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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

15. Februar 2018 Nationales Gesundheitsportal: Konzeptentwurf liegt vor

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat seinen Entwurf für das Konzept eines nationalen Gesundheitsportals veröffentlicht. Den Auftrag hatte es vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erhalten. Das Portal soll das Potenzial haben, für die Bürgerinnen und Bürger zum zentralen deutschen Internetangebot für Informationen rund um Fragen zur Gesundheit zu werden. An Evidenz orientierte Anbieter von Informationen zu Gesundheitsfragen sollen sich – freiwillig und unter Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit – auf gemeinsame Qualitätsstandards einigen und als „Content-Partner“ ihre Inhalte auf einer kooperativen Plattform bereitstellen. Bis zum 13. März 2018 können interessierte Personen und Institutionen zu diesem Konzeptentwurf schriftlich Stellung nehmen.
Zielgruppe sind auch Menschen mit geringeren Gesundheitskompetenzen

Das Portal soll verlässliche Informationen zu Gesundheits- und Präventionsfragen bündeln. Es gibt im Internet zwar heute bereits gute Informationen. Gleichzeitig zeigen Befragungen aber, dass Nutzerinnen und Nutzer große Schwierigkeiten haben, verlässliche Angebote herauszufiltern. Vordere Ränge auf Trefferlisten kommerzieller Suchmaschinen wie Google bieten keine Gewähr für gute Qualität.

Ein wichtiges Ziel des Portals ist es auch, Menschen mit geringerer Gesundheitskompetenz zu unterstützen, etwa indem es den Zugang zu telefonischen und persönlichen Beratungsangeboten in Deutschland vereinfacht. Zwar gibt es eine Vielzahl solcher Angebote in Wohnortnähe, allerdings sind sie aber nicht leicht zu finden: „Diese Navigationshilfe zu Beratungsangeboten ist ebenso wichtig wie die Sammlung guter Gesundheitsinformationen“, sagt Klaus Koch, Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation im IQWiG. Das Portal soll auch die Arbeit der Beraterinnen und Berater unterstützen.

Welche Inhalte das Portal bieten soll

Das Portal soll eine breite Palette von Informationen bereitstellen. Wie das IQWiG einschätzt, wären folgende Module umsetzbar, da bereits Kerninhalte und potenzielle Kooperationspartner vorhanden sind:
 
  • evidenzbasierte Gesundheitsinformationen
  • evidenzbasierte Präventionsangebote
  • Navigator zu persönlichen / telefonischen Beratungsangeboten
  • Navigator zu Kliniken, Ärzten, Pflegeeinrichtungen und anderen Angeboten der Gesundheitsversorgung
  • Erläuterungen der Strukturen des deutschen Gesundheitswesens
  • Navigator zu laufenden klinischen Studien
  • eventuell Bewertung aktueller Medienberichte

Bei einer Fragebogen-unterstützten Erhebung des IQWiG haben 97 Institutionen aus dem Gesundheitswesen ihre Einschätzungen abgegeben: Die Idee haben alle Antwortenden grundsätzlich unterstützt.

Anforderungen an Träger und Content-Partner

Um die Unabhängigkeit des Portals zu sichern, darf der Träger keine kommerziellen Interessen haben, er muss gemeinnützig und wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichtet sein. Zudem muss er einerseits politisch und inhaltlich unabhängig, andererseits aber in transparente Beratungs- und Beteiligungsstrukturen eingebunden sein.

Content-Partner müssen Anforderungen an Transparenz und – modulspezifisch – an Qualitätssicherung erfüllen und ein Akkreditierungsverfahren durchlaufen. Für den Start des Portals ist es sinnvoll, mit Augenmaß notwendige Mindeststandards festzulegen, um dann im Dialog mit den Beteiligten das Niveau im Laufe einer definierten Frist anzuheben und zu vereinheitlichen.

Stufenweiser Auf- und Ausbau

Laut Konzept soll das Portal stufenweise auf- und ausgebaut werden. So wären einerseits erste Inhalte frühzeitig nutzbar, andererseits ließe sich das Angebot sukzessive erweitern.

Als erste Stufe bietet sich eine Suchmaschine an, die ausschließlich die Inhalte akkreditierter Content-Partner erfasst und den Nutzerinnen und Nutzern dem Stand der Technik entsprechende Trefferlisten liefert. Die Treffer verweisen anfangs auf die externen Angebote der Partner. Die Suchmaschine wird danach schrittweise ergänzt durch inhaltliche Module. Das Portal stellt dann selbst Informationen zur Verfügung und verknüpft die Inhalte der Module miteinander.

Das Projekt soll schon mit den ersten Schritten begleitend wissenschaftlich evaluiert werden.

Nutzerbedürfnisse müssen Priorität haben

Der Erfolg des Portals wird unter anderem davon abhängen, ob es gelingt, den Träger so einzurichten, dass er den Qualitätsanforderungen entsprechen kann und seine Finanzierung nachhaltig gesichert ist. Und er muss genügend relevante Partner mit qualitativ hochwertigen und damit verlässlichen Informations-Angeboten gewinnen.

Ausschlaggebend wird sein, ob sich der Träger an den Bedürfnissen von Nutzerinnen und Nutzern orientiert. „Nur dann wird das Portal bei den Zielgruppen gut angenommen werden“, ist sich Klaus Koch sicher. „Verbraucher und Patienten müssen deshalb von Anfang an in die Entwicklung mit einbezogen werden.“

Zum Ablauf der Konzepterstellung

Das IQWiG hatte im Juni 2017 per Fragebogen um Einschätzungen zur Idee eines nationalen Gesundheitsportals gebeten. Die Antworten wurden für den vorliegenden Konzeptentwurf ausgewertet.

Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Konzeptentwurf werden nach Ablauf der Frist gesichtet und fließen in die Fertigstellung des Konzepts ein. Das Feinkonzept zu erstellen, wird dann Aufgabe des Trägers sein.

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


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