Donnerstag, 21. März 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

27. Februar 2018 Linke: GroKo verschließt Augen vor explodierenden Arzneipreisen

Seit Jahren versucht die Bundesregierung die Arzneimittelpreise in den Griff zu bekommen. Es gab Erfolge – aber offenbar nicht genug. Die Preise besonders für neue Arzneimittel sind nach Angaben der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen.
Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und damit der Beitragszahler legten von 2007 bis 2016 um 33,7% zu. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach stiegen die Durchschnittspreise für neue (patentgeschützte) Medikamente von 2008 bis 2017 um mehr als das Vierfache (981,54 Euro auf 4457,63 Euro).

Darüber hinaus seien die Ausgaben für die zehn teuersten Präparate von 2007 bis 2016 um mehr als 84% gestiegen (2.204 Euro auf 4.070 Euro). Für individuelle Rezepturen – größtenteils Krebsmedikamente - nahmen demnach die Ausgaben um 91,3% zu. Und obwohl die Verordnungszahlen von 2011 auf 2016 um 16,4% sanken, steigerte sich der Umsatz in diesem Zeitraum um 29,3%.

Die Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte der Linken-Fraktion, Sylvia Gabelmann, sagte der dpa: "Die alte und die neue GroKo haben keine Antworten darauf, dass die Krankenversicherung immer mehr zum Selbstbedienungsladen der Pharmaindustrie wird. Die Gesetze zur Preisbegrenzung sind so löchrig, dass sie am Ende viel zu wenig bringen."

Der Preis für Arzneimittel, deren Zusatznutzen für Patienten belegt sei, sollte sich hauptsächlich an Produktions- und Entwicklungskosten orientieren. Wenn sich aber der therapeutische Fortschritt insgesamt in Grenzen halte und die Preise neuer Medikamente trotzdem explodierten, "funktioniert das System nicht".

Gesetzliche Krankenversicherung und Bundesregierung versuchen seit Jahren, den Preisanstieg bei Arzneimitteln in Zaum zu halten. Angesichts dieser Zahlen könnten auf den möglichen neuen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch in diesem Bereich größere Herausforderungen zukommen.

Seit Einführung der Arzneimittelmarktneuordnung (AMNOG) 2011 müssen Pharmahersteller den Zusatznutzen eines neuen Produktes nachweisen. Den Zusatznutzen bewertet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Entscheidungsgremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Auf dieser Basis finden dann im ersten Jahr nach Markteintritt Preisverhandlungen zwischen Hersteller und GKV statt. Im ersten Jahr kann der Hersteller einen Preis nach seinen Vorstellungen veranschlagen.

Quelle: dpa


Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Primäre Studienendpunkte: Gesamtüberleben oder progressionsfreies Überleben - gibt es einen Goldstandard?

Anerkanntes Ziel einer Therapie von Krebspatienten ist die Verbesserung des Überlebens und der Lebensqualität. Historisch gesehen gilt die Gesamtüberlebenszeit (OS = overall survival) als der wichtigste primäre klinische Endpunkt einer Studie. Doch das Gesamtüberleben als primärer Studienendpunkt unterliegt nicht zuletzt aufgrund der Fortschritte, die in letzten Jahren in der Krebstherapie erzielt wurden, gewissen Einschränkungen. So können...

Brustkrebs: Wissen schafft Mut

Brustkrebs: Wissen schafft Mut
© drubig-photo / Fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Damit ist das Mammakarzinom mit 65.500 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste Tumor bei Frauen. Die Diagnose wirft Fragen auf: Welche Therapie ist die richtige? Wo bekomme ich Hilfe? Die Deutsche Krebshilfe unterstützt Krebspatienten bei ihrem Kampf gegen die Erkrankung. Sie bietet allen Betroffenen eine kostenfreie telefonische Beratung an und hält allgemeinverständliche...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Linke: GroKo verschließt Augen vor explodierenden Arzneipreisen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.