Montag, 17. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

21. März 2018 Telemedizin hilft bei Notfällen auf den Halligen

Die akutmedizinische Versorgung von Bewohnern und Besuchern der Halligen in Schleswig-Holstein stellt durch die geographischen Besonderheiten und vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung eine Herausforderung dar. Die Etablierung eines telemedizinischen Assistenzsystems im Rahmen des durch die Ministerien für Soziales, Gesundheit, Jugend und Familie sowie Inneres, ländliche Räume und Integration geförderten Projektes HALLIGeMED hat das Ziel, eine Verbesserung der medizinischen Versorgung bei medizinischen Behandlungsfällen unterschiedlicher Dringlichkeit zu erreichen.
Zur Übergabe der Förderbescheide durch Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg und Innenstaatssekretärin Kristina Herbst in Höhe von insgesamt 750.000 Euro für einen Projektzeitraum von drei Jahren im Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) waren auch Matthias Piepgras, Bürgermeister der Hallig Hooge, und Kreispräsident Heinz Maurus aus Nordfriesland angereist.

Minister Dr. Garg betont: „Die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung bietet die große Chance, Ärztinnen und Ärzte zum Wohle der Patientinnen und Patienten zu unterstützen und zu entlasten. Telemedizin kann dabei sowohl eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor, als auch zwischen dem ländlichen Raum und Fachärzten im Universitätsklinikum schlagen. Durch die unterstützende medizinische Versorgung von Halligbewohnerinnen und -bewohnern soll dieses große Potential genutzt und exemplarisch erprobt werden“.

Für Innenstaatssekretärin Kristina Herbst ist dieses Projekt nicht nur für die Halligen, sondern für den gesamten ländlichen Raum, von großer Bedeutung: „Wir verbessern gemeinsam – zunächst modellhaft und für die nächsten drei Jahre – die  medizinische Notfallversorgung für eine Teilregion des Landes, die ganz besondere Herausforderungen zu tragen hat und wir erproben in diesem Projekt, was dann auch gegebenenfalls auf andere ländliche Regionen Schleswig-Holsteins übertragen werden kann.“

„Wir freuen uns, dass unser Institut für Rettungs- und Notfallmedizin dieses richtungsweisende Projekt vorantreiben kann“, sagte Peter Pansegrau, kaufmännischer Vorstand des UKSH. „Die Mitarbeiter des Instituts sind nicht nur medizinische Experten und verfügen über höchste Kompetenz bei der Qualitätssicherung in der Notfallversorgung, darüber hinaus haben sie beispielsweise in der Flüchtlingshilfe bewiesen, dass sie für die Meisterung besonderer Herausforderungen besonders geeignet sind.“

Das auf dem Festland etablierte akutmedizinische Versorgungssystem aus Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug wird auf den Halligen nicht vorgehalten, die notfallmedizinische Kompetenz liegt allein in den Händen eines rettungsdienstlich ausgebildeten Krankenpflegers. Erscheint eine ärztliche Behandlung indiziert, so muss der Patient aufwendig mittels Rettungshubschrauber oder Seenotrettungskreuzer auf das Festland transportiert werden. In der derzeitigen Situation ist die Entwicklung zu beobachten, dass z.B. mittels Rettungshubschrauber von den Halligen ausgeflogene Patienten häufig innerhalb von 48 Stunden an den Wohnort zurückkehren, da eine längerfristige stationäre Behandlung der Patienten nicht erforderlich war. Dieses Vorgehen trifft nicht immer auf Verständnis der Halligbewohnerinnen und -bewohner und erscheint medizinisch und ökonomisch verbesserungswürdig.

„Durch Schulungen des vor Ort eingesetzten medizinischen Personals und Unterstützung durch ein telemedizinisches System können Fehleinschätzungen, aber auch Verzögerungen im Behandlungsablauf minimiert und so die Sicherheit der Patienten erhöht werden“, erläuterte PD Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des UKSH. „Dabei bietet das UKSH die Expertise einer Klinik der Maximalversorgung und stellt via Telemedizin die fachärztliche Beratung rund um die Uhr an 365 Tagen sicher.“ Das IRuN leitet und koordiniert das Projekt HALLIGeMED. Dr. Niels Renzing, Oberarzt im IRuN und Projektleiter, ergänzte: „Darüber hinaus ist das UKSH Leistungserbringer für die teils simulationsbasierten interdisziplinären Schulungen des Personals und für die Koordination des Projektes. Die Auswertung des Projektes ermöglicht einen enormen Erkenntnisgewinn zur Effektivität notfallmedizinischer Maßnahmen auf den Halligen, identifiziert ggf. aber auch relevante Schwachstellen und trägt so zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung bei.“

Experten gehen davon aus, dass sich Telemedizin zu einem elementaren Baustein der Medizin entwickeln wird. Das Pilotprojektes HALLIGeMED mit dem Projektzeitraum von 36 Monaten soll evaluiert werden und könnte Pilotcharakter für die Halligen und auch für andere ländliche Räume Schleswig-Holsteins haben.

Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein


Das könnte Sie auch interessieren

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Bauchspeicheldrüse, das unbekannte Organ

Die Bauchspeicheldrüse (griech.: Pankreas) ist eine der größten Drüsen des Menschen. Dennoch ist nur wenigen bekannt, wo sie sich befindet und welche Funktionen sie übernimmt. Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, ungefähr so groß wie eine Hand: ein bis zwei Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Sie liegt mitten im Oberbauch hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Mit ihrem sich verjüngenden Ende – dem...

Gebärmutterhalskrebs verhindern

Gebärmutterhalskrebs verhindern
© farland9 / Fotolia.com

Gebärmutterhalskrebs kann durch eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ausgelöst werden. Papillomviren sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren, mit denen sich rund 80 Prozent der Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens infizieren. In der Regel erkennt das Immunsystem die Infektion, so dass diese meistens innerhalb von zirka 24 Monaten unbemerkt ausheilt. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Gerd-Henrik Griesser, Facharzt für Pathologie in Köln,...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der beruflichen Rehabilitation ein breites Spektrum, um die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Telemedizin hilft bei Notfällen auf den Halligen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischer Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich
  • FLT3-mutierte AML: Bei FLT3-TKD-Mutationen haben gleichzeitig auftretende NMP1-Mutationen einen hohen prognostischen Wert
  • Ruxolitinib bei Patienten mit Myelofibrose: Real-world-Daten bestätigen Sicherheit in der Langzeittherapie