Donnerstag, 21. März 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

18. April 2018 Ärztliche Gesundheitsuntersuchungen durch Betriebsärzte

Im Rahmen der anstehenden Änderung der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie (GU-RL) zur Anpassung der ärztlichen Gesundheitsuntersuchungen für Erwachsene nach § 25 Abs. 1 Satz 1 des SGB V hat die DGAUM als einschlägige wissenschaftliche Fachgesellschaft zuletzt eine Stellungnahme an den Gemeinsamen Bundesausschuss gerichtet. Am 26. April findet in Berlin die mündliche dazu Anhörung statt. Hier nochmals die Argumente der DGAUM im Überblick.
Präventionssetting Arbeitsplatz

Die Arbeitswelt in den Unternehmen und Betrieben stellt das größte Setting für Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Prävention dar. Betriebsärzte sind in der Lage, über 44 Millionen Menschen anzusprechen und für präventivmedizinische Maßnahmen zu sensibilisieren. Die Rolle der Betriebsärzte ist es dabei, gesundheits-gerechte Arbeitsbedingungen zu fördern und Beschäftigte zu befähigen, die individuelle Kontrolle über ihre Gesundheit zu erhöhen und dadurch ihre Gesundheit aktiv zu fördern. Darüber hinaus bildet die Arbeitsmedizin eine wichtige Schnittstelle zwischen präventiver Gesundheitsförderung, ambulanter Versorgung und berufsfördernder Rehabilitation. Diese Tatsache ist nach Auffassung der DGAUM bei der Anpassung der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie (GU-RL) unbedingt zu berücksichtigen.

Betriebsärzte als relevante Akteure im Präventionsgesetz

Dies umso mehr, da mit dem 2015 in Kraft getretenen „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention“, kurz Präventionsgesetz, die Betriebsärzte zu wichtigen Akteuren der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention geworden sind: § 132f SGB V „Versorgung durch Betriebsärzte“ regelt u.a., dass Krankenkassen auch mit Betriebsärzten Verträge im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge schließen dürfen, wie etwa zur Durchführung von Gesundheitsuntersuchungen, über Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung oder über Empfehlungen medizinischer Vorsorgeleistungen.

DGAUM sieht Änderungsbedarf in der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie

Nach Ansicht der DGAUM fehlt es hinsichtlich der Aspekte Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit derzeit an einer klaren Leistungsdefinition zwischen der gesetzlich verbürgten, arbeitsmedizinischen Vorsorge und den neuen Präventionsmaßnahmen nach dem Präventionsgesetz. Diese wäre wichtig, um Doppelabrechnungen zu Lasten der jeweiligen Kostenträger weitgehend zu vermeiden – also für die Arbeitgeber und die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Weiterhin gilt es für die DGAUM zu bedenken: Wenn Präventionsangebote und -pfade sich an den Prinzipien einer wissenschaftlich fundierten Qualitätssicherung und der nachhaltigen Wirtschaftlichkeit zu orientieren haben, dann bedürfen präventions-medizinische Maßnahmen im Allgemeinen ebenso wie die Leistungserbringung durch die Betriebsärzte im Besonderen einer kontinuierlichen Evaluierung. Im Falle der Leistungserbringer könnte die Qualitätssicherung durch die Einführung einer Pflicht zur fachlichen Fortbildung, vergleichbar im kurativen Bereich der Medizin gesteuert werden.

Präventionsgesetz in der Praxis aktiv gestalten

Zur Umsetzung des Präventionsgesetzes in der Praxis arbeiten die DGAUM und das Krankenversicherungsunternehmen BARMER derzeit in dem Modellvorhabens nach § 20g SGB V „Gesund arbeiten in Thüringen“ zusammen. Ziel dieses Projekt ist die Verbesserung der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) und des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in ländlichen und strukturschwächeren Regionen unter Berücksichtigung des nationalen Gesundheitsziels „Gesund leben und arbeiten“. Im Mittelpunkt steht dabei die betriebliche Gesundheitsförderung in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Es gilt Lösungen zu entwickeln, um flächendeckend Beschäftigte und Betriebe besser und nachhaltig mit arbeits-medizinischen Angeboten zu versorgen. Neben anderen Handlungsfeldern ist ein wesentliches Ziel die Verbesserung der Vernetzung zwischen betrieblicher Versorgung und kurativ-medizinischer Versorgung in der Region zur Gestaltung eines ganzheitlichen BGM. Nach Abschluss des Projekts sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie die gewonnen Erkenntnisse über Thüringen hinaus zur Verbesserung der Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland beitragen können.

Die Stellungnahme der DGAUM ist einsehbar unter: www.dgaum.de/stellungnahmen-und-publikationen/

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde, hat nur ein Drittel der Befragten* in letzter Zeit...

Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ärztliche Gesundheitsuntersuchungen durch Betriebsärzte"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.