Donnerstag, 21. März 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

28. November 2017 Innovationsfondsprojekt: AOK Nordost und Vivantes entwickeln neues Lotsenmodell

Eine persönliche Patientenbegleitung während und nach einem Klinikaufenthalt soll die Versorgung von chronisch Kranken verbessern und unnötige Wiedereinweisungen verhindern. Die AOK Nordost entwickelt dazu mit Vivantes ein neues Lotsenmodell. Unterstützt werden beide Partner dabei vom Berufsverband Deutscher Internisten und dem Bundesverband Niedergelassener Kardiologen.
In einem mit rund 4,66 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds geförderten Pilotprojekt wird dieses Modell zunächst bei chronisch Herzkranken mit einer Ischämischen Herzerkrankung (z.B. Herzinfarkt) oder Herzrhythmusstörungen getestet. Ist der „Cardiolotse“ erfolgreich, könnte daraus ein eigenständiges Berufsfeld entwickelt werden, das auch bei anderen chronischen Erkrankungen zum Einsatz kommt. Die Evaluation übernimmt die Ludwig-Maximilians-Universität München.

Der Cardiolotse fungiert als Bindeglied zwischen dem Patienten und allen an dessen Versorgung Beteiligten. Seine Tätigkeit geht weit über das Entlassmanagement hinaus. Seine zentrale Aufgabe ist es, den Patienten umfänglich und für diesen gut verständlich über seine Erkrankung aufzuklären und ihm als persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Die Intensität der Betreuung wird sich nach dem individuellen Bedarf richten. Dadurch sollen Ängste und Unsicherheiten beim Patienten abgebaut und er langfristig befähigt werden, souverän mit seiner Erkrankung umzugehen. Der Cardiolotse wird für diese Aufgabe entsprechend geschult und kann sich bei Fragen oder Unsicherheiten jederzeit mit einer spezialisierten Krankenpflegefachkraft austauschen, die im engen Kontakt zu einem Facharzt steht.

Daneben wird sich der Cardiolotse auch um die Terminkoordination für ärztliche Kontrolluntersuchungen und die Suche nach geeigneten Therapeuten und Herzsportgruppen kümmern. Außerdem unterstützt er den Patienten bei der regelmäßigen Medikamenteneinnahme. Auf diese Weise kann er auch therapeutische Abweichungen feststellen, gesundheitlich kritische Situationen rechtzeitig erkennen und die notwendigen Maßnahmen einleiten.

„Das schlagende Herz ist der Inbegriff für Leben. Wenn es aussetzt oder aus dem Takt gerät, leiden die Betroffenen oft Todesängste. Gerade nach einem Klinikaufenthalt horchen diese Menschen besonders stark in sich hinein und geraten schon beim kleinsten Anzeichen, dass etwas nicht stimmen könnte, in Panik. Wir sind überzeugt, dass eine individuelle und auf das Krankheitsbild spezialisierte Patientenbegleitung mehr Stabilität und Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung geben kann und damit auch unnötige Wiedereinweisungen verhindert werden“, sagt Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

Prof. Dr. Harald Darius, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Vivantes Klinikum Neukölln, ergänzt: „Im Falle eines erfolgreichen Projektabschlusses wäre wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, dass eine bessere Vernetzung der Versorgungsebenen durch spezialisierte Lotsen die Wirksamkeit der Therapie steigern kann.“ Das Modell biete zudem auch eine Chance, Versorgungsunterschiede insbesondere aufgrund des Sozialstatus, des Bildungsniveaus und des Migrationshintergrundes abzubauen.

Eckdaten zum Projekt Cardiolotse:

Konsortialführer: AOK Nordost
Konsortialpartner: Vivantes
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) – Fachbereich Health Services Management
Kooperationspartner: niedergelassene Ärzte, Deutsche Herzstiftung e.V.,
Berufsverband Deutscher Internisten e.V.,
Bundesverband Niedergelassener Kardiologen e.V.
Projektlaufzeit: 36 Monate - von Juni 2018 bis Mai 2021

Hintergrund

Der Innovationsfonds stellt bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro für Versorgungsprojekte und -forschung bereit. Es werden ausschließlich Projekte gefördert, die deutlich über die bisherige Regelversorgung hinausgehen (https://innovationsfonds.g-ba.de/). Bisher wurden bereits elf Projekte mit AOK Nordost-Beteiligung vom Innovationsfonds gefördert – davon sieben Projekte bei den neuen Versorgungsformen und vier bei der Versorgungsforschung. Mit der dritten Förderwelle haben nun zwei weitere Projekte der neuen Versorgungsformen einen Förderzuschlag erhalten. Neben dem Cardiolotsen zählt dazu auch das Projekt SMARTGEM unter Konsortialführerschaft der Charité.

Quelle: Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH


Das könnte Sie auch interessieren

Krebstherapie gestern, heute, morgen: Entwicklungen in der Onkologie

Krebs gilt heute als Volkskrankheit: Bei Frauen stieg die Zahl der jährlich auftretenden Neuerkrankungen seit 1980 um 35 Prozent, bei Männern sogar um 80 Prozent an. Dass die krebsbedingte Sterberate dennoch im gleichen Zeitraum zurückging, ist u. a. Verdienst der modernen Forschung: In allen Bereichen der Krebsmedizin – von der Grundlagenforschung bis hin zur strukturierten Nachsorge der Patienten – haben sich enorme Erfolge eingestellt. Dies war jedoch ein weiter...

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen
Universitätsklinikum Ulm

Senkt Sport das Rückfallrisiko bei Krebs? Welcher Badeanzug steht mir nach der Brustamputation? Wie ernähre ich mich so, dass ich fit bleibe? Um diese und weitere Fragen dreht sich der 11. Krebsaktionstag der Medizinisch-Onkologischen Tagesklinik (MOT) der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Ulm. Krebspatient*innen, Angehörige und Interessierte sind am Freitag, den 14.09.2018 herzlich eingeladen, sich von 10.00 bis 16.30 Uhr bei kostenfreien Vorträgen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Innovationsfondsprojekt: AOK Nordost und Vivantes entwickeln neues Lotsenmodell"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.