Dienstag, 18. Juni 2019
Navigation öffnen

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

29. November 2017 Gesundheits-Apps nicht aus Gewinnstreben vermarkten

„Mit den neuen digitalen Möglichkeiten stehen wir vor einem Quantensprung in der Gesundheitskommunikation“, sagt die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Dr. med. Martina Wenker. „Neue diagnostische Möglichkeiten eröffnen sich, Kommunikationswege verkürzen sich rasant und die Vernetzung kann die Qualität der Versorgung weiter optimieren.“ Um diese Chancen zu nutzen, gelte es aber, die Risiken übergreifend und umfassend zu bewerten und  höchstmögliche Datensicherheit zu schaffen, denn „Datensicherheit und Patientensicherheit sind eine Grundvoraussetzung für die Gestaltung moderner medizinischer Versorgungsstrukturen.“
„Die Digitalisierung darf auch keineswegs dazu führen, dass patientennahe ärztliche Kompetenzen nur über eine Datenleitung aus der Ferne angeboten werden. Unsere Patienten haben auch weiterhin das uneingeschränkte Recht auf die Behandlung  durch einen persönlichen Arzt des Vertrauens, der sie mit Expertise, Empathie und Einfühlungsvermögen vor Ort betreut“, warnt Wenker. „Telemedizinische Anwendungen können die ärztliche Behandlung unterstützen, aber niemals ersetzen“, so die Kammerpräsidentin weiter.

„Für den Digitalisierungsprozess gilt es jetzt, laufende wissenschaftliche Studien und Projekte auszuwerten, zu diskutieren und daraus praktische Konzepte zu entwickeln. Alle Akteure des Gesundheitswesens und die Politik, die die rechtlichen Rahmenbedingungen setzt, sind dazu aufgerufen, diesen Prozess aktiv mitzugestalten“, ergänzt Dr. med. Gisbert Voigt, Vorstandsmitglied in der ÄKN und wissenschaftlicher Leiter des 1. Niedersächsischen Digitalgipfels Gesundheit.

Ein Thema der Veranstaltung sind die sogenannten „Gesundheits-Apps“, die von Patienten zum Selbstmanagement von Krankheiten eingesetzt werden, sowie die „Medizin-Apps“, die in Therapie, Diagnose und Prävention zum Einsatz kommen. Gegenwärtig wird davon ausgegangen, dass rund 140.000 derartige Anwendungen existieren. „Die Ärztekammer Niedersachsen rät Patienten zur kritischen Auseinandersetzung mit Gesundheits-Apps und setzt sich dafür ein, dass Nutzer bereits vor der Anwendung umfänglich aufgeklärt werden – zum Sinn und Zweck der App, über mögliche Einschränkungen und Risiken sowie zum Datenschutz“, betont Wenker. „Sofern Gesundheits-Apps im Rahmen von Leistungen der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung eingesetzt werden, dürfen sie nicht primär der Gewinnmaximierung dienen, sondern ausschließlich gesundheitlichen Zwecken!“

„Die Hochschule Hannover begleitet den Gesamtprozess der Digitalisierung bereits seit vielen Jahren wissenschaftlich fundiert und mit Blick auf die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft. Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist die Berücksichtigung von Expertise aus unterschiedlichen Fachdisziplinen von ganz besonderer Bedeutung. In unseren Forschungsclustern ‚Smart Data Analytics’ sowie ‚Teilhabe und gutes Leben’ verknüpfen wir unter anderem die Fachdisziplinen Medizinisches Informationsmanagement, Informatik, IT-Recht, Pflege, Soziale Arbeit und Gesundheitsmanagement miteinander“, so Informatiker und Präsident der Hochschule Hannover Professor Dr. Josef von Helden.

„Digitalisierungsprozesse benötigen für ihren Erfolg neben sicheren IT-Systemen auch einen Rechtsrahmen, der vor allem die Datenschutzbelange und die möglichen Vereinfachungen für Unternehmen und Bürger zu einem sinnvollen Ausgleich bringt. Mit unseren interdisziplinären Forschungsgruppen bringen wir etwa Mediziner mit Informatikern und Juristen zusammen, um die Aspekte aller Disziplinen von Beginn an zu berücksichtigen“, ergänzt Professor Dr. Fabian Schmieder, Experte für IT- und Datenschutzrecht der Hochschule Hannover und wissenschaftlicher Leiter des 1. Niedersächsischen Digitalgipfels Gesundheit.“

Weitere Informationen: www.digitalgipfel-gesundheit.de

Quelle: Ärztekammer Niedersachsen


Das könnte Sie auch interessieren

Neue Krebs-Studien zur Immuntherapie am Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) für Patienten geöffnet

Das Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest startet jetzt in Kooperation mit der Klinik für Onkologie und Hämatologie zwei neue Studien zur Wirksamkeit eines hoch innovativen immuntherapeutischen Ansatzes unter Verwendung von sogenannten Checkpoint-Hemmern: Diese sollen die Blockaden des Immunsystems gegen Krebszellen aufheben. An der ersten Studie in Phase II nehmen Patienten mit vorbehandeltem Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) teil, die einen...

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung
© ChenPG / Fotolia.com

Viele Krebspatienten schöpfen durch Musik, Malen oder andere künstlerische Tätigkeiten neue Kraft. Doch lange Zeit reichte der wissenschaftliche Kenntnisstand nicht aus, um die Wirkung von Musik- oder Kunsttherapien zu belegen. Erst in den letzten Jahren wurden hierzu vermehrt psychoonkologische Studien durchgeführt, in denen es gelang, die Steigerung des Wohlbefindens von Patienten durch künstlerische Betätigungen nachzuweisen.

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Gesundheits-Apps nicht aus Gewinnstreben vermarkten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren