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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

12. Dezember 2016 Herzinfarktregister steht in Sachsen-Anhalt vor dem Aus

Die Herzinfarktsterblichkeit in Deutschland ist den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Auch im Bundesland Sachsen-Anhalt hat die Sterblichkeit am Herzinfarkt abgenommen. Trotz dieses positiven Trends lag Sachsen-Anhalt bezüglich der Herzinfarktsterblichkeit im Jahr 2012 38% über dem Bundesdurchschnitt und nahm bundesweit eine (negative) Spitzenposition ein. Belastbare Daten zur Ursache dieser erhöhten Sterblichkeit lagen bisher nicht vor. Das Land Sachsen-Anhalt, die AOK Sachsen-Anhalt, die IKK gesund plus, der Verband der Ersatzkassen und die beiden Medizinischen Fakultäten in Magdeburg und Halle hatten daraufhin vor etwas mehr als drei Jahren auf Initiative des Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff das Regionale Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt (RHESA) ins Leben gerufen.
Bis jetzt wurden wertvolle Daten gesammelt und erste Erkenntnisse gewonnen, wie die Versorgung verbessert werden kann. Nun steht das Regionale Herzinfarktregister vor dem Aus, da die weitere Finanzierung durch das Land Sachsen-Anhalt nicht gesichert ist. Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration hat für den kommenden Doppelhaushalt keine Mittel für RHESA eingeplant, so dass zum 31. Dezember 2016 die Arbeit eingestellt werden muss. Die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität kann diese zusätzlichen Mittel nicht aufbringen.
 
Es geht dabei um etwa 172.000 Euro pro Jahr für die kommenden drei Jahre. Wobei das Bundesministerium für Gesundheit zusätzliche 35.000 Euro zur Verfügung stellen würde. Mit den dann zusammen genommen 207.000 Euro werden drei Personalstellen sowie Sachmittel finanziert – damit ist das Projekt sparsam, aber arbeitsfähig ausgestattet. Prof. Dr. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: „Das Sozialministerium hatte darauf gesetzt, dass der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses die Mittel zur Verfügung stellen wird – doch der GBA lehnte vor wenigen Tagen ab.“ Empört ergänzt Dr. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt: „Einen Plan B für die weitere RHESA-Finanzierung haben die zuständigen Mitarbeiter des Ministeriums offensichtlich noch nicht.“
 
Wenn RHESA nun endet, bleiben die gesammelten, wertvollen Daten unausgewertet, werden keine Schlüsse für die künftige Versorgung von Herzinfarktpatienten getroffen und werden letztlich die bisher investierten Mittel der Krankenkassen, der Deutschen Herzstiftung, des Landes Sachsen-Anhalt und des Bundesgesundheitsministeriums in den Sand gesetzt, fassen der Dekan und die Ärztekammerpräsidentin die Folgen des RHESA-Endes zusammen.
 
Beide haben sich mit einem Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt gewandt und um Unterstützung für das Herzinfarktregister gebeten: „Der Ministerpräsident darf seine Herzensangelegenheit nicht sterben lassen.“ Dr. Simone Heinemann-Meerz und Prof. Gekle weisen darauf hin, dass im Koalitionsvertrag der Landesregierung die RHESA-Finanzierung verankert ist. RHESA sei ein Mittel für die Daseinsfürsorge und können letztlich durch eine verbesserte Versorgung der Patientinnen und Patienten zu einer finanziellen Entlastung der Krankenkassen und des Sozialsystems führen.
 
Hintergrund zu RHESA

Vielfältige Faktoren, wie die häufig vorkommenden Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen im Bundesland Sachsen-Anhalt, unzureichende Strukturen und Prozesse des Rettungsdienstes oder im Krankenhaus könnten zu dieser erhöhten Sterblichkeit bei Herzinfarkten beitragen. Die Etablierung eines regionalen bevölkerungsbezogenen Herzinfarktregisters wurde daher als ein notwendiger Schritt zur Untersuchung und Verminderung der Herzinfarktsterblichkeit im Land Sachsen-Anhalt angesehen. Ein Herzinfarktregister ist in der Lage, das Krankheits- und Sterblichkeitsgeschehen in einer umschriebenen Region abzubilden und wesentliche Aufschlüsse zu den oben genannten Faktoren zu liefern. Damit ist es möglich, problem-orientiert die Qualität der Versorgung von Herzinfarktpatienten wissenschaftlich begründet zu sichern.
 
Ziel von RHESA ist es, in einer städtischen und einer ländlichen Wohnbevölkerung eine regionale, bevölkerungsbezogene Herzinfarktregistrierung aufzubauen, um Ursachen der überdurchschnittlich hohen Sterblichkeit am akuten Herzinfarkt im Land Sachsen-Anhalt zu untersuchen und mögliche Maßnahmen zur gezielten Beeinflussung zu finden.
 
Registriert werden alle überlebten und tödlichen Herzinfarkte aus der Stadt Halle (Saale) und der Altmark (Landkreis Stendal, Altmarkkreis Salzwedel). Überlebte Herzinfarkte werden über 16 beteiligte Krankenhäuser, darunter auch solche außerhalb der bevölkerungsbezogenen Registerregion, tödliche Herzinfarkte über die Gesundheitsämter der Registerregion in Kooperation mit den leichenschauenden Ärzten an das RHESA gemeldet. Des Weiteren erhält RHESA von der Rettungsleitstelle in Halle und von den Johannitern in Stendal sowie der Kreisverwaltung Salzwedel die Einsatzprotokolle des Rettungsdienstes, um die Versorgung vor der Krankenhausaufnahme abbilden zu können. Das Datenschutzkonzept des Registers ist mit dem Landesdatenschutzbeauftragten abgestimmt.

Die bisherigen Analysen des Registers zeigten vor allem für die  Altmark ein Problem bei notwendigen  Verlegungen von Patienten mit verengten Gefäßen in Krankenhäuser mit einem Linksherzkatheter. Bei Patienten mit verengten Gefäßen sollen mittels Katheter die Gefäße gedehnt werden. Bis zum Beginn der Weiterverlegung ging nach ersten Daten in dieser Region bei einem Teil der Patienten wertvolle Zeit verloren. Dr. Stefanie Bohley, RHESA-Koordinatorin konnte nun Verbesserungstendenzen der Versorgungssituation feststellen.

Quelle: Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität und Ärztekammer Sachsen-Anhalt


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