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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

26. Februar 2018
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Fettsucht-Epidemie: Strengere Regeln notwendig

Die immense Zunahme von Fettsucht bei Kindern übertrifft alle früheren Annahmen und ist zu einer dramatischen Bedrohung ihrer Gesundheit geworden. Übergewicht und Adipositas haben epidemische Ausmaße angenommen und müssen von Gesellschaft und Politik konsequenter als bisher bekämpft werden, fordert die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.
Einmal dick – immer dick„Die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten 40 Jahren um mehr als das 8-fache zugenommen! Das hat enorme Konsequenzen für die Gesundheit der betroffenen Kinder“, berichtet Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitätskinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Die bestürzende Zahl stammt aus einer kürzlich publizierten Analyse von 416 Studien mit mehr als 160 Millionen Kindern und Jugendlichen aus 200 Ländern. Danach hat der Anteil der fettsüchtigen Mädchen von 0,7% im Jahr 1975 auf 5,6% im Jahr 2016 und bei Jungen von 0,9% auf 7,8% zugenommen.

Nach den für Deutschland repräsentativen Daten der großen bundesweiten Erhebung KiGGS sind hierzulande 15% der 3- bis 17-jährigen Kindern übergewichtig und 6,3% adipös, also regelrecht fettsüchtig. Übergewicht und Fettsucht im Kindesalter haben jedoch erhebliche Folgen für die Gesundheit bis in das Erwachsenenalter und sind mit einer deutlich verkürzten Lebenserwartung verbunden, stellt die Stiftung Kindergesundheit fest.

Gefährlicher als Krebs

„Übergewicht ist mehr als Babyspeck, Posaunenengel leben gefährlich“, sagt Professor Koletzko. Die Liste von möglichen gesundheitlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas ist lang. Sie reicht von Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall über Leberzirrhose, Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems und bestimmte Krebsarten bis zu psychischen Belastungen, einer beeinträchtigten Leistungsfähigkeit und Depressivität.

Nach aktuellen Studien erhöht sich bei fettsüchtigen Jugendlichen im Vergleich zu Gleichaltrigen mit Normalgewicht im Laufe der nächsten vierzig Jahre ihres Lebens das Risiko für den Tod um das 4,9-fache und für den Tod durch alle Herz-Kreislauf-Ursachen um das 3,5-fache. Im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern haben übergewichtige Jugendliche außerdem ein 1,4-fach und Adipöse ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten. Übergewicht bei jungen Erwachsenen verkürzt ihr Leben um 2,5 Jahre, bei einer Adipositas leichten Grades um knapp 6 Jahre, bei schwerer Fettsucht 6-8 Jahre. Prof. Berthold Koletzko: „Das bedeutet, dass eine schwer ausgeprägte Adipositas das Leben stärker verkürzt als manche bösartige Erkrankung“.
 
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