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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

29. November 2017 Gesundheits-Apps nicht aus Gewinnstreben vermarkten

„Mit den neuen digitalen Möglichkeiten stehen wir vor einem Quantensprung in der Gesundheitskommunikation“, sagt die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Dr. med. Martina Wenker. „Neue diagnostische Möglichkeiten eröffnen sich, Kommunikationswege verkürzen sich rasant und die Vernetzung kann die Qualität der Versorgung weiter optimieren.“ Um diese Chancen zu nutzen, gelte es aber, die Risiken übergreifend und umfassend zu bewerten und  höchstmögliche Datensicherheit zu schaffen, denn „Datensicherheit und Patientensicherheit sind eine Grundvoraussetzung für die Gestaltung moderner medizinischer Versorgungsstrukturen.“
„Die Digitalisierung darf auch keineswegs dazu führen, dass patientennahe ärztliche Kompetenzen nur über eine Datenleitung aus der Ferne angeboten werden. Unsere Patienten haben auch weiterhin das uneingeschränkte Recht auf die Behandlung  durch einen persönlichen Arzt des Vertrauens, der sie mit Expertise, Empathie und Einfühlungsvermögen vor Ort betreut“, warnt Wenker. „Telemedizinische Anwendungen können die ärztliche Behandlung unterstützen, aber niemals ersetzen“, so die Kammerpräsidentin weiter.

„Für den Digitalisierungsprozess gilt es jetzt, laufende wissenschaftliche Studien und Projekte auszuwerten, zu diskutieren und daraus praktische Konzepte zu entwickeln. Alle Akteure des Gesundheitswesens und die Politik, die die rechtlichen Rahmenbedingungen setzt, sind dazu aufgerufen, diesen Prozess aktiv mitzugestalten“, ergänzt Dr. med. Gisbert Voigt, Vorstandsmitglied in der ÄKN und wissenschaftlicher Leiter des 1. Niedersächsischen Digitalgipfels Gesundheit.

Ein Thema der Veranstaltung sind die sogenannten „Gesundheits-Apps“, die von Patienten zum Selbstmanagement von Krankheiten eingesetzt werden, sowie die „Medizin-Apps“, die in Therapie, Diagnose und Prävention zum Einsatz kommen. Gegenwärtig wird davon ausgegangen, dass rund 140.000 derartige Anwendungen existieren. „Die Ärztekammer Niedersachsen rät Patienten zur kritischen Auseinandersetzung mit Gesundheits-Apps und setzt sich dafür ein, dass Nutzer bereits vor der Anwendung umfänglich aufgeklärt werden – zum Sinn und Zweck der App, über mögliche Einschränkungen und Risiken sowie zum Datenschutz“, betont Wenker. „Sofern Gesundheits-Apps im Rahmen von Leistungen der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung eingesetzt werden, dürfen sie nicht primär der Gewinnmaximierung dienen, sondern ausschließlich gesundheitlichen Zwecken!“

„Die Hochschule Hannover begleitet den Gesamtprozess der Digitalisierung bereits seit vielen Jahren wissenschaftlich fundiert und mit Blick auf die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft. Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist die Berücksichtigung von Expertise aus unterschiedlichen Fachdisziplinen von ganz besonderer Bedeutung. In unseren Forschungsclustern ‚Smart Data Analytics’ sowie ‚Teilhabe und gutes Leben’ verknüpfen wir unter anderem die Fachdisziplinen Medizinisches Informationsmanagement, Informatik, IT-Recht, Pflege, Soziale Arbeit und Gesundheitsmanagement miteinander“, so Informatiker und Präsident der Hochschule Hannover Professor Dr. Josef von Helden.

„Digitalisierungsprozesse benötigen für ihren Erfolg neben sicheren IT-Systemen auch einen Rechtsrahmen, der vor allem die Datenschutzbelange und die möglichen Vereinfachungen für Unternehmen und Bürger zu einem sinnvollen Ausgleich bringt. Mit unseren interdisziplinären Forschungsgruppen bringen wir etwa Mediziner mit Informatikern und Juristen zusammen, um die Aspekte aller Disziplinen von Beginn an zu berücksichtigen“, ergänzt Professor Dr. Fabian Schmieder, Experte für IT- und Datenschutzrecht der Hochschule Hannover und wissenschaftlicher Leiter des 1. Niedersächsischen Digitalgipfels Gesundheit.“

Weitere Informationen: www.digitalgipfel-gesundheit.de

Quelle: Ärztekammer Niedersachsen


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