antreibt. Diese Erkenntnis ist die Grundlage für ein künftiges sensibles Verhalten." Zu allen vorgeführten Szenarien wurden Schutzmaßnahmen aufgezeigt, die jeder leicht in seinem Alltag umsetzen kann.

Quelle: Techniker Krankenkasse Landesvertretung Bayern


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