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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
23. Januar 2018

Patientenverbände fordern Runden Tisch Organspende

Die Zahlen zur Organspende und Organtransplantation für 2017 in Deutschland rufen bei den Betroffenen und den beiden Patientenverbänden Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDOI) und Lebertransplantierte Deutschland e.V. (LD) Entsetzen hervor. 797 Organspender im vergangenen Jahr bedeuten einen Rückgang gegenüber 2010 um 38,5%.
"2.765 Transplantationen im Vergleich zur bisher höchsten Zahl im Jahr 2010 mit 4.328 entsprechen einem Rückgang von 36,1%. Das sind 1.563 Patienten, die keine Chance auf ein Überleben bzw. auf eine bessere Lebensqualität haben. Zugleich nahmen auch die Transplantationen nach Lebendspende von 755 auf 620 ab. Das entspricht einem Rückgang von 17,9%.

Für die Patienten und Ihre Familien heißt das u.a.:
 
  • längere Wartezeiten,
  • schlechtere gesundheitliche Verfassung vor der Transplantation mit einem höheren Risiko wegen mangelnder Erfolgsaussicht von der Warteliste genommen zu werden,
  • eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit die Wartezeit nicht zu überleben,
  • häufiger Organe akzeptieren zu müssen, die von immer älteren Spender kommen oder deren Organe schon Vorerkrankungen aufweisen,
  • schlechteres Transplantationsergebnis und kürzere Lebensdauer,
  • höhere psychosoziale Belastungen.
Der Negativtrend in der Organspende und damit auch in der Organtransplantation hält seit 2011 (mit Ausnahme eines geringfügigen Anstiegs 2015) an. Inzwischen hat er dramatische Ausmaße erreicht, so dass wir an einem Punkt angelangt sind, bei dem wir als Vertretung der Betroffenen gravierende Änderungen fordern.

Daher haben wir gemeinsam mit dem Bundesverband Niere e.V. als Bundesarbeitsgemeinschaft Transplantation und Organspende (BAG TxO) Gesundheitsminister Hermann Gröhe aufgefordert schnellst möglich zu einem Runden Tisch Organspende einzuladen. Den Patienten auf der Warteliste und Ihre Familien läuft die Zeit davon. Daher können sie nicht abwarten bis eine neue Regierung gebildet wird; noch dazu, da dieser Zeitpunkt momentan völlig offen ist.

Diesmal müssen auch die Patientenverbände am Runden Tisch beteiligt werden. Aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Betreuungsarbeit kennen wir am besten die Schicksale der Betroffenen. Außerdem engagieren wir uns ebenso lange in der Aufklärung zur Organspende und pflegen Kontakte zu Transplantationszentren, Entnahmekrankenhäusern und auch Spenderangehörigen.

Aus unserer Sicht sollten die Deutsche Stiftung Organtransplantation, Vertreter der Transplantationsmedizin und der Kliniken sowie die Spitzenverbände des deutschen Gesundheitswesens, der Bund und Vertreter der Bundesländer eingeladen werden.

Nach Auffassung von BDO und LD sollte durch den Runden Tisch zunächst eine kritische Analyse der Situation der Organspende in den einzelnen Bereichen erfolgen. Auf Basis dieser Ergebnisse müssen gemeinsam Schritte vereinbart werden, die kurzfristig bzw. teilweise erst mittelfristig umsetzbar und erfolgversprechend sind.

Auf keinen Fall darf am Ende des Jahres die Feststellung stehen, dass es wieder noch weniger Organspender und Transplantationen gibt.

Die Mitgliedsverbände der BAG TxO erwarten nun die Einladung von Minister Gröhe.

Bis dahin werden wir uns auf allen politischen Ebenen weiter dafür einsetzen, dass es eine bundeseinheitlich Regelung zur Freistellung von Transplantationsbeauftragten für ihre Tätigkeit zumindest auf der Basis des Bayerischen Landesausführungsgesetzes geben wird."
 
Quelle: Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDO)



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